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Von den zehn Glocken, die heute im Fuldaer Dom hänge, ist Salvator die älteste. Sie stammt aus dem Jahr 1987 und wiegt knapp 3000 Kilo. Ihr Gewicht wird nur von der Osanna übertroffen, die knapp 6000 Kilo wiegt. Über Salvator ist Maria zu sehen, mit 2500 Kilo die drittschwerste Glocke. Foto: Laura Grages

Verborgen, aber nicht zu überhören

am 12.04.2017

Neubeschaffung, Dombrand, Krieg: Seit 1994 ist das Geläut im Fuldaer Dom komplett

FULDA (lag). Durch eine unscheinbare Tür im Hauptportal des Fuldaer Doms geht es hinauf zu Nord- und Südturm. Schnell ist der hektische Alltag, der vor den Toren des Gotteshauses die Fuldaer Innenstadt bestimmt, vergessen. Jeder Schritt die 300 Stufen hinauf scheint ein Stück in Richtung Vergangenheit zu sein, obwohl das heutige Geläut im Fuldaer Dom noch gar nicht so alt ist.

Im Nordturm, von außen betrachtet im rechten der beiden Domspitzen angekommen, ragen sie als imposante Erscheinung empor: Ganz unten Salvator, die älteste der Glocken aus dem Jahr 1897, knapp 3000 Kilogramm schwer, darüber Maria, mit ihren 2500 Kilogramm nicht viel weniger imposant, und ganz oben, in der Dunkelheit nur zu erahnen, hängt Osanna, mit stolzen 5850 Kilogramm und einem Durchmesser von gut zwei Metern das größte Exemplar in der Kathedrale.
Als die Glocken noch per Hand geläutet wurden, waren alleine für die Osanna vier Personen zuständig. 103 Jahre ist es inzwischen her, dass die elektrische Läutanlage installiert wurde. Damals hingen allerdings bis auf Salvator noch ganz andere Glocken in den Türmen des Fuldaer Doms.

Normierung gewann an Bedeutung


Wie der aktuelle Domorganist Hans-Jürgen Kaiser in Band 46 des Archivs für mittelalterliche Kirchengeschichte schreibt, war der erste Meilenstein in der Historie der Fuldaer Glocken im Jahr 1897. Im 19. Jahrhundert kam die Idee auf, dass Glocken als ein Gesamtgeläut zusammenklingen sollten. Eine gewisse Normierung sowie Klang-ästhetik gewannen an Bedeutung. Die neun Exemplare in Fulda jedoch waren schon sehr alt, teils aus dem 12. Jahrhundert, und damit in Machart sowie Zusammenspiel alles andere als „state of the art“.
Die Denkmalpflege nahm damals noch keinen großen Stellenwert ein, daher konnten einige engagierte Denkmalpfleger es nicht verhindern, dass die alten Glocken entfernt wurden. Nur Bonifatius und die damalige Osanna blieben erhalten, neun gänzlich neue Glocken kamen hinzu, darunter auch die vorhandene Salvator, die an den Patron des Fuldaer Doms erinnert: Jesus Christus.
Nur wenige Jahre später, in der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 1905, sollten Osanna und Bonifatius aber den Flammen zum Opfer fallen. In Fulda wurde das Jubiläum zu 1150 Jahre Bonifatius gefeiert, als bei einem Feuerwerk der Nordturm in Brand geriet. Die Verantwortlichen entschieden, dass Bonifatius nicht ersetzt werden sollte, dafür wurde die neue Osanna noch einmal ein ganzes Stück mächtiger: Mit 11062 Kilo wog sie 2800 Kilo mehr als ihre damalige Vorgängerin.

Beschlagnahmt und eingeschmolzen


Doch für die Ewigkeit bestimmt war dieses Prunkstück ebenfalls nicht. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurden neun der elf Fuldaer Glocken 1943 von der Kreishandwerkerschaft beschlagnahmt, um eingeschmolzen zu werden. Lediglich Salvator und  Lioba, die den Stunden- beziehungsweise den Viertelstundenschlag läuteten, blieben in der Barockstadt.
Das Hamburger Glockenlager war nach Ende des Zweiten Weltkrieges die erste Anlaufstelle für all diejenigen, die hofften, ihre Glocken zurückbekommen zu können. Im Falle Fuldas war zumindest Sturmius noch auffindbar, die Suche nach dem Rest wurde am 14. Januar 1949 eingestellt. Um das Geläut wieder halbwegs zu komplettieren, wurde  1950 Maria neu gegossen, 1953 folgte der Neuguss der Osanna. Sturmius sowie Lioba wurden im gleichen Jahr eingeschmolzen und zu neuen Glocken geformt.

Zehn Glocken insgesamt

Fünf Glocken umfasste das Geläut also 1953, danach passierte lange nichts. Erst Domorganist Kaiser, der 1989 sein Amt antrat, nahm die Planung eines Gesamtgeläuts in Angriff. Fünf kleine Glocken wurden in Auftrag gegeben, die schließlich am 12. März 1994 anlässlich der 1250 Jahre zurückliegenden Gründung des Klosters Fulda geweiht wurden. In dieser Konstellation bestehen die Glocken noch heute: Osanna, Salvator und Maria im Nordturm sowie Sturmius, Lioba, Simplicius, Josef, Michael, Elisabeth und Gabriel im Südturm.

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