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Beim Domplatzkonzert am 31. August wird Beethovens 9. Sinfonie mit der berühmten Europahymne vom Dresdner Kammerchor aufgeführt. Fotos: Johannes Windolph

Damit auch Mauern in den Köpfen fallen

am 07.05.2019

Dresdner Kammerchor singt Beethovens 9. Sinfonie mit dem hr-Sinfonieorchester auf dem Domplatz

FULDA. 30 Jahre nach dem Mauerfall spielen der Dresdner Kammerchor und das hr-Sinfonieorchester gemeinsam mit Schlagzeuger Martin Grubinger beim Domplatzkonzert. Unweit der ehemaligen innerdeutschen Grenze wird unter anderem Beethovens  9. Sinfonie mit der Europa-Hymne erklingen. Über die musikalischen Schwerpunkte des Kammerchors sowie ein Konzerterlebnis, wie es 30 Jahre zuvor kaum denkbar gewesen wäre, sprach Christoph Stibor, Leiter der Theater- und Konzertdirektion Fulda, mit Agnes Böhm –  der Geschäftsführerin des Dresdner Kammerchors.


Frau Böhm, der Dresdner Kammerchor zeichnet sich durch einen klar konturierten und Klang und eine hervorragende Textverständlichkeit aus – woran liegt das?
In der Tat sind das zwei große Stärken unseres Chores, was aber kein Zufall ist: Unser Repertoire umfasst schwerpunktmäßig Alte Musik, Romantik und Moderne. Gerade an den durchsichtigen Sätzen der Alten Musik lässt sich die Textformung in idealer Weise schulen - besonders die intensive Beschäftigung mit Heinrich Schütz war und ist hier prägend. An den harmonisch komplexeren Werken aus Romantik und Moderne hingegen können harmonisches Verständnis und Klangsinn besonders gut wachsen.


Beim Domplatzkonzert am 31. August wird Beethovens 9. Sinfonie mit der berühmten Europahymne aufgeführt. Welche Bedeutung hat der 30. Jahrestag des Mauerfalls für den Chor, der 1985 in Dresden gegründet wurde und warum ist es wichtig, dieses Jubiläum zu begehen?
In Dresden ist Geschichte überall gegenwärtig. Darum ist es für uns oberste Pflicht, an historische Ereignisse zuerinnern und sie auch als Auftrag für die Gestaltung der Zukunft zu begreifen. Dies tun wir etwa mit unseren regelmäßigen Konzerten zur Pogromnacht, in denen oftmals Musik zeitgenössischer jüdischer Komponisten auf dem Programm steht. Ebenso wichtig finden wir es, kulturelle Verständigung zu fördern, so jüngst mit einem Chorprojekt, welches Geflüchtete und Dresdner Gesangslaien zusammengebracht hat. Nur so können auch Mauern in den Köpfen fallen!

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Chores ist die Auseinandersetzung mit den Werken von Heinrich Schütz - wie verändert sich die Probenarbeit, wenn man die Transparenz von Schütz verlässt und sich in die Opulenz Beethovens begibt?
Die Zusammenarbeit mit dem Originalklangensemble Anima Eterna gab 2015 den Ausschlag, uns auch mit der historischen Aufführungspraxis zur Zeit Beethovens zu befassen. Hier zeigt sich, dass auch Beethoven einen Entwicklungsprozess vollzogen hat, der auf den Epochen vor ihm aufbaut. So hat er beispielsweise seine Klavierkonzerte noch ganz ohne Dirigent, also in fast barocker Manier aufgeführt. Solche Details sollte man wissen, um die ganze Bedeutung seines Spätwerks überhaupt erfassen zu können. Als Ergebnis dieser Auseinandersetzung stehen in der kommenden Saison gleich drei Konzertprojekte mit Beethoven in unserem Kalender. Den Auftakt zu diesem Triple bildet das Konzert am Fuldaer Domplatz, auf das wir uns schon sehr freuen.

Historie des Kammerchors

Strahlend, transparent, homogen und flexibel: Für seine einzigartige Klangkultur wird der Dresdner Kammerchor international geschätzt. Der künstlerische Leiter Hans-Christoph Rademann prägte diesen unverwechselbaren Klang seit der Gründung 1985 und führte den Chor zu weltweitem Renommee.
Der Dresdner Kammerchor gastiert in Musikzentren und bei Festivals in ganz Europa, Tourneen führten die Sänger nach Indien, Taiwan, China, Mexiko, Südamerika und Südafrika. Zu den musikalischen Partnern gehörten bisher René Jacobs, Sir Roger Norrington, Ádám Fischer, Václav Luks, Stefan Parkman, Trevor Pinnock, Christoph Prégardien, Jos van Immerseel, Herbert Blomstedt, Christian Thielemann, Riccardo Chailly und Reinhard Goebel sowie die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Gewandhausorchester Leipzig, Anima Eterna Brugge, The Orchestra of the Age of Enlightenment, Concerto Köln, die Bamberger Symphoniker, das Wrocław Baroque Orchestra und die Akademie für Alte Musik Berlin. Seinen Wurzeln bleibt der Dresdner Kammerchor durch eine Kooperation mit der Hochschule für Musik Dresden verbunden.