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Jäger Michael Schwalbach (rechts) zeigt Landwirt Richard Breitung (Mitte) und Michael Bischoff am Monitor, was die Wärmebildkamera an der Drohne aufgezeichnet hat. Fotos: Sabine Burkardt

Rehkitzrettung aus der Luft

am 06.05.2019

Jäger aus Ufhausen spüren Jungtiere im hohen Gras mittels einer Drohne auf

EITERFELD. Sie legen sich ins hohe Gras, um damit ihr Leben zu schützen. Doch oft ist das ihr Tod: Rehkitze oder andere Jungtiere werden Opfer der Mähmaschinen, wenn in Kürze der erste Grasschnitt ansteht. Jäger aus Ufhausen wollen nun mit Hilfe von Wärmebildkameras die Tiere vor der Mahd aufspüren.

„Die Kitze drücken sich in den ersten Lebenswochen dicht ins hohe Gras und verhalten sich dort vollkommen still, selbst wenn sich ihnen jemand nähert. Das ist genau das Problem, denn die Tiere verharren auch dann völlig regungslos am Boden, wenn der Bauer nur einen knappen Meter entfernt vorbeiläuft“, erklärt Dr. Hubert Beier, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes.
Auch Hunde mit ihren guten Spürnasen können die Rehkitze nicht wahrnehmen, da die Jungtiere noch keine Witterung abgeben. Unentdeckte verletzte oder tote Tiere sind dann durch ihre Zersetzung  schädlich für die Tiere, die das verseuchte Heu zum Fressen bekommen. Und auch der ethische Aspekt spielt eine große Rolle: „Wenn sie einmal ein totes oder verletztes Rehkitz gefunden haben, dann versuchen sie alles, damit dies nicht nochmal passiert. Das ist ganz furchtbar“, erzählt Landwirt Richard Breitung aus Oberweisenborn, auf dessen Wiese an diesem Morgen einiges los ist. Denn hier soll der Öffentlichkeit gezeigt werden, wie mit Hilfe einer Drohne versteckte Jungtiere im hohen Gras sichtbar gemacht werden können.
Jäger Michael Schwalbach (Ufhausen) hat sich schon das Steuergerät um den Hals gehängt und lässt die Drohne langsam in die Höhe fliegen. Als Versuchsobjekt hat sich Jagdhund Gundel im Gras hingelegt und lässt die Drohne geduldig über sich hinweg surren. An ihr ist eine Wärmebildkamera angebracht, die sofort Bilder auf einen kleinen mobilen Monitor schickt. Gundel zeichnet sich auf dem Bild durch seine höhere Temperatur als heller Fleck ab. „Das Überfliegen der Flächen sollte natürlich früh morgens geschehen, wenn es noch kühl ist“, erklärt Michael Schwalbach. Die Drohne schafft dabei, einen Hektar Fläche in fünf Minuten abzusuchen.
Wird ein Tier ausfindig gemacht, kommen Helfer zum Einsatz, um es zu suchen. Vorsichtig werden die kleinen Rehe dann mit Hilfe dicker Grasbüschel aufgehoben, in einen Karton gesetzt, an den Feldrand getragen und im Schatten abgelegt. „Sie sollen nicht nach Mensch riechen, weil ihre Mutter sie sonst nicht wieder annimmt“, erklärt Schwalbach. Die Mutter wird später ihr Rehkitz wieder abholen. Erst dann können die riesigen Mähmaschinen die Wiese abmähen. Der Einsatz von Drohnen biete eine nahezu hundertprozentige Sicherheit, die Rehkitze zu finden, betonen Richard Breitung und Michael Schwalbach. Es sei auf jeden Fall auch sicherer, als die Fläche zu Fuß abzulaufen oder Flatterbänder aufzuhängen. Allerdings ist so ein Drohneneinsatz auch nicht gerade erschwinglich. Die Jäger  haben einen vierstelligen Euro-Betrag in eine Drohne investiert. Die Jagdgenossenschaft hat sich daran mit 30 Prozent beteiligt.
Neben der Kitz-Rettung sind die Geräte aber auch noch in anderer Weise nützlich. „Die Drohne ist bereits seit 2018 im Einsatz. Wir spüren damit schwer zu jagende Wildschweinrotten auf, die sich in Maisfeldern aufhalten und dort große Schäden anrichten“, erklärt  Stefan Hohmann aus Ufhausen. Landwirte und Jäger stünden voll hinter der Anschaffung der Drohne, da die Schadensfälle absolut gering gehalten werden können, so Hohmann.
„Das Zusammenspiel zwischen Landwirten und Jägern ist sehr wichtig“, sagt Dr. Hubert Beier. Einige Tage vor dem Mähtermin sollte der Jagdpächter informiert werden, um die Wiese abzusuchen. Der erste Grasschnitt Mitte Mai sei meist auch der Zeitpunkt, an dem die Rehkitze geboren und in den Wiesen abgelegt werden. „Bei späteren Schnitten gibt es dann zumindest mit Jungtieren keine Probleme mehr“, so Beier.

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