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Von oben betrachtet wird das Ausmaß des Geländes an der Langebrückenstraße 14 erst richtig deutlich. Das Areal erstreckt sich bis zur Weimarer Straße. Die schräg abfallenden Dächer kennzeichnen die sogenannten Sheddachhallen im hinteren Teil (genau mittig im Bild). Foto:Wolfgang Habermehl (Aufnahme vom 18. August 2016)

Die Industrie von damals prägt den Charme von heute

am 24.10.2016

L14-Serie Teil 1: Gründergeist und Forscherdrang –Standort eines Familienunternehmens

FULDA (lag). Ein soziokulturelles Zentrum, teils marode und einsturzgefährdet, aber geprägt durch einen markanten Industriecharme und belebt von Menschen, die diesen Ort lieben: Das ist die Langebrückenstraße 14 heute. Im Laufe der Geschichte hat sich ihr Gesicht oft verändert, jetzt steht sie wieder an einem Wendepunkt: Im August dieses Jahres wurde das Areal verkauft. Wohin geht die Zukunft und wohin führen die Spuren der Vergangenheit? Der MK beleuchtet die Geschichte der L14 in einer Serie.

Wer im Mittelalter von Westen kommend nach Fulda kam, der überquerte die heutige Langebrückenstraße, damals noch mehr ein Bohlenweg als eine ausgebaute Straße. Auf Höhe der Hausnummer 29 passierten die Reisenden das Stadttor und fanden sich in der Hinterburg, einer der Vorstädte Fuldas, wieder. Historiker vermuten, dass dort die Anfänge der Stadt liegen. Wahrscheinlich haben sich im Zuge der Klostergründung 744 n. Chr. Bedienstete des Konvents vor Ort angesiedelt.

Lehen des Klosters

Die Langebrückenstraße 14, damals noch bestehend aus zwei Gebäuden, gehörte zum Grundbesitz des Benediktinerklosters, welches das Gelände als Lehen vergab. Es wechselte mehrmals den Besitzer, bis es an den 1733 geborenen Heiduck Johann Caspar Schwarz ging, Leibgardist mehrerer Fürstbischöfe. Mit ihm beginnt der Teil der Geschichte, der sich mit konkreten Jahreszahlen belegen lässt. Der Fuldaer Heimatkundler Michael Mott hat die Daten mit Hilfe von historischen Aufzeichnungen, Katastereinträgen und Familienchroniken gesammelt.
1766 lebte der Heiduck in der Langebrückenstraße 14, betrieb mit seiner Familie ein Baumwollgeschäft, einen Kolonialwarenladen sowie eine kleine Landwirtschaft. 1815 ging der Besitz an seinen Sohn Johann Ignaz Schwarz, einen Leinenhändler, über. Der wiederum übergab das Geschäft an seine Söhne Ignaz und Kasper, womit der Erfolgskurs des Familienunternehmens begann.
In Erfurt zu Leinewebern ausgebildet gründeten die beiden 1841 eine Baumwollweberei. Sie vergrößerte das Unternehmen, beschäftigten erst 50, später 80 Weber. Das Geschäft entwickelte sich prächtig, wandelte sich von einer Handweberei zu einer mechanischen Baumwollfabrik. Zudem erwarben Ignaz und Kasper das Katharinenhospital jenseits der Fulda und produzierten auch dort. Um mehr Platz am Stammsitz zu schaffen, rissen sie die Gebrüder die ursprünglichen Gebäude 1864 ab und errichteten in Grundzügen das heutige Haus Langebrückenstraße 14, die Fabrikantenvilla mit Büroräumen. Zudem bauten sie neue Produktionsstätten auf dem hinteren Teil des Areals und ab 1887 die noch heute vorhandenen Sheddachhallen, die nach englischem Vorbild konstruiert wurden.

Vonderaus erste Grabung

1893 übernahm der Fuldaer Fabrikant Richard Schmitt die mittelständische Fabrik, nachdem er einen weiblichen Nachkommen der Familie Schwarz geheiratet hatte. Wenige Jahre später entdeckte man bei Brunnenarbeiten Holzpfähle und eine Menge Tierknochen, was 1986 Heimatforscher Joseph Vonderau auf den Plan rief. Mit Schmitts Erlaubnis nahm er seine erste archäologische Grabung vor, legte weitere Pfähle, Scherben, Hirschhorn, Steinwerkzeuge sowie Metallgegenstände frei, datiert auf das 2./1. Jahrhundert vor Christus bis ins 9./10. Jahrhundert nach Christus. Die Menge der Funde auf relativ kleinem Raum macht diese Entdeckung noch heute bemerkenswert. Bisher hat niemand Vonderaus Forschungen wieder aufgenommen, was sich aber ändern könnte, je nach dem, welche Bauvorhaben die neuen Besitzer umsetzen möchten (mehr dazu in einem späteren Teil der Reihe).
Richard Schmitt sollte den Betrieb noch bis zu seinem Ruhestand 1931 weiter führen. Es ist davon auszugehen, dass mit Beginn seiner Rente die Baumwollfabrik ihr Ende fand, denn für die Zeit danach konnte Heimatkundler Mott keine weiteren Einträge finden. Er geht davon aus, dass die Weltwirtschaftskrise die Ursache dafür war, dass Schmitts Söhne die Fabrik nicht weiter führten.

Wie die Geschichte der L14 nach dem Ende der Baumwollfabrik weiter geht, lesen Sie im nächsten MK zum Sonntag am 29. Oktober.

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