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Auf eine lange Geschichte kann das stattliche Anwesen in der Ortsmitte von Schlotzau zurückblicken, das sich mehrere Generationen in Familienbesitz befunden hat. Fotos: Karl-Heinz Burkhardt

Einst Mittel- und Angelpunkt

am 19.07.2019

Denkmalbehörde unterstützt Sanierung eines Fachwerkhauses in Schlotzau

BURGHAUN (khb/was). Die Erhaltung denkmalgeschützter Gebäude ist für den Landkreis Fulda seit vielen Jahren ein Anliegen. Demzufolge förderte er die Grundsanierung der Fassade eines im Jahr 1740 erbauten Fachwerkhauses, das Teil einer ortsprägenden Hofanlage in der Fuldaer Straße in Schlotzau ist.

Einst herrschte reges Treiben auf dem Hof, auf dem Ochsen- und Pferdefuhrwerke verkehrten. Es gab einen kleinen Gastraum, in dem sich die Dorfbevölkerung nach getaner Arbeit traf und so manchen Handel „begoss“. Auch jüdische Händler aus umliegenden Dörfern waren damals im Ort unterwegs, kauften Vieh und boten ihre Waren an. Der durchgängige Gebäudetrakt bestand aus Wohnhaus, Scheune und Stallungen. Hier lebte die Besitzerfamilie samt Knechten und Mägden. Am großen Küchentisch versammelten sich oft über 20 Personen, die ihre Mahlzeiten einnahmen. 
In der Scheune befand sich ein Deckstand für Pferde. Man betrieb Pferdezucht und nannte einen Deckhengst sein eigen. Auch brachten Bauern ihre Kühe auf den Hof, auf dem der gemeindliche Deckbulle eingestallt war. Zudem wurden Muttersauen von einem ebenfalls gekörten Eber belegt. Heute noch vorhandene Geräte geben Zeugnis von den früheren Arbeiten in der Landwirtschaft. Manche weisen auch auf die Flachsverarbeitung und spätere Leinenherstellung hin. 
Fortschrittlich war Johann Heinrich Burkhardt, der Vorbesitzer des Anwesens, der neuen Entwicklungen in der Landwirtschaft aufgeschlossen gegenüberstand. Bei einer Landwirtschaftsmesse in Leipzig hatte er einen Mistgreifer entdeckt. Und da es hierzulande weit und breit noch keinen Mistgreifer gab, ließ er in den 30er Jahren einen solchen von der Firma Röll in Wehrda nachbauen. Dieser  brachte eine wesentliche Arbeitserleichterung beim Aufladen von Dung auf die eisenbereiften Wägen.
Als das Gebäude für eine Bewirtung von Gästen zu klein wurde, entschloss sich Johann Heinrich Burkhardt zu einer Erweiterung. Im direkten Anschluss zum Ursprungstrakt entstand eine neue Gaststätte mit einem bis heute funktionierenden Kühlraum, Saal und Bühne, Küche, Gästezimmern und einer damals bereits als wegweisend gepriesenen Zentralheizung. Sie wurde vom großen Kochherd aus mit Warmwasser gespeist. Die Einweihung des fertig gestellten Bauabschnitts erfolgte 1911 gemeinsam mit der Einweihung der gerade bezogenen neuen Volksschule.
Bis in die späten 60er Jahre übernachteten unter anderem Handelsreisende, die ihre mitgeführten Pferde auf dem Gehöft einstallten. Der Saal, in dem man Kirmes und Feste feierte sowie Theateraufführungen stattfanden, diente zudem als Lichtbildtheater. Allwöchentlich zeigte „Kino Kaiser“ aus Hünfeld im Anschluss an die Wochenschau Spielfilme auf großer Leinwand. Dies war ein willkommenes Ereignis für die Bevölkerung, zumal es bis dato noch keine Fernsehempfänger gab.
Im Haus Burkhardt befand sich von 1917 bis 1952 auch die Poststelle. Ursprünglich mussten zweimal täglich Briefe und Pakete zugestellt werden. Postautos und -busse hielten hier, Passanten stiegen aus und ein. Ehemals betrieben die Besitzer auch eine Brennerei, in der ein Brennmeister aus dem Anbau hofeigener Kartoffeln „Branntwein“ destillierte. Die Kartoffelmaische (übrigbleibende Gärreste) mischte man dem Viehfutter unter. Der Brennereischornstein überragt noch heute als Zeuge einer früheren Epoche die Wirtschaftsgebäude. 
Die Scheunen und Stallungen für Milchkühe und Kleinvieh sind aus Ziegelsteinen gemauert und stammen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Über dem Pferdestall für bis zu fünf Kaltblütler befanden sich Gesindewohnungen. Der fachmännisch mit Rhöner Basaltsteinen gepflasterte Hof ist zur Fuldaer Straße durch einen geschmiedeten Zaun mit mächtigen Sandsteinpfosten abgegrenzt. Auf einer nahegelegenen Weide erhebt sich eine weit über 300 Jahre alte Solitäreiche, dessen Pflege als Naturdenkmal dem Landkreis Fulda obliegt.
Der großzügig angelegte Dreiseithof befand sich mehrere Generationen in Familienbesitz und wurde 1986 schon einmal umgebaut und von Grund auf saniert. 2013 erwarb das prächtige Bauernanwesen ein junges Ehepaar, das vor zwei Jahren eine denkmalgerechte Sanierung in Auftrag gab und dabei von der Denkmalbehörde des Landkreises Fulda unterstützt wird. „Die gesamte Hofreite stellt ein zwar funktionell verändertes, aber historisch gewachsenes und weitgehend intaktes Ensemble dar. Zudem ist sie durch ihre prominente Lage Mittel- und Angelpunkt des Dorfes“, teilte die Kreisdenkmalbehörde mit.