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Die Ausbildung zur Trainerin und zum Coach hat Ilona Vogel grundlegend verändert. So wohl beruflich als auch privat kann sie besser mit Krisen umgehen und anderen in schwierigen Situationen zur Seite stehen. Fotos: Grages

Erfolg ohne schlechtes Gewissen

am 07.03.2016

Unternehmerin Ilona Vogel berichtet, wie sie Kindererziehung, Karriere und Krisen meistert

FULDA (MK). Ilona Vogel ist erfolgreiche Unternehmerin, fünffache Mutter und ein zufriedener, lebensfroher Mensch in einem. Im Rahmen unserer MK-Aktion „Reporterinnen auf Zeit“ haben wir mit der Fliedenerin über Beruf und Privates gesprochen. Ihr Rezept dafür, wie man in beiden Bereichen glücklich wird: Das Vergangene akzeptieren, sich jeden Tag etwas Schönes vornehmen, nicht alles kontrollieren wollen und ein wenig egoistisch sein.

Über 30 Jahre lang war Ilona Vogel im öffentlichen Dienst tätig, zuletzt in leitender Funktion bei der Gemeinde Flieden. Seit vergangenem Montag jedoch widmet sich die 49-Jährige vollständig ihrem zweiten Standbein: Sie hat sich als Trainerin und Coach selbstständig gemacht. Ihr Interesse für soziale Kompetenzen wurde geweckt, als sie eine Tätigkeit beim Ordnungsamt aufgenommen hat. Mit Paragraphen und Gesetzen alleine kam sie dort nicht mehr weiter. Wie geht man mit aggressiven Menschen um? Wie löst man Konflikte? Wie motiviert man Mitarbeiter? Diese Fragen gewannen mehr und mehr an Relevanz für Vogel. So entschied sie sich, an der Hochschule Fulda die berufsbegleitenden Studiengänge „Sozialkompetenz“ und „Professionelles Coaching und Supervision“ zu belegen. Heute ist die Fliedenerin Spezialistin für soziale Kompetenzen, und Vorsitzende eines Verbundes selbstständiger Frauen aus der Region.

Sie sind Vorsitzende des 2007 gegründeten Fuldaer Unternehmerinnen-Netzwerks „RockWerk“ mit 120 Mitgliedern. Was macht die Arbeit dieses Vereins aus?
Vogel: Der Satzungszweck ist die Bildung der Frauen. Mitglied können Unternehmerinnen werden aber auch Frauen, die sich dafür interessieren. Man kann mit anderen Frauen netzwerken und fragen: „Was hast du für Erfahrungen gemacht? Was hast du für Fehler gemacht?“. Wir bieten auch Vorträge an. Vergangenes Jahr hatten wir das Thema „Marketing“. Frauen tun sich häufig schwer damit, ihre Stärken und ihr Produkt zu vermarkten.

Bei „RockWerk“ sind viele verschiedene Branchen vertreten. Was kann zum Beispiel eine Optikerin von einer Gitarrenlehrerin lernen?
Vogel: Die Vielfalt macht es möglich, über den Tellerrand zu gucken. Die Art, wie sich eine Optikerin vermarktet, kann auch der Gitarrenlehrerin helfen. Natürlich gibt es bei uns auch Frauen mit ähnlichen Berufen, die miteinander kooperieren können.

Unterstützen Sie auch bei der Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen?
Das passiert nur im persönlichen Austausch. Aber wenn Sie mich so fragen, das ist ein Thema, über das man mal einen Abend machen kann.

Sie haben selbst fünf Kinder. Wie vereinbaren Sie Familie und Beruf?
Vogel: Als erstes muss der Wille da sein, dass man Dinge tut, die einem im Leben wichtig sind. Im Privaten braucht es außerdem eine gute Organisation, ein gutes familiäres Netzwerk, einen guten Ehemann, der in meinem Fall bereit ist, Arbeitszeit zu reduzieren, sodass wir beide immer Teilzeit arbeiten konnten. Und ein bisschen Egoismus gehört auch dazu.

Sie geben das Stichwort: Bleibt Ihnen eigentlich noch Zeit für Freizeit und Hobbys?
Vogel: Es bleibt wenig Zeit für Freizeit. Wenn ich den Wunsch verspüre, mit meinem Mann Essen zu gehen, gehört ein bisschen Egoismus dazu, um zu sagen: „Ich sorge auch für mich und ich tue das ohne schlechtes Gewissen.“ Das hat viel mit sozialer Kompetenz zu tun. Nur wenn es mir gut geht, kann ich auch gut für die Familie da sein. Ein schlechtes Gewissen ist verschwendete Energie. Ob ich’s habe oder nicht, ändert nichts, sondern versaut mir nur den Tag. Außerdem versuche ich, Dinge zu delegieren, an meine Kinder und meinen Mann, und nicht alles zu kontrollieren. Man muss sich von dem typischen Rollenbild verabschieden.

Im Leben muss man auch Niederlagen einstecken. 2012 haben Sie sich parteilos für das Amt der Bürgermeisterin in Flieden beworben, aber nicht gewonnen. Wie sind Sie mit dieser Niederlage umgegangen?
Vogel: Ich habe die Bürgermeisterkandidatur mit Leidenschaft betrieben und als erste Frau in Flieden kandidiert, da bin ich sehr stolz drauf. Danach musste ich mich erstmal ein bisschen erholen. Das ist auch ein Thema, das im Coaching oft kommt: Krisen. Der erste Schritt ist, diese Situation anzunehmen. Es ist wie es ist, und das was zurück liegt kann ich nicht mehr verändern. Ich kann nur für die Zukunft mitnehmen, was ich daraus gelernt habe. Ich hab gelernt, Internetseiten für mich zu gestalten, ich hab gelernt, mich auf Facebook zu vermarkten. Heute bin ich froh, dass ich nicht Bürgermeisterin geworden bin. Dann würde mein Leben ganz anders aussehen.

Sie haben auch persönlich einen schlimmen Schicksalsschlag erlitten, denn eines Ihrer Kinder war herzkrank und ist verstorben. Nun bieten Sie Seminare für Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen an, um sie auf Tod und Trauer vorzubereiten. Haben Sie sich schon vorher damit beschäftigt oder aus dieser Erfahrung Kraft geschöpft, andere in solchen Situationen zu helfen?
Vogel: Auf Grund dieser Erfahrung. Als mein Sohn gestorben ist, war ich gerade am Beginn meiner Ausbildung zu Coaching und Supervision. Für das Studium habe ich mir dann die Themen „Trauer und Resilienz“ vorgenommen. Resilienz ist die Fähigkeit, aus Trauer wieder herauszukommen und mit Widerständen umzugehen. Ganz oft kommen Menschen ins Coaching, die sich mit diesen Themen beschäftigen. Sie betrauern einen Lebenswunsch, den sie nicht in Angriff genommen haben, sie betrauern eine Beförderung, die sie nicht bekommen haben, sie betrauern, dass das Leben ihnen übel mitgespielt hat. Sie kommen ins Coaching, weil sie etwas verändern wollen, nach vorne kommen wollen. Das ist Resilienz.

Was haben Sie für sich persönlich aus dieser Trauererfahrung mitgenommen?
Vogel: Ich habe gelernt, dass Trauer ganz wichtig ist. Wenn heute irgendwas passiert, dann zelebriere ich das Trauern richtig. Ich möchte mir dafür Zeit nehmen, ich will die Trauer nicht wegdrücken. Das ist die erste Erkenntnis. Die Zweite ist, dass das Leben schnell vorbei sein kann und es umso wichtiger ist, dass ich, oder jeder von uns, die Dinge tut, die man gerne tut. Man funktioniert so in seinem Alltag, man geht zur Arbeit, versorgt seine Familie, aber da kommt wieder der Egoismus ins Spiel: Das Leben ist für uns alle irgendwann vorbei. Das ist mir durch dieses Schicksal umso bewusster geworden. Wenn ich heute meine gute Laune verbreite, dann sag ich immer: „Nimm dir jeden Tag etwas Schönes vor.“

Wie ist die Resonanz auf ihr Coaching- und Supervisionsangebot. Wird es oft in Anspruch genommen?
Vogel: In der Region Fulda wird es noch nicht so viel in Anspruch genommen. Das ist aber im Kommen und ich glaube auch, dass wir viel Nachholbedarf haben. Die Menschen, die Coaching erlebt haben, merken, dass dadurch, dass jemand Fragen stellt, die zum Denken anregen, der Weg geebnet wird. Sie finden Lösungen in sich, die es ihnen einfacher machen. Manchmal reicht es auch zwei Gespräche zu führen, sodass man ein Licht am Horizont sieht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Coach und einem Psychotherapeuten?
Vogel: Der Psychotherapeut interessiert sich dafür, woher etwas kommt und warum es so ist. Als Coach interessiert mich das relativ wenig. Wenn meine Kunden über die Vergangenheit reden möchten, dann tun wir das auch, aber ich komme schnell zu dem, was sie erreichen möchten. Da geht es um Zielorientierung und Lösungsfindung. Wenn ich merke, da sind tiefer gelegenen Dinge, die wir mit der Lösungsfindung nicht bearbeiten können, dann sage ich: ,Wir können an dieser Stelle nicht weiter arbeiten. Sie brauchen vielleicht einen Therapeuten.

Angenommen, Sie unterhalten sich mit einer guten Freundin. Können Sie dann „normal“ mit ihr reden oder kommt es vor, dass Sie Coaching-Konzepte anwenden?
Vogel: Wenn ich sehr entspannt bin, versuche ich schon von meiner Freundin mehr zu erfahren. Dann frage ich einfach viel mehr. Aber in der privaten Zeit will man einfach nur Freundin sein. Natürlich genieße ich ganz intensive Gespräche. Sie hat schon viel von mir gelernt und stellt mir wiederum fragen. Ich merke dann, wie gut mir das tut, dass ich durch diese Fragen ins Denken komme. Meine Haltung gegenüber anderen hat sich schon geändert. Früher dachte ich: „So wie ich bin, das ist normal.“ Durch mein Studium habe ich gelernt, dass jeder normal ist und jeder ist wie er ist. Es hat mein Leben sehr bereichert, dass ich nicht mehr diese Grenzen ziehe. Meistens kriegt man dadurch schöne Lebensgeschichten erzählt.
 
Was raten Sie Frauen, die sich  selbstständig machen wollen?
Vogel: Traut euch! Habt Mut! Besinnt euch auf eure Stärken, kennt auch eure Schwächen, Punkte, an denen ihr Unterstützung braucht. Das ist eine Kopfsache, braucht etwas Egoismus, führt aber letztendlich zu Lebensfreude. Ich wünsche mir für mich und für jeden anderen jeden Tag Lebensfreude, nicht nur Pflichterfüllung. Wir sind wahrscheinlich nur einmal auf der Welt. Die Zeit müssen wir nutzen.

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