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Das Grabmal von Medizinalrat und Garnisonsarzt Dr. med. Damian Zwenger steht am Nordeingang des Alten Städtischen Friedhofs. Fotos: Stadt Fulda; Archiv der Stadt Fulda

Garnisonsarzt in schwierigen Zeiten

Artikel von Von André König am 10.09.2019

Serie (Teil 6): Was die Gräber am Alten Städtischen Friedhof erzählen / Damian Zwenger (1779-1837)

FULDA. Wer den Alten Städtischen Friedhof von seinem nördlichen Eingang an der Goethestraße/Franzosenwäldchen aus betritt, stößt als erstes auf sein Grabmal: Medizinalrat und Garnisonsarzt Dr. med. Damian Zwenger (1779-1837). Er leitete das 1805 von Wilhelm Friedrich von Oranien gegründete Landkrankenhaus („Wilhelmshospital“), das zu Zwengers Zeit allerdings als massiv unterfinanziert und schlecht ausgestattet galt.

In seinem Tagebuch beschreibt ein gewisser Damasus Gerlach die Zustände im Fuldaer Landkrankenhaus. Der bemitleidenswerte Gerlach berichtet darin, dass ihm ein Knochengeschwulst aus dem linken Oberschenkel entfernt werden musste. Seine Schilderungen lassen darauf schließen, dass er bei vollem Bewusstsein gewesen sein muss: „Mit drei bis vier tiefen, gezogenen Schnitten“ […] wurde „eine handlange Wunde geschaffen. Das Blut wurde mit nassen Schwämmen aufgefangen. […] Ich konnte nicht mehr zusehen und durchbiss zwei Kissen. Nach anhaltendem Drehen tat es einen Krach und ein großes Stück der Geschwulst war abgedreht.“
20 Tage lange hatte Gerlach Fieber. Man riet ihm, in der Fulda zu baden, um die Wundheilung zu fördern. Leider ohne Erfolg. Nach neun Wochen und zahlreichen weiteren kleinen Operationen am „blau-schwarzen“ Bein wurde Gerlach mit 20 Gulden für „musterhaftes Verhalten“ entlassen. Wirklich unvorstellbar.
Einer der leitenden Ärzte dieses Krankenhauses war Dr. med. Damian Zwenger. Zwar hatte ein Kollege die Operation an Gerlach vorgenommen, doch sind diese Schilderungen exemplarisch für den Kummer, den das äußerst schlecht ausgestattete Krankenhaus Damian Zwenger bereitete. Das Krankenhaus war mit zwölf Krankenzimmern ausgestattet, welche die Namen der zwölf Apostel trugen. Ein schwacher Trost für den Krankenhauschef: Als Primärarzt verdiente er hier 391 Gulden im Jahr, was für damalige Verhältnisse keine schlechte Bezahlung war.
Damian Zwenger war in erster Ehe mit Anna Josepha geb. Oswald verheiratet, welche die Schwester des damaligen Posthalters Jean Baptist Oswald war. Es ist nicht verwunderlich, dass der erstgeborene Sohn der beiden auch den Vornamen seines Onkels bekam: Jean Baptist Zwenger. Und wie sich herausstellen würde, war der Name auch wegweisend für den Werdegang ihres Sohnes. Als Jean Baptist Oswald starb, war er kinderlos, weshalb die Posthalterei und das Hotel zum Schwan an seinen Neffen Jean Baptist Zwenger überging. Er war der letzte Posthalter Fuldas.
Aus der Ehe mit Anna Josepha ging ein weiterer Sohn hervor, der sich als bedeutender Wissenschaftler einen Namen machen sollte: Constantin Zwenger. Constantin studierte zunächst Medizin und anschließend unter Justus Liebig Chemie und promovierte später als Arzt in Marburg. Constantin war hoch gewachsen und hatte die Angewohnheit, seine Zigarren an den Kerzen der Kronleuchter in den Salons zu entzünden, bevor er sich seiner liebsten Freizeitbeschäftigung zuwandte: Dem Kartenspielen mit seinen Studenten.

Die drei Söhne machten Karriere

Constantin Zwenger war ein Sturkopf und Schlitzohr, wie die folgende Geschichte belegt: Leider gab es aus Sicht von Constantin Zwenger kein geeignetes Chemisches Institut für seine Studenten. Doch der Senat der Universität lehnte den Bau des Instituts ab. So ließ er kurzerhand selbst ein Institut bauen – das Zwengersche Institut. Da er nach eigenen Angaben aber bedauerlicherweise kein Geld hatte, legte er die Rechnung dem Senat vor, der sie, überrumpelt von der Frechheit Zwengers, tatsächlich auch bezahlte. Das sollte sich keineswegs als Fehler herausstellen: Als Leiter und Gründer der Chemisch-Pharmazeutischen Fakultät erlangte Zwenger großes Ansehen weit über die Grenzen Hessens hinaus.
Nachdem Anna Josepha starb, ehelichte Damian Zwenger ihre Schwester Maria Anna, mit der er einen weiteren Sohn hatte. Dessen Name war Ferdinand Zwenger. Ferdinand machte sich als Herausgeber und Gründer verschiedener Zeitungen einen Namen. So gründete er Fuldas erste politische Zeitung, den „Fuldaer Anzeiger“, sowie die Zeitung für Geschichte und Politik „Buchonia“. Daneben trat er auch als Gründer und Herausgeber der Zeitschrift für Geschichte und Literatur „Hessenland“ in Erscheinung, deren Ausgaben vollständig im Fuldaer Stadtarchiv enthalten sind. Nachdem er sieben Jahre Chefredakteur der Kasseler Zeitung war, übernahm er für wenige Monate die Leitung der Fuldaer Landesbibliothek, bevor er 70-jährig starb.
Der Stammvater Damian Zwenger war indes bereits im Alter von 57 Jahren gestorben. Sein Grabstein auf dem Alten Städtischen Friedhof steht am Nordeingang des Friedhof – in unmittelbarer Nähe zum Grabstein seines Schwagers, des Posthalters Jean Baptist Oswald. 

„Geschichtspfad am Franzosenwäldchen“

Stadtgeschichte erlebbar machen – das wollen der Geschichtspfad und das sogenannte Band der Erinnerung, das seit 2016 auf dem Alten Städtischen Friedhof Am Franzosenwäldchen anhand von Kurzportraits auf Bronzetafeln aufmerksam macht auf besondere Persönlichkeiten der Lokalhistorie. Wir nehmen neue Recherchen sowie die Weiterentwicklung des Pfads als Anlass für eine neue Artikelserie, in der am Beispiel interessanter Fuldaer Persönlichkeiten Stadtgeschichte sichtbar wird. Im ersten Teil ging es um den langjährigen Direktor des Domgymnasiums, Dr. Eduard Goebel (Stadtseiten, 9. Oktober 2018), im zweiten Teil um den Vater des Rhönklubs: Dr. Justus Schneider ( Stadtseiten, 11. Dezember 2018). Der dritte Teil drehte sich um Jean Baptist Oswald (Stadtseiten, 22. Januar 2019), der vierte Teil um Karl Anton Arnd (Stadtseiten, 13. Februar 2019) und der fünfte Teil um Bildhauer Gottfried Fleck (Stadtseiten, 24. April 2019).