feed_ipster | Probenstart der 75. Bad Hersfelder Festspiele / Ensemble empfangen

Sie wollen die Stadt erobern

BAD HERSFELD (az). Großer Bahnhof in Bad Hersfeld. Zum Probenstart für die 75. Festspielsaison trafen sich Team und Ensemble um Intendantin Elke Hesse, wurden von Bürgermeisterin Anke Hofmann begrüßt, stellten die Stücke „Parzival“, „Lysistrata“ und „Pippi Langstrumpf“ vor und lasen kurze Szenen daraus.

Bei der Frage, wer die Mitwirkenden der diesjährigen Hersfelder Festspiele mit mehr Euphorie und Vorfreude begrüßt hat, Intendantin Elke Hesse oder die Bürgermeisterin der Lullusstadt, Anke Hofmann, gibt es ein klares Unentschieden. Auch die Zahl der Medienvertreter, die sich in der „Abfüllhalle“ eingefunden hatten, ließ erahnen, dass seit gestern „aus vielen kleinen Ideen etwas ganz Großes entsteht“. So umschrieb Hofmann den Tag, ab dem viele Menschen mit „Mut, Leidenschaft und Humor“ die Stadt mit viel Leben füllen werden. „Der Probenstart hat immer etwas Magisches“, und das sei in ganz Bad Hersfeld zu spüren.
Apropos Bad Hersfeld: „Wir werden die Stadt erobern“, versprach Intendantin Elke Hesse. Das Credo sei „miteinander zusammen“. Mit vielen Ideen und Projekten will sie die Festspiele nicht nur über die gesamte Dauer (26. Juni bis 16. August), sondern ab sofort in der Stadt präsent werden lassen. Dazu gehören etwa ein Festspielzentrum, Bürgerprojekte und viele Begegnungen mit allen Akteuren. Angebote, die sich natürlich auch an Gäste von außerhalb richten. Den Proberaum bezeichnete sie als einen Ort der Neugierde und des Vertrauens, „an dem alles gemacht werden darf“: hinfallen, sich wieder aufrichten, Emotionen zeigen, ungewohnte Wege suchen.
Michael Schachermaier, Oberspielleiter und Regisseur von „Parzival“, erklärte sein Stück zu „mittelalterlicher Popkultur“. Er gehe dabei folgender Frage nach: „Wie findet man in den Texten von gestern das Heute?“ Parzival, der „suchende Junge“, scheitert, weil er sein Mitgefühl nicht ausdrückt. Aber „Fehler sind nicht das Ende, sondern der Anfang“, so der Regisseur. Zumal zu Beginn des Stückes ein naiver Jüngling stehe, der nicht wisse, was ein Ritter ist und den seine Mutter am liebsten auf ewig bei sich im Wald behalten würde. In der kleinen Leseszene gab Hauptdarsteller Thiess Brammer einen Eindruck davon, wie er den jungen „Helden“ anlegen wird.
„Sex sells“, vor allem dann, wenn er verwehrt wird. So leitete Dramaturgin Stine Kegel den Beitrag zu „Lysistrata“ ein. Die Regisseurin Marlene Anna Schäfer wurde erst am gestrigen Abend erwartet. Das Stück in der Neufassung von Autorin Amanda Lasker-Berlin zeige die Stiftsruine als Kriegsschauplatz und spüre den Frauen nach, die Leid erlebt hätten und dennoch „den Mut haben, auf den Tisch zu hauen“. Die Sprache des Stücks, so zeigte die Leseprobe, wird flott sein, gegenwärtig. „Hier ist nur für Mädchen!“
Ein Mädchen, und zwar das stärkste der Welt, ist Pippi Langstrumpf. Die Hersfelder Fassung des Astrid-Lindgren-Klassikers sei „eine Einladung an die Fantasie“, sagte Regisseurin Nicole Claudia Weber. Zu hören gab es eine quirlige Szene, in der Laura Dittmann als Hauptdarstellerin den starken Alfons (Andrès Mendez) auf die Bretter schickte. Beim Probenstart allerdings nur verbal.