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Das Pflaster aus dem 18. Jahrhundert ist unter der Basaltkies-Schicht flächenhaft erhalten geblieben. Fotos: Stadt Fulda

Ein Pflaster aus der Zeit Bibras

am 14.05.2019

Archäologische Forschungsgrabung an der Alten Heerstraße/Via Regia

FULDA (jo). Sie waren die größte Infrastrukturmaßnahme, die das Fürstbistum Fulda je gesehen hatte: moderne, gepflasterte Chausseen, die unter Fürstbischof Heinrich von Bibra (Amtszeit 1759-1788) auf den wichtigsten Verbindungsstrecken im fürstlichen Territorium angelegt wurden. Eine davon ist die Alte Heerstraße zwischen Fulda und Neuhof, die zugleich Teil der historischen Via Regia ist. Neueste Grabungen haben interessante Details zum Bau der Straße zu Tage gefördert.

Leiter der Forschungsgrabung an der Steigungsstrecke bei Harmerz sind der Fuldaer Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse sowie Florian Jordan. Gemeinsam mit Mitgliedern des Archäologischen Arbeitskreises des Fuldaer Geschichtsvereins, der Via-Regia-Gruppe Fulda sowie interessierten Anwohnern aus Harmerz haben sie an zwei Tagen auf gut einem Dutzend Quadratmetern das historische Pflaster aus der Bibra-Zeit freigelegt. Die behauenen Sandsteine und die rötlich gefärbte Tragschicht sowie die aufrecht stehenden Randsteine zum Graben beziehungsweise Ackerrain hin sind gut zu erkennen.
„Wir wollten zunächst einmal wissen, ob unter der obersten Schicht aus Basaltkies das alte Pflaster überhaupt flächendeckend erhalten geblieben ist oder ob es sich bei den schon immer sichtbaren Sandsteinen nur um spätere Auffüllungen handelt“, erläutert Verse zum Ziel der Grabung. Das Ergebnis scheint eindeutig: Offensichtlich ist das historische Pflaster noch in großer Flächenausdehnung erhalten. Für die Archäologen ist dies ein wichtiger Befund. Schließlich sind die Bibraschen Chausseen wichtige Zeitzeugnisse für die Epoche des aufgeklärten Absolutismus. Der fortschrittliche und weitsichtige Fürstabt wollte das wirtschaftlich zurückgebliebene Fürstbistum auf Vordermann bringen, neue und komfortable Straßen sollten die Handelsströme über Fulda lenken. Schließlich lief bis dato ein beträchtlicher Teil des Handels zwischen den Messestädten Frankfurt und Leipzig nicht über Fulda, sondern über Alsfeld und Hersfeld beziehungsweise über Kassel.
Der Plan ging auf: Die Via Regia über das Kinzigtal und Fulda wurde zur bevorzugten Handels- und Reiseroute, und auch Goethe lobte bei seinen vielen Fahrten zwischen Frankfurt und Weimar immer wieder das gut ausgebaute Straßennetz im kleinen geistlichen Fürstentum Fulda. Wer das holprige Pflaster heute sieht, verbindet damit vielleicht nicht unbedingt großen Reisekomfort. Jedoch waren die sechs bis acht Meter breiten Chausseen damals gut gepflegt, größere Schlaglöcher wurden sofort ausgebessert, und das Wichtigste: Dass es überhaupt ein Pflaster gab, war natürlich in Sachen Reiseschnelligkeit ein großer Vorteil gegenüber den andernorts üblichen unbefestigten Wegen, die bei längerem Regen total im Matsch versanken.
Leider zog die moderne Infrastruktur nicht nur Handelsströme, sondern auch Soldatenheere an: In den unruhigen Zeiten der napoleonischen Kriege zogen große Armeen über die Chaussee (die in dieser Zeit den Beinamen „Heerstraße“ erhielt). Gleichzeitig verlor Fulda seine Selbstständigkeit, die neuen Landesherren in Kassel hatten wenig Interesse daran, die Infrastruktur im Südostzipfel Kurhessens besonders zu pflegen. Später lösten dann die Eisenbahntrasse und noch später die Bundesstraße 40 beziehungsweise die A66 die Via Regia ab. Im Wald zwischen Neuhof und Harmerz blieb die alte Strecke durch eine Reihe von Zufällen erhalten. Es ist heute eine beliebte Wander- und Fahrradroute.
Stadtarchäologe Verse und seine Mitstreiter von der Via Regia-Gruppe in Fulda könnten sich vorstellen, dass in einem zweiten Schritt nach der Forschungsgrabung ein kleiner Bereich des alten Pflasters dauerhaft freigelegt und möglicherweise anhand einer Info-Tafel erläutert wird. Aber das ist noch Zukunftsmusik ...

Info

Die Grabungsfläche an der Alten Heerstraße (erreichbar von der Straße zwischen Harmerz und Ziegel; auf der Anhöhe Richtung Waldrand abbiegen) ist noch einige Tage lang für Interessierte zu sehen. Anschließend wird die Fläche wieder mit Basaltkies bedeckt und so konserviert.