Region | Programm 2027: Festspiele sichern sich Rechte an Ödipussi

Loriot-Coup in der Stiftsruine

Sieben Theaterstücke stehen auf dem Programm der kommenden Bad Hersfelder Festspiele. Die Saison 2027 wird unter dem Titel „Identität“ laufen. Außerdem ist Intendantin Elke Hesse und ihrem Team ein echter Coup gelungen: Hersfeld hat als erstes Theater überhaupt die Rechte an der Bühnenfassung eines Loriot-Films bekommen.

Wer bin ich? Wer will ich sein? Wen sehen die anderen in mir? Und wer bin ich, wenn niemand hinsieht? Um das Thema „Identität“ ranken sich viele Fragen. Die 76. Bad Hersfelder Festspiele wollen im Sommer 2027 Antworten darauf geben. Indem sie aus Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ gleich mehrere „Jedermenschen“ machen, das Wirtshaus „Im weißen Rössl“ vom Wolfgangsee in die Lullusstadt versetzen und Shakespeares herrlich wilden, weil verwirrenden Liebesreigen „Was ihr wollt“ rotieren lassen.
Komplettiert wird das Programm der kommenden Spielzeit von zwei Wiederaufnahmen: dem Musical „Something Rotten!“ und dem Familienstück „Pippi Langstrumpf“. Auch steht der zweite Teil von „Achtsam morden“ auf dem Plan. Nicht zu vergessen die allererste Bühnenversion eines Films von Vicco von Bülow alias Loriot: „Ödipussi“.
Mit Dank an alle Beteiligten für die vor gut zwei Wochen zu Ende gegangene Jubiläumsspielzeit und merklicher Vorfreude auf 2027 präsentierten Hersfelds Bürgermeisterin Anke Hofmann (parteilos) und Intendantin Elke Hesse gestern in der Stiftsruine die kommenden Stücke. Als Grund für die zwei Wiederaufnahmen, das Musical und die Lindgren-Adaption, sagte Hesse nur: „Diese Produktionen wurden geradezu gestürmt.“ Aktuell bemüht sie sich, das „fantastische Ensemble“ aus diesem Jahr ein weiteres Mal zusammenzubekommen.
Auch „Achtsam morden“ im Schloss Eichhof war 2026 umgehend ausverkauft. Das Gastspiel des Altonaer Theaters Hamburg werde im nächsten Sommer aber nicht wiederholt, stattdessen sei Teil zwei zu erleben.
Mit „Jedermann wird Jedermensch“ in der Version von Michael Schachermaier rückt Hersfelds seinem Anspruch, das „Salzburg des Nordens“ zu werden, einen Schritt näher, zumal die hessischen Festspiele sich trauen, das Stück zu verändern . Auch Philipp M. Krenn holt Österreich nach Hessen, und zwar mit dem Singspiel „Im weißen Rössl“. Jedes Lied daraus – ein Hit. Und Obacht: Es gibt dabei eine Pause! Die werde Teil der Inszenierung, so Krenn. Shakespeares Komödie um die schiffbrüchige Viola, die sich als Mann ausgibt und für Liebeswirren sorgt, wird von Alexandra Liedtke inszeniert.
Bundesweit, so Elke Hesse, würden Theater mit Loriots Erben verhandeln, um dessen geniale Filme auf die Bühne zu bringen. „Wir sind die Ersten, denen es gelungen ist.“ Der Hersfelder „Ödipussi“ in einer Textfassung von Stine Kegel und unter der Regie von Schachermaier wird übrigens nach der kommenden Spielzeit als „Botschafter der Festspiele“ auf Theaterreise gehen. az