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Auf Sprüche wie „Trink doch einen mit, das macht dir nichts aus“ reagiert Dr. Birger Freier allergisch. Beim Vortrag ging er direkt auf die Anwesenden zu und holte sie auf emotionaler Ebene ab. Foto: Regionalforum Fulda-Südwest

„Das Wunschdenken fehlt“

am 18.09.2019

Auftakt von „Die ganze Wahrheit“: Einstiegsalter bei Alkohol und Nikotin sinkt

NEUHOF (tg). Mit der Vortragsreihe „Die ganze Wahrheit – was dir niemand erzählt“ zeigt das Regionalforum Fulda-Südwest die Gefahren von Alkohol und anderen Suchtmitteln bei Jugendlichen auf. Und zwar aus Sicht eines Notfallmediziners.

In einem Sachstandbericht hat Sozialarbeiter Andreas Theilig, seit 1999 Jugendbetreuer beim Regionalforum Fulda-Südwest, die Probleme rund um die Sucht vorgetragen. Er thematisierte alle Arten der Abhängigkeit, sei es Alkohol, Nikotin, Drogen oder Medien. Was ihm dabei Kopfschmerzen, bereitet ist der Trend, dass Jugendliche immer früher anfangen zu trinken oder zu rauchen:„Die Suchtgefahr steigt mit dem sinkenden Einstiegsalter, und umso größer sind auch die Folgeschäden“, sagte Theilig bei der Auftaktveranstaltung im Gemeindezentrum Neuhof.
„Bei Veranstaltungen wie dem Rosenmontag landen Unmengen an Jugendlichen wegen Alkoholmissbrauch in der Klinik“, machte Notfallmediziner und Referent Dr. Birger Freier deutlich. Der erfahrene Arzt hat zudem bemerkt, wie die Aggression derselben Jugendlichen unter dem Einfluss von Alkohol immens zunehme, bis hin zu sinkender Tötungshemmung. „In einer Gruppe ist der Kernsäufer, der zwei Flaschen Wodka trinken und dann noch stehen kann, der Held. Dort müssen wir aufklären. Eine solche Person darf kein Idol sein“, unterstrich der Notfallmediziner.
Beängstigend sei aus der Sicht des Regionalforums, dass der Alkoholkonsum bei Mädchen um 128 Prozent zu genommen habe. „Es gab Zeiten, da haben die Jungs den Mädchen Bier zu trinken gegeben, welche anschließend sagten ,Bäh, das schmeckt nicht‘. Heute aber sind immer öfter die Mädchen diejenigen, die den Alkohol mitbringen.“
Immerhin:Weniger Jugendliche würden rauchen. Aus Sicht des Regionalforums liege das daran, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Nikotin gesunken sei, nicht zuletzt durch das Nichtraucherschutzgesetz. Aber:„Hört Jugendschutz bei Nikotin auf? Warum gibt es keinen gesetzlichen Schutz bei Alkohol?“,fragt Jugendarbeiter Theilig.

Eltern sind gefordert

Die Vortragsreihe, zu der bereits zur Auftaktveranstaltung einige Besucher kamen, ist nach Jugendlichen und Erwachsenen getrennt, um die Schamgrenze der Angesprochenen zu senken. „Die ganze Wahrheit“ richtet sich nämlich auch und gerade an Eltern. Denn oftmals führe der Weg zu schädlichen Substanzen auch über die Eltern, sei es als Ritual das erste Bier am Konfirmationstag oder das Mittrinken auf der Kirmes. Aus Freiers Sicht fehle in der Gegenwart das Wunschdenken:„Alles, was man haben möchte, ist quasi sofort per Mausklick verfügbar. Es fehlt der Gedanke, dass man für ein Objekt der Begierde arbeiten muss, eine Suchtbefriedigung findet also nicht mehr statt.“Das sei einer der Gründe, warum Menschen in Alkohol, Drogen und anderen Suchtquellen ihre Erfüllung suchen.
Auf Augenhöhe mit dem Publikum, aber ohne erhobenen  Zeigefinger, führte Birger knackige Diskussionen. Die Hauptfrage der Anwesenden Erwachsenen dabei war: „Was machen wir jetzt?“. Eines der Anliegen der Veranstaltung ist es, den Jugendlichen Alternativen zu zeigen. Freier nennt als Beispiel:„Gebt Jugendlichen einen Platz im Dorf, gebt ihnen einen Spaten in die Hand und sagt: ,Gestaltet ihn, es ist euer Platz.‘“

Weitere Vorträge

Interaktive Vorträge für Eltern und alle anderen Erwachsenen, die privat, beruflich oder ehrenamtlich mit Jugendlichen zu tun haben: - Dienstag, 24. September, Bürgerhaus Welkers, 19.30 Uhr - Dienstag, 8. Oktober, im Lüderhaus Großenlüder,19.30 Uhr
Für Jugendliche und junge Erwachsene:- Donnerstag, 26. September, Bürgerhaus Welkers, 18 Uhr- Donnerstag, 10. Oktober, Lüderhaus Großenlüder, 18 Uhr

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