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Der schwerstmehrfachbehinderte Christian begrüßt Therapiehündin Kessy und ihre Besitzerin Franziska Schaub (links) mit einem Leckerli. Fotos: Sabine Burkardt

Engel auf vier Pfoten

am 17.05.2019

Tiergestützte Therapie als Projekt in der Vinzenz-von-Paul-Schule

HÜNFELD/ALSFELD (sbt). Das gibt es wirklich: Schüler, die sich auf eine Schulstunde freuen. In der Vinzenz-von-Paul-Schule steht die heiß ersehnte Stunde am Mittwoch auf dem Unterrichtsplan. Denn dann sorgen die Hunde Kessy, Hakon und Karlson für  Abwechslung.

Kevin (11)  sitzt immer als erster im Klassenraum. Denn er kann es kaum abwarten, bis die Hunde hereingeführt werden. Endlich ist lautes Bellen aus dem Foyer zu hören, und die Hunde kommen schwanzwedelnd in den Klassenraum, in dem die Schüler zu einem Stuhlkreis zusammenkommen. „Jetzt sagen die Hunde erstmal Hallo“, erklärt Alwin Bischof, der Besitzer von Therapiehund Hakon. Und „Hallo sagen“ heißt in diesem Falle eine Leckerli-Runde von Kind zu Kind. Die Kinder sind vorsichtig, halten den Hunden das Leckerli an die feuchten Schnauzen und lachen, weil das so kitzelt. Der 15-jährige Roland hat derweil schon Karlson auf dem Schoß sitzen und freut sich, wenn der kleine Mops ihm bereitwillig das Pfötchen gibt. Die Kinder wissen inzwischen, dass sie beim Umgang mit den Tieren einige Regeln einhalten müssen. „Sie verstehen, dass die Hunde sich erschrecken könnten, wenn es laut im Raum ist. Und dass sie nicht überall gestreichelt werden wollen“, erzählt Alwin Bischoff, der mit Hakon dem Verein Therapiehunde Ost-hessen angehört.
Hakon ist inzwischen bei Hussein angekommen. Der schwerstbehinderte Schüler fühlt das weiche Fell des Berner Sennenhundes und wirkt augenblich entspannt und ruhig. Als Beobachter hat man das Gefühl, dass  Hussein die Berührungen sichtlich genießt. Und Hakon bleibt ebenso ruhig und schaut den Jungen im Rollstuhl mit treuen Augen an. „Den Hunden sind das Aussehen oder die Fähigkeiten eines Menschen völlig egal. Sie nehmen ihn an, so wie er ist. Sowas wäre im Umgang mit Menschen untereinander auch nicht verkehrt“, sagt Alwin Bischoff. Dies ist auch ein wichtiger Aspekt, den die Schule mit der tiergestützten Therapie verfolgt. „Die Tiere sorgen dafür, dass sich die Kinder angenommen und akzeptiert fühlen, was sowohl ihr Selbstwertgefühl als auch ihre eigene Identität stärkt“, erklärt Schulleiter Manuel Petry.
Inzwischen traut sich auch Kevin etwas näher an die Tiere heran. Auch wenn er immer als erster im Klassenraum auf die Hunde wartet, hat er Scheu, wenn sie da sind und hält lieber Sicherheitsabstand. Fleißig füttert er die quirlige Kessy mit Hilfe eines Saucenlöffels mit weiteren Leckerlis. „Unsere Hunde sind dann für heute satt, die brauchen nichts mehr“, lacht Kessys Besitzerin Franziska Schaub.
Kessy wird nun von Schülerin Lisa an die Leine genommen. Währenddessen spricht sie leise mit der kleinen Hündin. Was für gesunde Kinder völlig normal ist, das ist für Lisa etwa ganz Besonderes. „Am Anfang unserer Besuche im Unterricht hat Lisa kein Wort  gesprochen. Und jetzt redet sie wie ein Buch. Solche Entwicklungen zu beobachten, sind für mich große Geschenke“, erzählt Alwin Bischoff.
Hussein ist nach 30 Minuten fast eingeschlafen. „Die Wahrnehmung des Hundes ist für Hussein enorm anstrengend“, sagt seine Betreuerin. Allein nur ein Tier zu spüren, sorgt bei Schwerstbehinderten wie Hussein für große Erschöpfung. Und auch für die Hunde ist die 80-minütige Unterrichtseinheit mehr als genug. „Die Hunde werden dann langsam unruhig, und die Kinder natürlich auch. Deshalb starten wir jetzt mit der Verabschiedung“, sagt Franziska Schaub und wieder geht es auf eine Runde Leckerlis durch denStuhlkreis.
Das Projekt der tiergestützten Therapie läuft seit März in der Vinzenz-von-Paul-Schule und ist für ein halbes Jahr angesetzt. Alle Frauchen und Herrchen sind dabei ehrenamtlich im Einsatz. Die Ausbildung zum Therapiehund beginnt mit einem Eignungstest, wobei das soziale Verhalten des Hundes und die psychische Stabilität gegenüber Geräuschen, Gerüchen, ungewohnten Bewegungen, Bedrängen und Festhalten, Streicheln und Futteraufnahme getestet werden. Daran schließen sich innerhalb von zwei Jahren vier Blöcke von jeweils zwei Tagen Unterricht an. Für die Schüler der Vinzenz-von-Paul-Schule ist  das Projekt eine tolle Erfahrung. „Die Kinder freuen sich schon donnerstags wieder auf den nächsten Mittwoch, wenn die Hunde kommen“, berichtet Projektleiterin Monika Bickert.

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