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Lauter Streit über den Küchentisch: Ann-Sophie und Samuel (mitte) müssen einiges aushalten. Samuels Mutter Melanie hält alles auf Video fest. Foto: Sabine Burkardt

Wenn Politik für Kinder greifbar wird

am 12.06.2019

Ann-Sophie Vögler (10) und Samuel Möller (9) sind Kinderrechtsreporter für die UN

EITERFELD (sbt). Zwei Kindern aus dem Landkreis Fulda ist es inzwischen nicht mehr egal,wie Kinder in ihren Familien behandelt werden. Ann-Sophie Vögler und Samuel Möller aus Großentaft sind Kinderrechtsreporter für die National Coalition Deutschland und haben sich intensiv mit dem Thema Kinderrechte beschäftigt.

Vor allem mit dem Artikel 19 der Kinderechtskonventionen haben sich die beiden auseinander gesetzt. „Das ist das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung“, kommt es von Samuel wie aus der Pistole geschossen. Denn manchmal sieht der Kinder-Alltag in manchen Familien so aus:Mama steht überfordert im Schlafanzug in der unordentlichen Küche, die Kinder versuchen am Küchentisch, ihre Hausaufgaben zu machen. Mehr schlecht als recht: Schulsachen liegen herum, die Kinder sind unmotiviert und unkonzentriert. Denn sie müssen zu allem Überfluss noch auf ihre Mutter aufpassen, die ein Alkoholproblem hat. Als Papa  erschöpft und genervt nach Hause kommt, platzt die Bombe: die Eltern geraten in lauten Streit, leider über die Köpfe der Kinder hinweg. Sie werden angeschrien, gedemütigt und geschlagen.
Doch es geht auch anders. Und das wollen Ann-Sophie und Samuel als Projekt bei einem Arbeitstreffen der National Coaliton Deutschland in Berlin in Form eines Videos präsentieren.
Ann-Sophie und Samuel hatten durch Zufall von dem Mitmachprojekt erfahren. Der Verein „National Coalition Deutschland-Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention“ hat es sich Ziel gesetzt, die UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland bekannt zu machen und ihre Umsetzung voranzubringen. Nun hatte die Organisation dazu aufgerufen dabei mitzuhelfen, wie es denn mit den Kinderrechten in Deutschland bestellt ist und ob vielleicht  einiges zu ändern wäre. Alle Bewertungen und Berichte der teilnehmenden Kinder, die immer in Zweiergruppen arbeiten, werden anschließend an denUN-Ausschuss für die Rechte der Kinder übermittelt. Die beiden Großentafter Kinder wurden neben 22 anderen Kindern aus ganz Deutschland für das Mitmachprojekt ausgewählt, im Kreis Fulda sind sie die Einzigen.
Bei einem ersten Treffen im April in Bad Hersfeld erfuhren Ann-Sophie und Samuel zunächst einiges über  Kinderrechte und bekamen Tipps, wie sie ihre Erfahrungen und Bewertungen in ein eigenes Projekt verpacken können. Die beiden entschieden sich dafür, ein Theaterprojekt  zu starten und dies als Video einzureichen. Das passt: beide Kinder sind Mitglieder derJugendbühne Großentaft und bringen bereits Theatererfahrung mit. Mit ins Boot geholt haben sich die beiden noch Anna-Lena Kommer und Bernd Krieg von der Theatergruppe Großentaft, die in den beiden kurzen Theaterstücken die Eltern spielen. Krieg hatte zunächst ein Stück geschrieben, in dem es wie anfangs beschrieben, gar nicht gut läuft und die Kinder hilflos familiärer Gewalt ausgesetzt sind. Beim Drehen dieses Stückes haben sich die Kinder ordentlich erschreckt: „Das war so laut, und hier sind die Fetzen geflogen. Wir hatten es fast mit der Angst zu tun gekriegt“, erzählt Ann-Sophie. Im zweiten Theaterstück wird dargestellt, wie es besser laufen kann. Das haben Ann-Sophie und Samuel zusammen mit sieben weiteren Kindern zunächst mit Hilfe ihrer Eltern erörtert und diskutiert und anschließend auf kleinen Kärtchen aufgeschrieben. Den Kindern sind dabei jede Menge Verbesserungsvorschläge eingefallen: unter anderem benötigt die Mutter Hilfe für ihr Alkoholproblem, die Kinder  sollten die Situation verlassen und nach draußen gehen, wenn ein Streit der Eltern eskaliert. Und die Hausaufgaben gehören nicht an den Küchentisch. Vielleicht sollten Mama und Papa auch mal die Rollen tauschen? Um dann gegenseitig Verständnis aufbringen zu können? All diese Punkte sind im zweiten Theaterstück  eingeflossen, das natürlich ein wenig improvisiert gespielt wurde.
Den Kindern hat die Mitarbeit am Projekt viel Spaß gemacht. Auch wenn ihnen das erste Theaterstück besser gefallen hatte: „Da ging es richtig rund. Aber daheim will ich das so trotzdem nicht haben“, sind sich alle einig. Und Samuel fügt hinzu: „Wir haben durch das Projekt mal über den Tellerrand schauen können.“ Seine Mutter Melanie, die das Video gedreht hatte, findet das Projekt gelungen. „So wird Politik für die Kinder greifbar. Sie lernen, dass man etwas bewegen kann und auch andere dabei mit ins Boot holen kann“, sagt sie. Bernd Krieg nimmt für sich viel gute Erfahrung mit nach Hause. „Ich hatte gar nicht gewusst, dass es so was wie den Kinderrechtereport überhaupt gibt. Und es ist doch toll, wenn Kinder an der großen Weltpolitik teilnehmen können, indem sie ihre Meinung äußern können“, sagt der Großentafter. Auch Ann-Sophie ist begeistert: „Ich finde es spannend, an einem weltweiten Projekt mitzuarbeiten. Wir können hier unsere Meinung sagen.“
Ann-Sophie und Samuel fahren nun am Donnerstag, 13. Juni, nach Berlin zu einem zweiten Arbeitstreffen der National Coalition Deutschland und stellen ihr Video vor. „Die Fahrt nach Berlin ist  für die Kinder  total spannend“, sagt Melanie Möller. Vielleicht schafft es die Meinung der Großentafter Kinder als Videobotschaft ja sogar bis nach Genf  zur UN. Das Video ist im Internet auf YouTube (Theaterprojekt  zm Kinderrechtsreport) zu sehen.

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