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Wenn Anrufer 110 oder 112 wählen, sind Leitstellen alarmbereit. Aber nicht immer wird Hilfe benötigt. Foto: Carolin Hartmann

Missbrauch kann im Knast enden

am 15.02.2019

Wer nach der Uhrzeit fragen oder den Kumpel ins Bett bugsieren will, sollte nicht den Notruf wählen

FULDA (cle). Wenn Anrufer die 110 oder 112 wählen, sind Rettungskräfte sofort in Alarmbereitschaft. Doch nicht immer wird wirklich Hilfe benötigt. Über Missbrauch der Nummern haben wir zum internationalen Tag des Notrufs mit Dominik Möller vom Polizeipräsidium Osthessen und Thomas Steinbrucker, Brandoberinspektor der Feuerwehr Fulda, gesprochen.

Immer wieder kommt es in Osthessen  zu Notrufen, die keine echten sind. „Den Anrufern ist oftmals unklar, wer bei welchem Problem der richtige Ansprechpartner ist“, sagt Brandoberinspektor Thomas Steinbrucker von der Leitstelle Fulda. Da wird ein Rettungswagen gewünscht, um den angetrunkenen Freund ins Bett zu bugsieren. Oder der Notruf wird  kontaktiert, um sich über die Fahrbahnglätte oder nicht geleerte Mülltonnen zu beschweren. „Außerdem macht sich die Reduzierung der Notdienstzeiten der Landärzte und die Zentralisierung auf den Ärztlichen Bereitschaftsdienst bemerkbar. Hierbei hat sich ein zunehmendes Anspruchsdenken gegenüber den Rettungsdiensten entwickelt. Mancher Anrufer erwartet umgehend bei jeglicher Art von Problemen Hilfe durch die Leitstelle und reagiert ungehalten, wenn man ihm empfiehlt sich zur Tageszeit an die jeweils zuständige Einrichtung zu wenden“, sagt Steinbrucker.
Dazu gebe es „Personen, die den Zweck der Notruf-leitung nicht richtig deuten können oder wollen. Sie rufen an, um die Einsatzbearbeiter zu beleidigen oder zu beschimpfen. Aber das ist grundsätzlich eine Ausnahme.“ Durch eine strukturierte Notrufabfrage filtern die Einsatzbearbeiter die unechten Notrufe heraus, priorisieren die echten Anrufe und senden entsprechende Rettungsmittel. Übrigens: Etwa 800 Funk- oder Telefongespräche werden in einem 24-Stunden-Zeitraum bei der Leitstelle geführt, 140 Notruf-Einsätze  täglich abgewickelt. Missbrauch der 112 bedeutet natürlich eine Zusatzbelastung und kann zur Folge haben, dass bei echten parallelen Notfällen erst verzögert Hilfe eintreffe. Auch wenn manche Anrufe von vornherein absurd klingen, können die Beamten nicht einfach ignorieren. „Wenn ein missbräuchlicher Notruf abgesetzt wird, bindet das die Rettungskräfte solange, bis die Erkundung vor Ort ergeben hat, dass keine Notlage vorliegt“, so Steinbrucker.
In der Leitstelle des Polizeipräsidiums Osthessen laufen alle Notrufe der Landkreise Fulda, Hersfeld-Rotenburg und Vogelsbergkreis auf. „Insgesamt ist ein Anstieg von eingehenden Notrufen feststellbar“, berichtet Kriminaloberkommissar Dominik Möller. Im Durchschnitt nimmt die Leitstelle bis zu 6000 Notrufe im Monat entgegen. In wie vielen Fällen es sich um einen falschen Notruf handelt, wird jedoch nicht notiert. „Die Anzahl der Personen, die in böswilliger Absicht anrufen, ist jedoch sehr gering“, sagt Möller. Es gebe Anrufer, die aus Übermut die Notrufnummer nutzen und sich einen Scherz erlauben. Anrufer, die versehentlich die Notrufnummer anwählen oder Menschen, die aufgrund psychischer Beeinträchtigung Kontakt zur Polizei suchen. „Ob es sich dabei jedoch um eine missbräuchliche Nutzung des Notrufs im strafrechtlichen Sinne handelt, muss individuell im Einzelfall geprüft werden“, sagt Möller. In diesem Zusammenhang möchte er ausdrücklich betonen, dass die Polizei in gewisser Weise auch eine Service-Dienststelle sei. „Menschen in Notsituationen sollen keine Hemmungen haben und sich über Notruf 110 an die Polizei wenden. In allen anderen Fällen können die örtlichen Polizeidienststellen rund um die Uhr kontaktiert werden.“
Verloren geht übrigens kein Notruf, auch wenn noch so viele Anrufe eingehen. „Bei Überlastung einer Leitstelle stehen andere Leitstellen der Polizei Hessen als Backup zur Verfügung“, so Möller. Ein Missbrauch von Notrufen bindet zwar im konkreten Fall den Disponenten, „echte Notrufe“ werden aber zeitgleich bearbeitet.
Langweilig wird es Möllers Kollegen im Polizeipräsidium Osthessen jedenfalls nie – nicht zuletzt wegen dem ein oder anderen skurrilen Fall in der Notrufzentrale. So hatte ein Ehemann auf der Heimfahrt der Hochzeit seine Gattin an einer Tankstelle in Kirchheim vergessen und die Polizei alarmiert. Bei der Meldung eines Wildunfalls hielt der Unfallfahrer das angefahrene Reh bis zum Eintreffen der Polizei im Schwitzkasten fest und verhinderte eine „Unfallflucht“ des Rehs.
Ärger bekommen übrigens nur die ganz böswilligen Störer. Das Delikt nennt sich dann „Missbrauch von Notrufen“ und ist nach StGB §145 strafbar und wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet.

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