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Angehende Landwirte an der Eduard-Stieler-Schule von links: Richard Deckmann, Markus Schmidt, Dr. Hubert Beier (Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld), Nikolas Ackermann, Johannes Euler, Ann-Kathrin Kölbel, Elisabeth Klöppner, Luis Schramm, Thomas Helfrich, Philipp Gögelein, Felix Beulig, Lars Schleicher, Christian Hartwig, Mirko Luis (Marktkorb-Redaktionsleiter), Noah Köller, Elias Winter und Ausbildungsberater Carsten Möck. Foto: Malin Krieg

Ein abwechslungsreicher Beruf mit Zukunft

am 06.09.2019

REGIOFarm (4. Teil): Hessens Bauernnachwuchs blickt optimistisch in die Zukunft / Standort Petersberg ist ein großes Plus für den Landkreis Fulda

PETERSBERG. Hessens Bauernnachwuchs blickt optimistisch in die Zukunft, ihm stehen alle Türen offen. Und die Auszubildenden machen sich für die zunehmende Digitalisierung in der Landwirtschaft genauso fit wie, für die Mitarbeit in elterlichen Höfen oder anderen Vollerwerbsbetrieben.

„Die Ausbildungszahlen in Hessen sind seit Jahren stabil. Momentan gibt es in Hessen rund 400 Ausbildungsverhältnisse“, sagt Ausbildungsberater Carsten Möck, der die Berufsschulstandorte in Fulda und Dieburg (Landkreis Darmstadt-Dieburg) – zwei von insgesamt sieben Berufsschulstandorten in Hessen – betreut.
„Es ist ein großes Plus für den Landkreis Fulda, mit der Eduard-Stieler Schule einen Berufsschulstandort vor Ort zu haben. Die Wahrscheinlichkeit, direkt nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz in der Region zu finden, ist sehr groß – bei Bedarf helfen wir auch gerne bei der Suche“, beschreibt Dr. Hubert Beier, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, die exzellenten Berufsaussichten. Viele entschlössen sich nach abgeschlossener Lehre und einjährigem Praktikum im Betrieb noch für eine zweijährige Fachschulausbildung zum/zur staatlich geprüften Betriebswirt/in der Fachrichtung Agrarwirtschaft. „Das entspricht dann von der Wertigkeit dem Berufsabschluss eines Meisters im Handwerk“, zieht Beier einen interessanten Vergleich. Wie die Eduard-Stieler-Schule (Brüder-Grimm-Straße 5) ist die Fachschule für Agrarwirtschaft Fulda (Kreuzgrundweg 1B) in Petersberg beheimatet – die Stadtrandgemeinde von Fulda ist damit eine Hochburg für die Ausbildung landwirtschaftlicher Berufe in Hessen. Der Standort arbeitet sehr eng mit dem Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld, einer Bildungseinrichtung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), zusammen. Weitere Kooperationen gibt es zudem mit dem Standort Witzenhausen des Bundesverbandes der Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik  (DEULA) – hier werden zahlreiche Speziallehrgänge angeboten.
Der Beruf des Landwirts, der sich in jüngerer Zeit neben der klassischen Bodenbearbeitung und der Tierhaltung mit Themen wie der regenerativen Erzeugung, regenerativer Energie oder nachwachsender Rohstoffe auseinandersetzt, ist nach wie vor eine Männerdomäne. „Nur rund 10 bis 15 Prozent des Berufsnachwuchses ist weiblich“, sagt Möck. „Unwissen führt manchmal zu schiefen Diskussionen und zu höherem Rechtfertigungsdruck im Elternhaus gegenüber im öffentlichen Bewusstsein stärker verbreiteten Frauenberufen – wie beispielsweise im Büro“, meint Malin Krieg, Pressesprecherin des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, selbst gelernte Landwirtin mit anschließender Techniker-Ausbildung. Dabei sei das, was in der Ausbildung vermittelt werde, anspruchsvoll und eine gute Startrampe für ein abwechslungsreiches Berufsleben. So kennen Landwirte nicht nur die ökologischen Zusammenhänge in der Natur im Detail, sondern sind auch mit Fragen des im Naturschutzes und der Landschaftspflege bestens vertraut. Gute Voraussetzungen für den Beruf des Landwirts bringt in jedem Fall mit, wer Interesse an der Natur, Freude an körperlicher Arbeit, Organisationstalent, technisches Grundverständnis und die Bereitschaft hat, Verantwortung zu übernehmen.  Der Praxisanteil ist extrem hoch. Im Sommerhalbjahr gibt es einen Berufsschultag (im Winterhalbjahr zwei),   ansonsten sammeln die angehenden Profi-Landwirte Erfahrungen in jeweils zwei Betriebszweigen der Pflanzen- und Tierproduktion.
„Das ist ein enorm facettenreicher Beruf, der einem viel zurückgibt. Man weiß und sieht nach getaner Arbeit am Abend, was man geleistet hat“, beschreibt Ann-Kathrin Kölbel (20) aus Sickels die hohe Berufszufriedenheit. Mit Elisabeth Klöppner (19) aus Eichenzell-Rothemann befindet sich unter den 14 angehenden Landwirten, die im Frühjahr 2020 ihre Prüfung absolvieren, eine weitere Frau, der vor allem die Arbeit mit den Tieren Freude bereitet. Ihre Eltern haben zwar wie die von Ann-Kathrin weder einen landwirtschaftlichen Vollerwerbs- noch Nebenerwerbsbetrieb, doch das muss keineswegs ein Nachteil sein. Die meisten angehenden Landwirte und Landwirtinnen sehen ihren Beruf eher als Berufung und sind sich der Tatsache bewusst, dass es kein Beruf ist, bei dem man auf die Uhr schauen sollte. Den 14 Auszubildenden im 3. Lehrjahr der Eduard-Stieler-Schule glaubt man sofort, dass sie für den Beruf brennen. Sie nehmen in Kauf, dass sie vergleichsweise wenig Freizeit haben – doch die Liebe zu den Tieren, die Faszination für Technik und das familiäre Klima in den Betrieben macht vieles weg.
Dass sich die Schwerpunkte in der Gesellschaft verschoben haben und viele Bürger heutzutage ihr Geld lieber in Urlaub und Freizeit investieren statt dieses für hochwertige Nahrungsmittel auszugeben, ist den jungen Leuten nicht entgangen – sie sind sich des Preiskampfes und der Herausforderungen für die Betriebe bewusst. Speziell viele Städter hätten kaum noch eine Vorstellung von Landwirtschaft und müssten an das Thema herangeführt und sensibilisiert werden, sagen die, die vom Land kommen. „Ich hatte zwar auch schon andere Berufe im Sinn, aber dieser macht mir am meisten Spaß“, sagt Christian Hartwig (19) aus Brachtal-Schlierbach (Main-Kinzig-Kreis), dessen Eltern einen biologisch betriebenen Hof haben, der von Milchkühen auf Milchziegen umgestellt hat, 450 Tiere hat und die Produkte erfolgreich selbst vermarktet.

Wenig Zeitfür Hobbys

Er wolle noch in möglichst vielen Betrieben Erfahrung sammeln, sagt Hartwig. „Später bin ich schließlich oft genug daheim.“ Die Eltern von Luis Schramm (18) aus Wissels haben auch einen Hof – mit 50 Milchkühen, 100 Mastschweinen sowie 35 Hektar Ackerland und 31 Hektar Grünland, die bewirtschaftet werden. „Für mich kam nie ein anderer Beruf in Frage“, sagt Schramm, der noch die Technikerschule besuchen und dann in den elterlichen Betrieb mit einsteigen möchte. Ganz ähnlich geht es Nikolas Ackermann (19) aus Eichenzell-Zillbach, dessen elterlicher Milchviehbetrieb mit Hightech ausgestattet ist – von einer modernen Biogasanlage bis hin zu Melkrobotern. „Ich bin von kleinauf dabei, kann mir nichts Schöneres vorstellen, als  in diesem Beruf zu arbeiten, auch wenn wenig Zeit für Hobbys bleibt. Kühen kann man aber nun mal nicht erklären, dass man Pause macht. Wenn eine von ihnen kalbt, muss man da sein.“

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