Menü Button Login Button
mk Logo
Marktkorb Logo
Nicht nur neue Krippen baut Thomas Rodemer, er restauriert auch ältere Krippen. Fotos: dg

Wahre Kunstwerke in verschiedenen Stilarten

am 29.11.2018

„Tag der offenen Werkstatt“ beim Vogelsberger Krippenbaumeister Thomas Rodemer

HERBSTEIN (dg). Seine Werkstatt ist nicht groß, alles hat seinen Platz und dennoch finden sich unendlich viele Kleinigkeiten darin. Flechten, Ästchen, Kiesel, Borken, Rinde, gemahlene Steine in den verschiedensten Farben, Styrodur-Platten und unzählige kleine Leisten und Brettchen.

Beim „Tag der offenen Werkstatt“ am Wochenende wurde dies den zahlreichen Besuchern recht deutlich. Aus den vorgenannten Materialien fertigt der 59-jährige Thomas Rodemer wahre Kunstwerke: Weihnachtskrippen. Der Leiter des Präsidialamts beim Polizeipräsidium Osthessen ist in seiner Freizeit Krippenbauer mit Herz und Seele.
Jedes seiner kleinen Kunstwerke ist ein Unikat. Er baut aufwendige, detailverliebte Krippen im verschiedensten Stil. Jeder seiner Handgriffe sitzt. Unbehandelte Brettchen, Leisten, Klötzchen, kleine Rundhölzer, Stäbe erhalten Strukturen, geben jeder Krippe ihr „eigenes Gesicht“. Seit neun Jahren geht Thomas Rodemer diesem schönen Hobby nach. Beim Verband bayerischer Krippenfreunde absolvierte er einen vier Jahre dauernden Kurs zum Krippenbaumeister, der in Kempten/Allgäu und in Klüsserath/Mosel stattfand. Seit einigen Jahren bietet er in den Herbstferien selbst Kurse an.
Die Kurse finden mittlerweile so großen Anklang, dass sie bereits lange vor Beginn ausgebucht sind. Jeder Teilnehmer habe dabei seine eigene Vorstellung von der Krippe und den dazugehörenden Gebäuden und verwirkliche diese. Er selbst gebe nur Anregungen und Tipps dazu, erzählt Rodemer. Eine interessante Begebenheit gab es beim letztjährigen Kurs. So präsentierte ein Kursteilnehmer das Bild einer Krippe, das er im Internet gefunden hatte. Rodemer identifizierte sie sofort als eine seiner Krippen. Bei dem Krippenbau kämen dann die verschiedensten Techniken zur Anwendung. So werde beim Fachwerk für die Gebäude viel mit der Klebetechnik gearbeitet.
Dies bedeute, dass die einzelnen Balken auf eine Unterlage, wie zum Beispiel Spanplatten oder auch Styrodur aufgeklebt werden. Aber auch der klassische Fachwerkbau mit dem Verzapfen der einzelnen Fachwerke werde angewendet. Hauptarbeitsmittel sei der „Krippenmörtel“. Dieser bestehe aus Holzleim, Kreide, Wasser und Sägemehl und finde vielseitige Verwendung. Pro Krippe müssen rund 40 Stunden Arbeitszeit und bei einigen sogar 50 Stunden aufgewendet werden.
Vor Kurzen gab es sogar einen kleinen Kurs in seiner Werkstatt, bei dem die Krippe für die Kirche in Hofbieber entstand. Zudem erhält Rodemer auch ältere Krippen zur Restauration.
Zur Entstehung des Krippenbaus insgesamt sagte Thomas Rodemer bei einem Gespräch, dass die Umstände der Geburt Christi in einem Stall mitten im tiefsten Winter schon immer die Fantasie beflügelt hätten. So sei Christi Geburt vielfach landestypischen Vorstellungen angepasst und vom vorderen Orient bis in unsere Breiten verlagert worden.

Lange Tradition

Im alpenländischen Raum habe der Krippenbau eine lange Tradition. Seit vielen Jahrhunderten werden in der Adventszeit selbstgefertigte Weihnachtskrippen in Wohnungen und Kirchen aufgestellt. Die erste Nennung einer Weihnachtskrippe sei die im Jahr 1562 von Jesuiten in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung. Kurze Zeit später wurde das Aufstellen von Krippen zur Weihnachtszeit bereits eine Prestigesache.
Bei dem Vogelsberger Krippenbaumeister hat die Liebe zu den Krippen mit der großelterlichen Krippe angefangen, die dann plötzlich jedoch verschwunden war. Den Wunsch nach einer eigenen Familienkrippe kam dann, als er selbst Kinder hatte. Bei ihm wird allerdings jedes Jahr eine neue Krippe gebaut und aufgestellt. In diesem Jahr ist es eine heimatliche Krippe, die noch bis zum Heiligen Abend fertig sein muss. Viel Zeit bleibt dem Krippenbaumeister allerdings nicht mehr, denn auch in diesem Jahr stellt er beim „Advent im Museum“ in Ulrichstein und beim Büdinger Weihnachtsmarkt aus.
In Herbstein hat sich im Dezember 2008 ein Krippenverein gegründet, der abwechselnd von Jahr zu Jahr eine Krippenausstellung im Bruder-Konrad-Haus oder einen Krippenweg organisiert. Auch hier ist Thomas Rodemer stark engagiert.

Social Button Facebook Social Button Facebook - Wide
Social Button Google+ Social Button Google+ - Wide
Social Button Twitter Social Button Twitter - Wide