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Das Grabmal der Famile Zwenger wurde 1988 liebevoll restauriert. Foto: Stadt Fulda

Spirituosen-Fabrikant und früher „Revoluzzer“

Artikel von Andre König am 16.07.2019

Serie (Teil 6) zu Gräbern auf Altem Friedhof / Heute: Joseph Zwenger

FULDA. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen ihre Herkunft hinterfragen und bei der Suche nach Informationen detektivischen Eifer an den Tag legen. Es ist auch nicht selten, dass einige bei der Suche nach Informationen über den Ur-Ur Großvater fündig werden. Wenn man dann noch Glück hat und neben dem Geburts- und Sterbedatum auch noch Geschichten über die jeweilige Person findet, ist es fast schon ein kleines Wunder.

Eine absolute Seltenheit allerdings ist es, wenn man seinen Stammbaum bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen kann und darüber hinaus auch noch bildliche Darstellungen von zehn Generationen vorzuweisen hat. Horst-Otto Zwenger hat dieses Glück. Seit mehr als 40 Jahren sammelt er alles, was mit der Fuldaer Familie Zwenger zu tun hat, recherchiert über seine Vorfahren bis zum letzten Detail und kann eine beachtliche Chronik der Familie mit 24 Bänden mit 8304 Seiten sein Werk nennen. So war es ein Leichtes, über Dr. Joseph Zwenger (1802-1845) geeignete Informationen zu finden und das „Band der Erinnerung“ am Alten Städtischen Friedhof zu erweitern.
Joseph Zwenger war in Fulda kein Unbekannter. Als Kaufmann betrieb er ein Spirituosen-Fabrikation im Haus Unterm Hl. Kreuz 11, welches der Familie Zwenger gehörte und sich direkt neben der heutigen Löwenapotheke befindet. Die hochprozentigen Köstlichkeiten fertigte er in einem Gutshof in Niesig, welchen er 1838 gekauft hatte. Für die Bewirtschaftung und den Erhalt der 140 Hektar großen Anlage waren große Mühen erforderlich.
Joseph Zwenger zeichnete sich mitunter durch einen rebellischen Wesenszug aus, und so verwunderte es auch niemanden, dass er im Jahr 1830, angestachelt durch die Julirevolution in Frankreich, mit ein paar anderen Fuldaer Bürgersöhnen das Steueramt erstürmte, welches als Symbol für die kurfürstliche Finanzmacht galt. Offenbar wurden die „Revoluzzer“ verraten, denn schon bald wurden die Aufständischen geschnappt. Joseph Zwenger musste in der Folge zusammen mit seinen Mitstreitern für drei Monate ins Gefängnis. Dessen ungeachtet wurde Zwenger wenig später Leutnant der Fuldaer Bürgerwehr und war Verfasser des Liedes für die Bürgerwehr, das die Rekruten bei ihrer Vereidigung auf dem Fuldaer Domplatz sangen.
Verheiratet war Joseph Zwenger mit Eva Therese Zwenger geb. Kircher. Von ihr ist ein Tagebucheintrag erhalten, der sich dem Tod ihres Mannes widmet. Zwenger verstarb demnach mit gerade mal 42 Jahren an einer Blutvergiftung. Aus der Ehe gingen elf Kinder hervor. Sieben Töchter und vier Söhne. Zwei  Töchter zog es für längere Zeit nach Frankreich, wo sie einen gemeinsamen Haushalt führten.
Der Sohn Eduard Ludwig Ignatz Zwenger lebte in Fulda. Er hatte die Geschäftstüchtigkeit seines Vaters geerbt und gründete einen Lebensmittel-Großhandel und eine Kaffeegroßrösterei, welche ihren Sitz am Severiberg, Ecke Rosengasse hatte, übrigens im selben Haus, in dem einst Dombaumeister Dientzenhofer wohnte, als er nach Fulda kam. Eduard Zwenger hatte zwei besonders erfolgreiche Kaffeemarken vorzuweisen, welche auch über die Grenzen von Fulda hinaus auf Zuspruch stießen. Zum einen den „Bonifatius-Kaffee“, zum anderen den „Reinluft-Glocken-Kaffee“. Letzterer wurde mit dem Spruch beworben: „Wer einmal seine Güte kennt, sich nie von Glocken-Kaffee trennt“. 
Das Grabmal von Joseph Zwenger am Alten Städtischen Friedhof fällt sofort ins Auge: Es wurde 1988 restauriert und besteht aus verschiedenartiger Symbolik. Hier findet man nicht nur Kreuz, Herz und Anker für das klassische „Glaube, Liebe Hoffnung“, sondern auch zwei Fackeln, eine nach oben gerichtet, eine nach unten, welche Leben und Tod symbolisieren. Zudem ein weiteres Symbol  für den Götterboten Hermes, welcher der Gott der Kaufleute war – er soll einen Hinweis auf den Beruf des Verstorbenen geben. Neben Joseph Zwenger sind auch seine Frau und drei ihrer Kinder sowie die Gattin des Sohns Eduard an dieser Stelle beigesetzt. Die Sandsteinkreuze neben dem Grabmal weisen erinnern an sie.