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Das Grab des Posthalters Oswald (kleines Foto) befindet sich nahe des Friedhofshaupteingangs von der Goethestraße her. Fotos: Stadt Fulda

Ein Posthalter mit besten Kontakten

am 22.01.2019

Serie (Teil 3): Was die Gräber am Alten Städtischen Friedhof erzählen / Heute: Jean Baptist Oswald (1785-1856)

FULDA. Jean Baptist Oswald wurde am 2. November 1785 in Fulda geboren. Er war Spross einer Fuldaer Familie, welche seit fast einem Jahrhundert die städtische Posthalterei führte.

Die Posthalterei lag äußerst günstig an der Heerstraße von Frankfurt nach Leipzig im Gasthaus zum Schwanen in der heutigen Löherstraße und war daher das Ziel von Reisenden, die sich stärken und ausruhen wollten oder eine Bleibe über Nacht suchten. Zu eben jenen regelmäßigen Gästen gehörte auch der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, dessen Aufenthalte in Fulda ausreichend dokumentiert sind.
Jean Baptist hatte ein sensibles Händchen im Umgang mit Gästen. Darüber hinaus war er gebildet, sprach gut Französisch und wird als angenehmer Gesprächspartner beschrieben. Die Führung des Gasthauses überließ er allerdings weitestgehend seiner Frau Gertrudis Josepha Oswald, welche er 1816 heiratete.
Sie war eine besondere Frau, die den Drang verspürte, Menschen zu helfen und die sich sozial engagierte. Ohne Probleme konnte man beispielsweise als mittelloser Student ein kostenloses Zimmer von ihr bekommen. Gäste des Hauses, die häufiger zu Besuch waren, wurden beinahe wie Familienmitglieder gesehen und auch so behandelt.
Als Posthalter hatte Oswald nicht nur gute Kontakte in Fulda, sondern war durch Postreiter auch weit über die Grenzen der Stadt gut informiert. Postreiter kamen eben viel herum und konnten so Informationen verbreiten, die damals an Aktualität kaum zu überbieten waren.
Solche Informationen waren auch der Grund dafür, dass Oswald 1813 dem Kaiser der Franzosen weiterhelfen konnte: Als Napoleons Grand Armee, geschlagen in der Völkerschlacht bei Leipzig, auf dem Rückzug war und dabei durch Fulda kam, ließ Napoleon nach dem Posthalter rufen, den er von früheren Aufenthalten in Fulda bereits kannte. Oswald war krank und fühlte sich nicht gut, doch trat er pflichtbewusst an Napoleon heran. Dieser hatte inmitten seiner Offiziere vor dem Paulustor eine Rast eingelegt. Oswald wusste zu berichten, dass Gelnhausen, welches die französische Armee durchqueren musste, frei von Feinden der Franzosen sei. Daraufhin brach der Kaiser auf. Viele verwundete Soldaten musste er allerdings zurücklassen. Die meisten von ihnen starben an Typhus und anderen Folgen verschiedenster Kriegsversehrungen. Zahlreiche dieser französischen Soldaten wurden beim alten städtischen Friedhof beigesetzt. Der Name „Franzosenwäldchen“ erinnert noch heute daran.
Der hochgewachsene Posthalter hatte auch ein ausgeprägtes politisches Interesse. 1830 wurde Oswald dank seines hohen Ansehens in der Fuldaer Bevölkerung zum Kommandanten des Fuldaer Bataillons der Bürgergarde gewählt. Zudem gehörte er vielen Vereinen und Verbänden an und war Mitbegründer des Fuldaer Bürgervereins.
Gegen Ende seines Lebens wurde Oswald schwer krank und verbrachte das letzte Jahr unter großen Schmerzen fast nur noch im Bett. 1856 starb er, und da er keine Kinder hatte, vermachte er den „Schwan“ und die Posthalterei seinem Neffen Jean Baptist Zwenger. An die Mutter Zwengers, also die Schwester von Oswald, wird auf dem Grabstein im Alten Städtischen Friedhof – nahe des Haupteingangs von der Goethestraße her – ebenfalls erinnert.

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