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„Wir befinden uns in einer Zeit der Veränderung. Diese Zeit gilt es aktiv zu gestalten“, sagt Jugenddezernent Dr. Heiko Wingenfeld Foto: fotolia

Bildungs- und Erziehungsplan als Chance

am 30.03.2015

BEP-Fachberatung des Landkreises Fulda zieht nach einem Jahr Zwischenbilanz

FULDA (hey). Ist der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) eine zusätzliche Belastung oder eine Chance für Kindertagesstätten? Die Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätten-Fachberatung beim Landkreis Fulda können nach einem Jahr BEP-Fachberatung eine erste Bilanz ziehen, die beide Seiten der Medaille in den Blick nimmt.

Die Fachberaterinnen Karin Wachtel-Petschenka, Manuela Bienert und Katrin Kister haben in den letzten zwölf Monaten ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. „Zunächst einmal konnten sich die meisten Kitas nicht sehr viel unter unserer Beratung vorstellen. Hinzu kamen Bedenken, dass mit der BEP-Beratung und -Umsetzung ein wesentlicher zeitlicher Mehraufwand verbunden wäre, der sich kaum mit dem Arbeitsalltag in einer Kita vereinbaren ließe“, berichtet Manuela Bienert.
Fakt ist: Der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan lässt sich nicht „nebenbei“ verstehen oder gar umsetzen. „Für Qualität, die das übergeordnete Ziel des BEP ist, braucht es Zeit und Raum“, wissen die Fachberaterinnen, die selbst Fortbildungen zum BEP absolviert haben und eine Art Dolmetscherfunktion zwischen Wissenschaft, Politik und Kindertagesstätten einnehmen.
„Wir vermitteln Inhalte, geben fachlichen Input, moderieren Teamsitzungen, begleiten Veränderungsprozesse, bieten Konzeptionsberatung an und fördern auch die Vernetzung der Einrichtungen untereinander“, erläutert Karin Wachtel-Petschenka. Um dieses Angebot in Anspruch nehmen und in den Kita-Alltag integrieren zu können, müssten die Einrichtungen beziehungsweise die Träger entsprechend lange vorausplanen und auch die Eltern mit ins Boot holen.
Neben Unsicherheiten und Bedenken zur praktischen Umsetzung von BEP berichten die Fachberaterinnen auch von einer großen Offenheit und Akzeptanz der Einrichtungen. Zahlreiche Einrichtungsleiterinnen haben selbst eine sogenannte Tandem-Fortbildung zum BEP in Kooperation mit den Grundschulen absolviert. Auf diesem Wissen, aber auch auf der Arbeit, die bisher in den Kitas gemacht wurde und wird, können die Beraterinnen nach eigenen Aussagen gut aufbauen. „Es wird enorm viel geleistet in den Kitas. Vieles entspricht schon dem BEP, anderes passt nicht mehr in die Zeit, die große Anforderungen an die Kindertagesstätten und die Familien stellt“, unterstreichen die Fachberaterinnen.

Stärkung der Basiskompetenzen

Doch was will der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan eigentlich? Im BEP sind Prinzipien und Grundsätze der pädagogischen Arbeit definiert. Zu den Kernaussagen gehören unter anderem die Stärkung der Basiskompetenzen der Kinder, der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern oder der Umgang mit der soziokulturellen Vielfalt. Das klingt alles sehr theoretisch. „Im Kern geht es darum, innezuhalten und zu schauen, was die Kinder für einen Bedarf haben“, weiß Manuela Bienert. „Wir unterstützen die Kitas dabei, ihre pädagogischen Kompetenzen auf BEP-Tauglichkeit zu überprüfen. Mit dem Input, den wir geben, ist es möglich, die Konzeption auf BEP und die individuellen Rahmenbedingungen sowie Strukturen der Einrichtung zuzuschneiden.“
Die Fachberaterinnen verstehen BEP als Qualitäts(weiter)entwicklungsprozess, der vom Land Hessen gefördert werde. Einrichtungen, deren Leiterinnen eine Tandem-Fortbildung absolviert haben beziehungsweise die BEP-Fachberatung in Anspruch nehmen, können eine Qualitätspauschale in Höhe von 100 Euro pro Kind und Jahr abrufen. In 2013 haben 40 Kindertagesstätten des Landkreises die BEP-Fachberatung in Anspruch genommen. In diesem Jahr sind es 54.
Jugenddezernent Dr. Heiko Wingenfeld zieht nach zwölf Monaten BEP-Fachberatung folgendes Fazit: „Wir befinden uns in einer Zeit der Veränderung. Diese Zeit gilt es aktiv zu gestalten. Die BEP-Fachberatung ist als Chance zu begreifen – denn sie unterstützt mit ihrer Arbeit in erster Linie die Teams in den Kitas, damit aber auch die Eltern und Kinder, sodass alle Beteiligten dem Wandel gestärkt begegnen können.“