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Die Studierenden, Projektkoordinatorinnen Linda Barthen und Dr. Nadja Becker, Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt und Prof. Ferdinand Gerlach in der Gemeinschaftspraxis von Dorothea Wild und Dr. Thomas Günther Foto: N. Moalem

Erfüllend und familienfreundlich

am 01.12.2017

Landpartie 2.0 will Nachwuchsmediziner für den Landarztberuf begeistern

GERSFELD/FULDA (nmo). Wie können junge Mediziner fürs Leben und Arbeiten auf dem Land begeistert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt „Landpartie 2.0“ des Landkreises Fulda in Kooperation mit dem allgemeinmedizinischen Institut der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt. Zum Tagesausflug nach Gersfeld und Fulda waren 14 Medizinstudenten eingeladen, um sich vor Ort ein Bild von den Arbeitsbedingungen zu machen und innovative Versorgungsmodelle kennenzulernen.

Der Besuch startete im Klinikum Gersfeld, wo die Studierenden – alle im 7. oder 9. Semester – vom ärztlichen Leiter Jan Garlepp eine Einführung in die Geschichte, Organisation und Funktionsweise des Klinikums sowie des angeschlossenen Ärztehauses erhielten. Enger Patientenkontakt, eine große medizinische Bandbreite, flexible Arbeitszeiten und ein attraktives Einkommen bei geringen wirtschaftlichen Risiken lautete der Tenor von Michael Ziegler und Dr. Florian Kircher, die aus ihrem Alltag als Landärzte in Wüstensachsen und Gersfeld berichteten. Moderne Technik, effizientes Terminmanagement und eine reformierte Rufbereitschaft mache die Arbeit als niedergelassener Mediziner zum familienfreundlichsten Beruf innerhalb der Medizin. Er sei einerseits in höchstem Maße erfüllend und biete andererseits attraktive Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten.
Im regen Austausch mit den Studierenden ließen sich viele Vorbehalte gegenüber dem Landarztberuf ausräumen. So sei laut Garlepp vor allem durch die Anbindung an medizinische Versorgungszentren die betriebswirtschaftliche Verantwortung überschaubar. In Sachen Praxisaufbau könne man auf spezialisierte Dienstleister zurückgreifen, aber auch die kassenärztliche Vereinigung und die Weiterbildungszentren an den Universitäten böten Beratung. Die Finanzierung einer Praxis-Neugründung stelle ebenfalls keine größere Hürde dar. Neben Bankkrediten kämen auch günstige unternehmensfinanzierte Kredite, Gründerförderungen sowie unter Umständen sogar Sponsoring durch die jeweilige Kommune in Betracht.
In Begleitung des Ersten Kreisbeigeordneten Frederik Schmitt und Professor Dr. Ferdinand Gerlach von der Universität Frankfurt besuchten die Studierenden am Nachmittag die Gemeinschaftspraxis Wild, Günther, Schleipen, Stienecker und Ulmer im Fachzentrum für Ambulante Medizin in Fulda, die zugleich Lehrarztpraxis des Programms Landpartie ist. „Die Praxis ist ein Modell für sektorenübergreifendes Denken und Arbeiten“, so Professor Gerlach. „Durch eine enge Verzahnung zwischen Fachärzten und Allgemeinmedizinern ist die ambulante Medizin zunehmend in der Lage, Klinikaufgaben zu übernehmen. So kann letztlich die Aufenthaltsdauer in den Krankenhäusern deutlich reduziert werden. Das ist die Medizin der Zukunft.“
Nach einer Vorstellung des Gesundheitsnetzes Ost-hessen ging es in der anschließenden Diskussion um die Frage, ob und wie das Modell der vorgestellten Praxis auf den ländlichen Raum übertragen werden könne. „Der Landkreis erarbeitet derzeit ein Konzept, um die hausärztliche Versorgung auf dem Land langfristig zu sichern und die Arztsitze zu erhalten“, berichtete Erster Kreisbeigeordneter Schmitt, der die Studenten einlud, ihre Ideen und Wünsche aktiv einzubringen.

Info

 „Landpartie 2.0“ ist ein gemeinsames Projekt der Landkreise Fulda, Bergstraße und Hochtaunuskreis und des allgemeinmedizinischen Instituts der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt zur ärztlichen Nachwuchsgewinnung im ländlichen Raum. Ziel ist es, pro Semester 15 Studierende für die Landpartie 2.0 zu gewinnen.

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