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Gottfried Fleck hat seine letzte Ruhestätte in der Nähe der Friedhofskapelle gefunden. Fotos: Stadt Fulda

Ein begnadeter Bildhauer

Artikel von Von Andre König am 24.04.2019

Serie (Teil 5): Was die Gräber am alten Städtischen Friedhof erzählen / Heute: Gottfried Fleck

FULDA. Versuchte man die Kunstwerke der Familie Fleck aufzuzählen, so nähme dies alleine schon so viel Raum in Anspruch, dass man nichts anderes mehr berichten könnte. Regelmäßig hörte man das umtriebige Werken und Hämmern von Gottfried Fleck (1843-1898) durch die Fuldaer Schulstraße bis auf den Universitätsplatz hallen. Man muss dazu sagen, dass die Schulstraße damals länger war und die jetzige Universitätsstraße mit einschloss, in der die Werkstatt heute zu finden wäre. Gottfried Fleck war Künstler. Er malte keine Bilder, das hätte auch nicht solch einen Krach verursacht, sondern er war leidenschaftlicher Holz- und Steinbildhauer.

Denkt man heute an die Schulstraße, fällt einem sofort die „Bücherzelle“ ein, in der man so manchen literarischen Schatz bergen kann. Vor etwas mehr als 100 Jahren allerdings wäre es die Werkstatt von Gottfried Fleck gewesen, die die Aufmerksamkeit der Vorrübergehenden erregt hätte. Angelockt von den Geräuschen hätte man mit einem Blick in die Werkräume ebenfalls zahlreiche Schätze entdecken können. Fleck tüftelte an Grabdenkmälern, erschuf Bildstöcke und Pietas, also Darstellungen der trauernden Maria mit dem Leichnam Christi im Schoß, und gestaltete unzählige Plastiken von Heiligenfiguren.
Ist man in umliegenden Dörfern von Fulda unterwegs und besichtigt dort die Kirchen, kann man die Werke von Fleck entdecken. In Dietershan etwa gibt es alleine sieben Figuren von ihm. Zu seinen bekannteren Arbeiten gehört sicherlich das Grab des ehemaligen Oberbürgermeisters Rang auf dem Alten Städtischen Friedhof, welches bereits Erwähnung in der Serie zum Geschichtspfad fand. Insgesamt sind rund 70 Kunstwerke Flecks dokumentiert, die er in seiner Zeit in Fulda erstellt hat. Und das war gerade einmal in einem Zeitraum von fünf Jahren.
Gottfried Fleck war nämlich kein gebürtiger Fuldaer, sondern wurde 1843 in Simmershausen in der Rhön geboren und lebte dann für viele Jahre in Mellrichstadt in Franken. Mit 31 Jahren heiratete er Anna Ortloff, welche 18 Kinder zur Welt brachte. Vier von ihnen starben innerhalb des ersten Jahres. Unter diesen Kindern war  auch ein Zwilling. Erst mit 50 Jahren zog es Fleck in die Barockstadt, wo er zunächst in der Nikolausstraße lebte. Ob er den Umzug nach Fulda aus beruflichen Gründen unternahm oder einen anderen Antrieb hatte, ist nur schwer nachzuvollziehen. 
Wie es in der damaligen Zeit häufig üblich war, fanden sich unter den Söhnen von Gottfried Fleck gleich zwei, August und Josef, die in die Fußstapfen des Vaters traten. So gründeten sie 1904 die Firma Gebrüder Fleck und hatten sehr schnell große Erfolge zu verzeichnen. Sie gewannen beispielsweise die Goldmedaille bei der Gewerbeschau für die sehenswerte Kreuzigungsgruppe in Bad Soden-Salmünster. Eine besondere Figur, die auch heute noch zahlreichen Fuldaer Gästen gezeigt wird, ist die Salvator-Figur auf dem Giebel des Doms. Diese hatte August Fleck am Ende seines Lebens wiederhergestellt. Das obere Drittel der Figur musste neu bearbeitet, das mittlere Drittel zusammengesetzt und ergänzt werden.
Gottfried Fleck hat den Erfolg seiner Söhne allerdings nicht mehr erlebt. 1898, also sechs Jahre vor der Gründung der Firma Gebrüder Fleck, verstarb er im Alter von 55 Jahren. Wie alle anderen Protagonisten des „Bands der Erinnerungen“ ist er am alten Städtischen Friedhof am Franzosenwäldchen beigesetzt worden.