Musical zum Molkerei-Produkt
Wenn Hessen Geburtstag feiert, wird es musikalisch: Auf dem Fuldaer Domplatz erlebt das eigens entwickelte Musical „Der Allmächtige Handkäs“ seine Weltpremiere. Zwischen Zukunftsvision, Zeitreise und hessischem Humor entsteht ein unterhaltsames Porträt eines Landes, das sich selbst nicht zu ernst zu nehmen scheint.
Auf dem Domplatz, vor barocker Kulisse, trifft am Donnerstag, 11., und Freitag, 12. Juni, große Musical-Gala auf Landesjubiläum – und mittendrin feiert Hessen sich selbst. Nicht geschniegelt und gestriegelt, sondern mit Witz, Musik und einer guten Portion Selbstironie.
Der Anlass: 80 Jahre Hessen. Die Bühne: die „Best of spotlight“-Gala. Eigentliches Herzstück des Abends ist eine Weltpremiere mit einem Titel, der schon zeigt, wohin die Reise geht: „Der Allmächtige Handkäs“.
„Entstanden ist die Idee, als wir mit dem Oberbürgermeister und ErstenKreisbeigeordneten zu Besuch in der Staatskanzlei waren“, erinnert sich Musical-Komponist Dennis Martin von spotlight Musicals zurück. Von der Landesregierung habe es denWunsch gegeben, zum Jubiläum ein historisches Hessen-Musical auf die Bühne zu bringen. „Es war aber schnell klar, dass so etwas nicht realisierbar ist“, sagt Martin. Man einigte sich dann recht schnell auf ein rund 40-minütiges Special. „Mit identitätsstiftendem Charakter, aber eben nicht als vertonte Schulstunde.“
Die Geschichte spielt in der Zukunft, im Jahr 2126. Die Welt steckt in der Krise – und ausgerechnet Hessen verfügt mit dem Handkäs über die letzte große Energiequelle. Doch plötzlich schwächelt der Reaktor. Die Rettung? Eine Zeitreise. Und ein ziemlich schräger Wissenschaftler namens Doc Bembel.
Gespielt wird dieser von Henni Nachtsheim, einer der bekanntesten Stimmen des hessischen Humors. Als Teil des Kult-Duos Badesalz hat er über Jahre bewiesen, dass man die Welt am besten mit einem trockenen Spruch und einem Augenzwinkern betrachtet. Sein Doc Bembel reist in die Vergangenheit und sammelt berühmte Hessen ein, um gemeinsam die Welt zu retten – und vor allem dem Handkäs seine Seele zurückzugeben.
Nachtsheim gehört neben Dennis Martin, Christoph Jilo und Ali Neander zum kreativen Kernteam des neuen Musicals. Marktkorb- und FZ-Chefredakteur Tobias Farnung hatte Nachtsheim und Martin für dieses Projekt einst zusammengebracht. Der Comedian musste übrigens nicht lange überlegen:„Ich fand die Idee sofort super, irgendwie schräg. Damit rennt man bei mir offenen Türen ein.“ Recht bald sei ihm die Idee gekommen, seinen alten WeggefährtenAli Neander, mit dem er einst die Rodgau Monotones gegründet hat, mit ins Projekt zu nehmen.
Herausgekommen ist: ein bisschen Größenwahn, viel Humor und ganz viel Musik. Neben Nachtsheim stehen unter anderem FFH-Moderator und Comedian Johannes Scherer sowie Sängerin Sandy Mölling auf der Bühne, dazu ein großes Musicalensemble. Begleitet wird das Ganze von einer Live-Band unter der Leitung von Ali Neander, unterstützt von den Kölner Symphonikern und einem Chor. Eins steht fest: Klanglich wird hier ordentlich aufgefahren.
Liebeserklärung an das Land Hessen
Gleichzeitig ist das Ganze mehr als nur Unterhaltung. Es ist auch eine Liebeserklärung an Hessen – aber eben keine kitschige. Stattdessen zeigt das Musical, was das Land ausmacht: Tradition und Moderne nebeneinander, Bodenständigkeit und Ideenreichtum. Oder, etwas einfacher gesagt: Hier passen Handkäs und Hightech wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.
Dass so ein Projekt ausgerechnet im Rahmen eines großen Galaabends stattfindet, macht es zusätzlich besonders. Das Publikum bekommt nicht nur bekannte Musical-Hits geboten, sondern gleich noch eine komplette Weltpremiere obendrauf. Das ist selbst für erfahrene Musicalfans bislang eher die Ausnahme. Und Fulda? Die Stadt liefert mit dem Domplatz die perfekte Kulisse.
Am Ende dürfte „Der Allmächtige Handkäs“ genau das schaffen, was man sich von so einem Abend erhofft: gut unterhalten, zum Lachen bringen und ganz nebenbei ein Gefühl dafür geben, was Hessen eigentlich ist. Nämlich ein Ort, der sich selbst nicht zu ernst nimmt – und genau deshalb ziemlich viel zu erzählen hat. tf
