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Blick zurück, in die Gegenwart und nach vorn (v. l.): Landrat Manfred Görig, Finanzminister Thomas Schäfer, Moderator Volker Nies. Rainer Schwarz (Präsident der IHK Gießen-Friedberg) und Kreishandwerksmeister Edwin Giese. Fotos: Mirko Luis

Besser als erwartet

am 09.05.2019

Vogelsbergkreis-Entwicklung gibt Zuversicht – und das trotz geballter Probleme / Podiumsdiskussion

SCHWALMTAL-RAINROD (mlu). Der Landrat des Vogelsbergkreises, Manfred Görig (SPD), sieht „unheimliche Bürokratie beim Thema Breitbandversorgung“ als ein wesentliches Hemmnis bei der weiteren Entwicklung des ländlichen Raums. Darüber freuten sich wohl alle Juristen und Berater, aber nicht der normale Bürger.

„Wenn wir so viel Geld, wie wir schon in die Hand genommen haben, in die Erde legen würden, wären wir fast fertig“, sagte Görig am Dienstag beim gut besuchten Unternehmerdialog im Gasthaus Graulich. Die ganze Bürokratie abzuarbeiten bedeute, dass Infrastruktur, die man dringend benötige, viel zu spät komme. Er sei seit 2012 im Amt. „Wenn es gut läuft, sind wir 2022 mit der ersten Runde fertig. Und wenn ich daran denke, dass wir Glasfaser bis ans Haus bringen müssen, ziehen vielleicht noch mal zehn Jahre ins Land“, so Görig in der Podiumsdiskussion, die Dr. Volker Nies, ein renommierter, profunder Wirtschaftsanalytiker und Redakteur der Fuldaer Zeitung, geschickt moderierte. Neben einer Bestandsaufnahme des Erreichten, bei der die Diskussionsteilnehmer erfreulicherweise weit über den Tellerrand des eigenen Handelns hinausblickten, ging es um Lösungsansätze und Wünsche für die Zukunft.
Landrat Görig redete Tacheles und benannte bei der Gelegenheit als gravierendes Problem im Zeitalter der Digitalisierung, dass zwar bereits von einen 5G-Mobilfunk-Standard gesprochen werde, es aber derzeit noch nicht einmal eine flächendeckende 4G-Anbindung gebe.

Noch überall Funklöcher

„Noch haben wir überall Funklöcher“, so Görig.  Sein Appell an die Bundes- und Landespolitik: „Gebt uns das Geld und lasst uns machen!“ wird aber vermutlich  nicht mehr als ein frommer Wunsch bleiben. Dennoch  erntete er nach seinen weiteren Worten „Nehmt die Vorschriften und packt sie nicht in fünf Ordner, sondern in einen kleinen Hefter, gebt uns das Geld, und dann bringen wir die PS auf die Straße“ hörbar lauten Applaus.
Im Beisein des Vorsitzenden vom Kreisbauernverband Vogelsberg und Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Volker Lein, brachte der Landrat auch ein schönes Beispiel, warum eine 5G-Anbindung von Vorteil sei. Etwa dann, wenn ein Mähdrescher auf dem Acker stehe und an Ort und Stelle repariert werden müsse und eine Verbindung für die entsprechende Software benötige. Detaildiskussionen dieser Art gab es nicht nur beim Thema Telekommunikation und Internetgeschwindigkeit, sondern querbeet bei zentralen, populären Problemen der Neuzeit. Man denke hier beispielsweise an den landesweiten Fachkräftemangel, die Ärzteversorgung auf dem Land oder den vergleichsweise größeren finanziellen Aufwand im ländlichen Bereich bei der Unterhaltung von Schulen oder Kreisstraßen.
Versöhnlich klangen indes die Worte von Görig, dass der Vogelsbergkreis insgesamt heute besser dastünde, als man sich das vor zehn Jahren ausgemalt habe. 18.000 Auspendlern stünden 9.000 Einpendler gegenüber, die Arbeitslosenquote von aktuell 3,7 Prozent komme der Vollbeschäftigung nahe. Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak zufolge bedeute das steigende Pro-Kopf-Einkommen – bei gleichzeitig moderatem Niveau von Mieten und Grundstückspreisen –, dass den Bürgern effektiv sogar noch mehr finanzieller Freiraum zur Verfügung stünde, als Bewohnern stark nachgefragter Wirtschaftsmetropolen. Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) unternahm in seinem Keynote-Vortrag eine kleine Zeitreise und erinnerte an eine Veranstaltung im Wartenberg Oval, bei der ein Familienvater bei der Frage, ob er sich lieber in der „regionalen Metropole Fulda“ oder dem Vogelsbergkreis ansiedeln würde, wohl nicht lange überlegen musste. „Ich glaube, wir haben damals mit viel trübseligerem Blick in die Zukunft geschaut als heute“, so Schäfer. Wobei die Deutschen, wie er bemerkte, gerne dazu neigen würden, ein Glas, das halbvoll ist, als halbleer anzusehen. Mit so einer Grundmelodie Zukunft zu gestalten, sei schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Wenn allerdings die, die hier wohnen, nicht überzeugt davon wären, dass es hier schön sei, nütze auch das beste Marketing wenig. Gesamtfazit von Schäfer: Manche Herausforderungen seien in der Vergangenheit um ein Vielfaches höher als das, was man heute zu erledigen habe. „Und das ist ein Grund, stolz darauf zu sein.“  Kreishandwerksmeister Edwin Giese sorgte sich unterdessen um ein weiteres Ausdünnen von Berufsschulklassen. „Wir verlieren eine Berufsschulklasse nach der anderen und das, obwohl es in Lauterbach und Alsfeld ganz hervorragende Berufsschulen gibt“, bedauerte er. Während Buslinien aufgelöst und Sammeltaxen organisiert würden, kämen im ländlichen Bereich viele Auszubildende nicht pünktlich zur Arbeit. Giese forderte einen Ausgleich, wie immer dieser auch aussehen könnte.
Für einen kurzen Moment sprachlos war Rainer Schwarz, Präsident der IHK Gießen-Friedberg, im Laufe der Diskussion. Dafür hatte die an sich simple Frage des Moderators gesorgt, wieso eigentlich der Name Vogelsberg nicht im Namen der IHK vorkomme. Die Namensgebung habe so stattgefunden, wie sie jetzt laute – mehr könne dazu historisch nicht gesagt werden, so Schwarz. Der zugleich versicherte, dass sich der Vogelsbergkreis nicht abgehängt fühlen müsse. Ob es in der Zukunft im Rahmen von Fusionen zu Korrekturen komme, ließ er offen. „Das ist ein freiwilliger Prozess.“ Man sei jedoch fest im Vogelsbergkreis verortet, habe Räumlichkeiten, Sprechstunden,  und die Angebote würden rege genutzt.

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