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Das Kellergewölbe des Waidestunnels verläuft unter dem Schlossgarten und dem Domplatz und bietet Fledermäusen ein nahezu perfektes Winterquartier. Fotos: Archiv Lothar Herzig

Zehn Mopsfledermäuse überwintern

Artikel von Von Lothar Herzig am 08.01.2019

Bestand im Waidestunnel entwickelt sich erfreulich / Bericht zur aktuellen Situation seltener Fledermäuse in Fulda

FULDA. In der kalten Jahreszeit ziehen sich Fledermäuse in ihre Winterquartiere zurück. Dies können frostfreie Gewölbe oder Höhlen sein. Im Stadtgebiet Fulda stellt der Waidestunnel ein solches Quartier für europaweit streng geschützte und seltene Fledermausarten dar. Hierzu zählt beispielsweise die Mopsfledermaus (Barbastrella barbastrellus). Deren Bestand hat sich in den vergangenen Jahren erfreulich entwickelt – in diesem Winter wurden erstmals wieder zehn Exemplare im Waidestunnel gezählt.

Erfreulicherweise befindet sich nicht nur das erwähnte Winterquartier der Mopsfledermaus im Stadtgebiet, sondern auch zwei sogenannte Wochenstuben des Großen Mausohrs (Myotis myotis), und zwar im Fuldaer Dom und in Fulda-Lüdermünd. Bei den letztjährigen Sommerkontrollen dieser beiden städtischen Fortpflanzungsquartiere der Fledermaus wurden im vergangenen Jahr insgesamt 181 Mausohrweibchen einschließlich ihrer Jungtiere angetroffen.
Die Anzahl der Tiere im Dom (117 Tiere) hat in den vergangenen fünf Jahren leicht abgenommen, liegt aber noch innerhalb der langjährigen Schwankungsbreite des seit 30 Jahren durch den Verfasser betreuten Quartiers. Die Mausohrkolonie in der Kirche von Lüdermünd bildete sich erst 2012 als Folge von Schutzmaßnahmen und hatte ihr bisheriges Maximum im Sommer 2016 mit 94 Tieren. Im Sommer 2018 fanden sich hier 64 Tiere.
Winterquartier Waidestunnel: Der Fuldaer Waidestunnel, der auf einer Länge von rund 500 Metern unter dem Schlossgarten und dem Domplatz in Richtung des Kanals an der „Tränke“ verläuft und gut 300 Jahre alt ist, beherbergt derzeit zehn Mopsfledermäuse, acht Große Mausohren und zwei weitere Fledermausarten. Die Kontrolle wurde mit der städtischen Unteren Naturschutzbehörde und einem Vertreter des Tiefbauamts durchgeführt.
Zur Geschichte des Quartiers: Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Tunnel vielen Fuldaer Bürgern als Fledermausquartier bekannt, da er u.a. auch Luftschutzzwecken diente und viele Jugendliche seinerzeit versuchten, die städtische Unterwelt mit ihren geheimnisvollen nachtaktiven Tieren zu erkunden. Mit 390 Mopsfledermäusen im Winter 1949/50 handelte es sich seinerzeit um das größte bekannte Massen-Winterquartier dieser Art in Hessen.
Schon im Winter 1943 hatte der Fuldaer Lehrer Oskar Hoehl mit Beringungen der Fledermäuse begonnen. Nach seinem tragischen Tod (im Dezember 1944 bei einer Rettungsaktion im bombardierten Krätzbachtunnel) setzte sein Sohn Eduard diese Arbeit bis 1960 fort und veröffentlichte Forschungsergebnisse über Zugstrecken und Altersrekorde von Mopsfledermäusen.
Dr. Harald Pieper führte die Beringungen im Winter 1962/63 zunächst weiter, beendete diese aber aus Schutzgründen, als die Zahl überwinternder Mopsfledermäuse innerhalb weniger Jahre dramatisch fiel. Im Winter 1970/71 zählte er nur noch vier schlafende Tiere. In Folge des auch bundesweit anhaltenden Rückgangs dieser Fledermausart galt sie lange Zeit als vom Aussterben bedroht.
Nach vielen erfolglosen Begehungen ab dem Winter 1973/74 konnte der Verfasser im Winter 1992/93 erstmals eine einzelne Mopsfledermaus im Tunnel beobachten. In den folgenden fünf Wintern hielten sich lediglich ein bis drei Tiere im Tunnel auf, während die Zahl überwinternder Tiere nach zwei längeren Pausen in den letzten sieben Jahren allmählich auf die heutige Zahl von zehn Tieren anstieg.

Der Autor ist Beauftragter des Naturschutzbeirats der Stadt Fulda

Ergebnisse des Monitorings

Die gesamte Monitoringzeit im Waidestunnel beträgt nunmehr 75 Winter, wobei von vier Fuldaer Fledermausforschern in Folge bis heute insgesamt 1976 Individuen der Mopsfledermaus gesichtet wurden. Unter Berücksichtigung aller Arten wurden innerhalb dieses Zeitraums 2425 Fledermausbeobachtungen im Gewölbe gemacht. Vertreten waren neben der Mops- noch die Zwergfledermaus, das Große Mausohr, das Braune Langohr und die Breitflügelfledermaus.
Die ehemals hohe Zahl überwinternder Mopsfledermäuse und ihre aktuelle Wiederbesiedlung zeigt die besondere Eignung dieses Gewölbes als Winterquartier für diese europaweit streng geschützte Art. Die Ergebnisse des landesweit einmalig langen Monitorings von 75 Jahren unterstreicht dessen landesweite Sonderstellung auch aus Sicht der Forschung.

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