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Dr. Michael Imhof, Stadträtin Sibylle Herbert und OB Dr. Heiko Wingenfeld vor den großformatigen Fotoreproduktionen, die einen Eindruck vom einstigen jüdischen Leben in der Fuldaer Unterstadt vermitteln. Foto: Stadt Fulda

Ein „Fenster der Erinnerung“

am 04.12.2018

Stadt schafft Gedenkort im ehemaligen jüdischen Gemeindezentrum in der Straße Am Stockhaus

FULDA (fd/jo). In unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Standort der Fuldaer Synagoge in der Straße Am Stockhaus ist neben der „Wand der Erinnerung“, die seit dem Jahr 2010 an die Namen von 252 deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Fuldas erinnert, nun ein weiterer Gedenkort entstanden: Im Erdgeschoss des ehemaligen jüdischen Gemeindezentrums, in dessen Keller sich einst auch die Mikwe, das jüdische Ritualbad, befand, wurde ein Raum von der Stadt Fulda angemietet und ein „Fenster der Erinnerung“ geschaffen. 

Erstmals zu sehen war der neue Gedenkort, dessen Entstehen Stadträtin Sibylle Herbert nach entsprechenden Impulsen durch eine Besichtigung der ehemaligen Synagoge in Darmstadt angestoßen hatte, zum 80. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938. Den zahlreichen Besuchern der Gedenkveranstaltung - darunter waren auch Nachkommen ehemaliger Fuldaer Juden, die eigens aus der Schweiz, aus Israel, den USA und aus Brasilien angereist waren – bot das „Fenster der Erinnerung“ einen faszinierenden Eindruck vom jüdischen Fulda der 20er und 30er Jahre. Mittelfristig ist geplant, dass der Raum auch für kleinere Veranstaltungen, Lesungen oder Konzerte hergerichtet wird. Das betonte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bei einem Besuch vor Ort.  
Die derzeit über das große Schaufenster auch von außen gut zu sehende Raumgestaltung übernahm Dr. Michael Imhof vom Bildungsverein „Zukunft Bildung Region Fulda e.V.“ mit Hilfe von  Objekten aus der Ausstellung „200 Jahre Emanzipation der Juden in Fulda. Das Fuldaer Vonderau-Museum setzte das Konzept technisch um und sorgt für die Beleuchtung.  
Im Mittelpunkt der Installation von Dr. Imhof steht die vor 80 Jahren zerstörte Synagoge. Sie war das religiöse und soziale Zentrum  der Juden in Fulda. Dies wird auch in der Komposition des Erinnerungsraums deutlich.
Das große Foto der Synagoge ist umgeben von großformatigen Fotoreproduktionen von Straßenzügen und Gebäuden des vormaligen jüdischen Viertels in der Innenstadt. In der Marktstraße etwa sind auf dem Foto aus den 20er Jahren die Schilder zu den Geschäften „Goldschmidt“ und „Seligmann Stiebel“ deutlich zu sehen. Weitere Repros vermitteln einen Eindruck vom jüdischen Leben rund um die Synagoge. Die koschere Metzgerei Levi beispielsweise befand sich in der heutigen Gasse „Am Stockhaus“. Der Blick vom Buttermarkt in die Karlstraße zeigt unter anderem das Bankgeschäft Birkenruth. Über dem Kolonialwarengeschäft Becker Ecke Dalbergstraße/Florengasse schauen die Töchter des jüdischen Arztes Dr. Phil Frank, die Geschwister Hannchen, Anna und Paula, aus dem aus dem Fenster. Durch die Installation entsteht ein lebendiger Eindruck vom Alltagsleben im ehemaligen jüdischen Viertel mit seinen Menschen.  
Oberbürgermeister Wingenfeld dankte bei dem Besuch vor Ort sowohl der Impulsgeberin, Stadträtin Sibylle Herbert, als auch Dr. Imhof für die gelungene Installation und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich der neue Raum zu einem lebendigen Ort des Erinnerns entwickeln werde.

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