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Karolin, Luca, Lara-Sophie und Amelie von der Lüdertalschule stimmten mit einem berührenden Tanz das Publikum in der Biebertalschule auf das Thema der nachfolgenden Lesung ein: die erfolgreiche Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung. Am Ende legt die „Beschneiderin“ ihr Messer für immer weg. Foto: S. Limpert

Mut, Wissen und Freude kontra Gewalt

am 15.02.2019

40. Lesung des Vereins LebKom über sein Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung in Kenia

HOFBIEBER/GROSSENLÜDER/HÜNFELD (sli). „Ein schöner Abend.“ Diese Aussage würde man nicht unbedingt über eine Veranstaltung gegen weibliche Genitalverstümmelung (kurz FGM) erwarten – und doch war dies der Tenor nach der Lesung „Wüstenblume muss nicht sein – Die Kisii, das Wissen und der Wandel“.

Eingeladen hatte die Biebertalschule in Hofbieber gemeinsam mit dem Verein „Lebendige Kommunikation“ (LebKom), der sich seit über 15 Jahren in Kenia mit seinem Fulda-Mosocho-Projekt für ein Ende von FGM einsetzt. „Wir wollen Zivilcourage zeigen, indem wir uns mit dem Thema beschäftigen“, sagte Schulleiter Ulrich Dölle. Per Videobotschaft bedankte sich Bundestagsabgeordneter Michael Brand bei der Schulgemeinde, dass sie nicht wegschaue angesichts des Leids von weltweit 300 Millionen betroffenen Mädchen und Frauen. Am 6. Februar hatten die Vereinten Nationen international zu „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“ aufgerufen.
Die Lesung war die 40. innerhalb einer bundesweiten Aktionsreihe und die dritte im Landkreis Fulda. Bereits im Herbst hatten Veranstaltungen im Hünfelder Stadtcafé und in Großenlüder stattgefunden. Vier Schülerinnen der Lüdertalschule hatten eine Tanzimprovisation zu der Problematik kreiert, die sie nun noch einmal aufführten. Tanzpädagogin Anke Grosch betonte, dass sie es gut finde, Gewalttätigkeit mit Bewegung und positiver Energie entgegenzutreten. Am Ende tanzten alle Anwesenden zu „Spreng die Ketten“ – dem Lied des weltweiten Aktionstags „One Billion Rising“ zur Solidaritätsbekundung für weibliche Opfer von Gewalt. Auch Fulda beteiligte sich am 14. Februar um 12.30 Uhr auf dem Uniplatz daran.
LebKom gibt sich nicht damit zufrieden, auf die Menschenrechtsverletzung FGM aufmerksam zu machen, sondern möchte zeigen, wie es gelungen ist, den Brauch mit Hilfe einer psychosozialen Kommunikationsstrategie zur Gleichstellung von Mann und Frau – dem in Fulda entwickelten „Wertzentrierten Ansatz“ – in Mosocho zu überwinden. Inzwischen ist das Projekt auf zwei Nachbarregionen ausgeweitet worden.
Der Hofbieberer Bürgermeister Markus Röder las den Erfahrungsbericht eines Vaters vor, der durch Zufall vom Fulda-Mosocho-Projekt erfahren, seine Tochter vor der Beschneidung gerettet hatte und der sich jetzt aktiv für den Schutz aller Mädchen einsetzt. Wie eine Großmutter zur Rettung ihrer Enkelinnen mutig gegen Konventionen verstieß, berichtete Lehrerin Sylvia Falkenhahn in ihrem Vortrag. Auch Schulsprecher Julian Bech übernahm einen Lesepart. Einen Ausschnitt aus dem Beststeller „Wüstenblume“ von Waris Dirie präsentierte Celina Sommer.
Claudia Wegener von LebKom, die selbst mehrere Jahre lang in Kenia für das Fulda-Mosocho-Projekt tätig gewesen war, trug den Bericht ihrer Kollegin, der langjährigen Anti-FGM-Fachkraft Kerstin Hesse, vor: Nach dem 2001 erfolgten staatlichen Verbot der weiblichen Beschneidung hätten sich die Menschen „im Spannungsfeld zwischen gesetzlichem Auftrag und kultureller Erwartung befunden“. Innovativ ausgerichteter Sexualkunde-Unterricht habe geholfen, eine positive Einstellung zum weiblichen Körper zu entwickeln.
„Mir ist bewusst geworden, wie wichtig es ist, die Männer mit ins Boot zu holen“, sagte Zuhörerin Charlotte Scholz am Ende. „Ich finde besonders beeindruckend, mit welcher Freude die Veränderung geschieht“, ergänzte Maria Dege. „Statt der Beschneidung wie früher wird nun die Unversehrtheit der Mädchen mit Musik und Tanz gefeiert.“

Info

Die Vorlese-Aktion ist Teil des bundesweiten entwicklungspolitischen Projekts „Weibliche Genitalverstümmelung – mehr Engagement für bedrohte Frauen und Mädchen in Afrika! Ehrenamt stärken, Jugend erreichen, Entscheidungsträger bewegen“. Einrichtungen wie Schulen, Kirchengemeinden, Büchereien oder auch Privatpersonen, die gerne eine Lesung ausrichten würden, können sich an LebKom, Telefon (0661) 64125, E-Mail lebendige-Kommunikation@gmx.de wenden. Weitere Informationen: www.fulda-mosocho-project.com

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