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Der Nieder-Mörlener hat das denkmalgeschützte Haus in Zahmen im Steigertal gekauft. Foto: Heike Swillims

Neuer Glanz in der Alten Schule

am 05.07.2018

Hartmut Kron restauriert Zahmens Wahrzeichen und Kulturdenkmal

GREBENHAIN (sw). „Ich möchte die Seele des Hauses für nachkommende Generationen bewahren“, bringt Hartmut Kron aus Nieder-Mörlen seine Motive für den Kauf und die Renovierung des denkmalgeschützten Fachwerk-Kleinods auf den Punkt.

Der zweigeschossige Bau von 1783 aus der Zeit des Barocks, in dem noch bis 1954 einklassig unterrichtet wurde, liegt erhaben auf halber Höhe des Schulbergs in Zahmen. Figuren an den Eck- und Bundständern und teilweise viertelkreisförmige Streben zieren das anspruchsvolle Fachwerk, das Krüppelwalmdach und der kleine achtseitige Dachreiter mit der kugeligen Haube für die Glocke machen es besonders.
Die Glocke läutet noch heute morgens und abends automatisch, für Sterbefälle und an Silvester bedient Ortsvorsteher Bernhard Simon die Glocke im Haus, für das er einen Schlüssel hat. Am Fuße der Alten Schule fließt verträumt der Moosbach dahin und verzweigt sich zum gut erhaltenen, historischen Mühlengraben, denn Zahmen besaß einst drei Mühlen.
„Wer hat schon eine Insel“, freut sich Hartmut Kron über sein idyllisches Anwesen. Rund eine Viertelmillion hat er in rund fünfjähriger Bauzeit auch mithilfe des Dorferneuerungsprogramms investiert. „Ich habe ein Faible für Immobilien“, erzählt der Veranstaltungsleiter der Sparkasse Hanau. „Zum Glück arbeite ich nicht in unserer Immobilienabteilung, sonst wäre ich schon verarmt“, scherzt der gut gelaunte 62-Jährige.
Im Internet hat er die Alte Schule entdeckt, den Ausschlag für den Kauf gab seine Lebenspartnerin. Sie meinte „normale Häuser gibt es genug, mach’ was Besonderes“. Gesagt, getan. Mit dem Architekten und Denkmal-Experten Josef Michael Ruhl aus Herbstein, den er aus dem Fernsehen und von einer früheren Hausbesichtigung im Vogelsberg kannte, hat er das Gebäude behutsam wo es möglich war in den Urzustand zurück versetzt. Jetzt liegen die mächtigen Eichenbalken frei, zuvor verkleidete Wände strahlen hell mit Lehmputz in weißem Kalkanstrich, die Fenster sind wieder weiße Holzsprossenfenster, die PVC-Böden wurden entfernt und durch Eichenholz ersetzt, der Giebel an der Wetterseite ist traditionell mit Holzschindeln verkleidet.
„Mit dem Denkmalschutz habe ich mich eng abgestimmt. Ich bin sowieso denkmalschütziger als der Denkmalschutz, denn bei Plastik kriege ich Pickel und es tut mir beinahe körperlich weh, wenn Altes verloren geht“, stellt Kron klar. Die Heizung ist neu und die beiden alten Toiletten aus der Zeit, in der das Gebäude auch christliches Jugendpflegeheim der Kirchengemeinde Nieder-Moos war, sind jetzt ein großzügiges Bad mit Fenster und bodennaher Dusche. „Das war mir der unangenehmste Raum, weil er so dunkel war“, erzählt Kron. Die historisch anmutenden Zementfliesen hat Architekt Ruhl aufgetrieben.
„Als ehemals öffentliches Gebäude ist die Bausubstanz schon sehr solide. Beim Umbau haben wir auch keine unliebsamen Überraschungen erlebt“, erzählt Kron. „Bald werden die alten Möbel aus der Jahrhundertwende wieder aufgestellt und auch das Büro des früheren Pfarrers wird wieder mit dem alten Schreibtisch und den Bücherregalen eingerichtet. Zuvor wird im Dachgeschoss noch ein Linoleumboden verlegt und ein paar kleinere Arbeiten stehen noch an. Mit den Handwerkern, die alle hier aus der Region kommen, bin ich sehr zufrieden“, fügt er hinzu.
Überhaupt ist der Vogelsberg vertrautes Terrain für Hartmut Kron, ein Gefühl von Heimat überkommt ihn hier. „Als Kind bin ich früher mit meinen Eltern und meiner Schwester von Friedberg in den Vogelsberg gereist, weiter weg ging’s nicht. In Breungeshain hatten wir ein Ferienhaus gemietet und ich denke sehr gerne an die vielen Abenteuer mit der Dorfjugend zurück. In der Natur sein, die Kühe raustreiben, da kommen alte, gute Gefühle hoch“, blickt er gerne zurück.
Sohn Moritz gefällt es hier auch. Mit seinen gut Einsneunzig wird es aber zumindest im Dachgeschoss eng für ihn. „Ich überlege noch, wie ich das Haus nutzen möchte. Dauerhaft vermieten kommt nicht in Frage, es gefällt mir so gut, dass ich schon auch was davon haben möchte. Ich mag auch die Dorfgemeinschaft hier, das sind alles nette Leute. Für den Garten habe ich meinen Nachbarn Werner Dietz gewinnen können. Er unterstützt mich, wenn ich nicht da bin. Und stellen Sie sich vor, gleich nebenan hat jetzt die Frau aus Frankfurt, die sich damals zusammen mit mir für die Alte Schule interessiert hat, das alte Bauernhaus gekauft“, ruft Hartmut Kron begeistert.

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