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Über das Graue Langohr im Milseburgtunnel freuen sich Fledermausschützer sehr. Sie ähnelt dem Braunen Langohr frappant, vor allem durch die dunkel Gesichtsmaske lässt sie sich unterscheiden. Trotz der gestiegenen Anzahl befürchten die Experten jedoch, dass der Bestand langfristig abnehmen könnte. Besonders das Insektensterben ist für die kleinen Säugetiere ein großes Problem. Foto: Klaus Bogon

Die Neue im Tunnel

am 07.03.2018

Über 50 Fledermäuse überwintern im Milseburgtunnel / Graues Langohr als neue Art bei Inventur gesichtet

HILDERS (skr). Bei der alljährlichen Zählung im Tunnel unter der Milseburg hat der Fledermausschützer Stefan Zaenker unter den schlafenden Fledermäusen erstmals ein Graues Langohr entdeckt. Damit erhöht sich die Zahl der Arten im Tunnel seit Beginn der Zählung auf zehn.

„Dass wir heute ein Graues Langohr gefunden haben, freut mich sehr. Das steigert die Artenvielfalt und ist ein Indikator dafür, dass die Rhöner Natur noch in Ordnung ist und es in den Kernzonen offenbar genügend Insekten und Rückzugsorte für Fledermäuse gibt“, freut sich Stefan Zaenker. Für den Höhlen-, Quellen- und Fledermausforscher ist die Inventur im Milseburgtunnel jedes Jahr eine spannende Angelegenheit.
Die Tatsache, dass der Bestand stabil ist und nicht zurückgeht, ist zwar beruhigend, Stefan Zaenker befürchtet aber, dass sich das in Folge des zunehmenden Insektensterbens in den nächsten Jahren ändern wird. Das Graue Langohr – unter den vom Aussterben bedrohten Gattungen der Fledermäuse eine besonders seltene Art – ruft derweil den Wow-Effekt hervor.

Beliebter Schlafplatz

Seit 2001 ist der Tunnel vom 1. November bis 15. April geschlossen und bietet deshalb beste Bedingungen für die kleinen Säugetiere, die Kälte zu verschlafen: es ist dunkel, leise und gleichbleibend kalt. Ein Temperaturgefälle begünstigt die Ansiedlung verschiedener Arten, die es mal kälter, mal wärmer, mal trockener und mal feuchter mögen. Wegen der immer weiter sinkenden Temperatur und den verschiedenen Werten von Luftfeuchte finden alle Bewohner im Tunnel ein Plätzchen, an dem für sie alles stimmt. Mopsfledermäuse (17 gezählte Exemplare in 2018) finden sich eher im unteren, kälteren Bereich des Tunnels, weiter oben wird es wärmer und wahrscheinlicher, eine Zwergfledermaus (10) anzutreffen. Dazwischen verkriechen sich Bartfledermäuse (2), Braune Langohren (15), Breitflügelfledermäuse (6), Graue Langohren (1), Große Mausohren (4) und Wasserfledermäuse (3).
Stefan Zaenker und sein Team zählen jedes Jahr im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. In jeder Ritze der 1200 m langen Röhre könnte ein Öhrchen hervorlugen. Ganz oft behält der Forscher recht und erspäht im Stockdunkel gemeinsam mit dem Team insgesamt 58 Tiere – oft in so schmalen Verstecken und grau bis bräunlich auf grauem Grund, dass ein Normalsterblicher garantiert daran vorbeigehen würde.
„Nach so vielen Zählungen hat man ein Auge für die Quartiere, das war bei mir anfangs aber auch nicht so“, schmunzelt der sympathische Forscher. Die Tiere zu entdecken ist die eine, sie in ihren Ritzen einer Art zuzuordnen, die weitaus schwierigere Aufgabe. Anhand winziger Unterschiede wie der Größe der Nasen, der Füße oder Ohren gelingt dies dem erfahrenen Team ohne weiteres.

Die Rhön ist artenreich


Von den 25 Arten, die es in Deutschland gibt, flattern 19 durch Hessen und davon überdurchschnittliche 17 Arten im Landkreis Fulda – ein Grund zum Jubeln. Obgleich das Insektensterben auch hier deutlich spürbar ist, scheint es für die Fledermäuse im Landkreis noch genügend Nahrung zu geben, in den Wäldern der Rhön finden sie im Sommer Unterschlupfe und im Winter geeignete Quartiere zum Schlafen, in Stollen, Kellern, Höhlen und im Milseburgtunnel. Den haben einige Fledermäuse schon bald nach der Stilllegung der Bahn für sich entdeckt.  Die Säugetierchen erkunden bereits im August/September die Gegend auf der Suche nach einem Überwinterungsquartier.
Von Oktober bis April ist Ruhe befohlen, in regelmäßigen Abständen erwachen sie, wobei sich ihr Energievorrat verringert. Kommt es zu einer zusätzlichen Störung, etwa durch Krach, Zugluft, Wärme oder Licht, könnte dies tödlich für die Tiere enden. Hält der Frühling Einzug, verlassen die Fledermäuse den Milseburgtunnel wieder zur Jagd auf Insekten und dann dürfen die Radfahrer wieder kommen.

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