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Das Grab Karl Anton Arnds und seiner Frau Auguste liegt an einer repräsentativen Stelle des Alten Städtischen Friedhofs. Fotos: Stadt Fulda

Händler und engagierter Katholik

Artikel von Von André König am 14.02.2019

Serie (Teil 4): Was die Gräber am Alten Friedhof erzählen / Karl Anton Arnd

FULDA. Das Wort Stammbaum kommt nicht von ungefähr. So wie sich ein groß gewachsener Baum mit zunehmender Höhe verästelt und verzweigt, so verflechten sich auch die Familienstrukturen und Verwandtschaftsverhältnisse von alteingesessenen Familien zu einem schier unüberschaubaren Dickicht. Befasst man sich mit der Fuldaer Familie Arnd, so hinterlässt deren mit feinen Linien gezogener Stammbaum, der im Fuldaer Stadtarchiv aufbewahrt wird, genau diesen Eindruck von beziehungsreicher Vielschichtigkeit.

Zahlreiche Namen, Geburts- und Sterbedaten, Querverbindungen, Namensgleichheiten und kleine Ringe als Symbole der Eheschließung sind auf dem zeitungsgroßen Stammbaum zu finden. Und wir reden hier von einer Zeitung in der Größe der FAZ. Doch mit jedem weiteren Ast und jeder weiteren Generation wächst auch die Neugier. Was trieb die Familie um, wer hat welchen Beruf ausgeübt, und welche Schicksale und Entscheidungen führten dazu, dass man sich noch heute mit Karl Anton Arnd (1867-1934) beschäftigt?
Wie die anderen Persönlichkeiten des Geschichtspfads ist auch Karl Anton Arnd auf dem Friedhof am Franzosenwäldchen beigesetzt. Liest man die zahlreichen Texte über ihn, so wird einem schnell klar: Sein Leben war – wie es in einem zeitgenössischen Nachruf hieß – „reich an Arbeit, reich an Erfolg, aber auch reich an Sorgen und Schicksalsschlägen“. Die Familie Arnd war streng katholisch. Karl war Mitglied im Kirchenvorstand der Stadtpfarrei, Mitglied der katholischen Männergesellschaft und als Wohltäter des katholischen Kirchenbauvereins bekannt. Man kann überhaupt sagen: Er war eine markante Persönlichkeit im öffentlichen Leben der Stadt Fulda.
Karl Arnd war zudem sehr wohlhabend. Als Eisen-Kaufmann hatte er es zu einem nennenswerten Wohlstand gebracht und trat damit in die Fußstapfen seines Großvaters, der die Eisenhandlung Arnd im Schwarzen Raab (Karlstraße; später: Ohmstraße) gründete. Zeitweise war er sogar Zweiter Vorsitzender der Handelskammer Frankfurt-Hanau. Karl Anton Arnd war umtriebig und so auch in verschiedenen Ehrenämtern aktiv. 1898 wurde er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, 1904 sogar Magistratsmitglied. 19 Jahre lang nahm er hier das Amt eines Beisitzers wahr. Eine Beschreibung seiner politischen Tätigkeit lautet: Die christliche Weltanschauung war der Maßstab seines politischen Handelns; nicht immer bequem, aber immer aufrecht, gerade und charaktervoll – sicherlich eine sehr heroische Beschreibung, aber deshalb nicht weniger interessant. Karl Anton Arnd hatte fünf Söhne und zwei Töchter mit Auguste Therese von Todenwarth, welche 1869 in Fulda geboren wurde und ihn im Alter von 24 Jahren ehelichte.
Äußerst bemerkenswert ist auch Karls Ururgroßvater. Dieser hieß Carl Philipp Arnd und war seines Zeichens fuldischer Hofschreiner, Architekt und Baumeister. Carl Philipp Arnd wurde von Fürstabt Buseck zum Hofschreiner ernannt und prägte einige sehr bekannte Gebäude in Fulda und Umgebung. Beispielsweise erledigte er Schreinerarbeiten in Schloss Fasanerie, baute die alte öffentliche Bibliothek, welche heute als Auditorium Maximum zur katholischen Fakultät gehört, und war an der Versetzung des Paulustors beteiligt.
Hat man sich erst einmal durch das Geäst des Stammbaums gewühlt, wird einem schnell klar: Die Familie Arnd spielt eine wichtige Rolle in der Fuldaer Geschichte. Karl Anton Arnd verstarb am 3. September 1934 – an seinem 67. Geburtstag. Durch das „Band der Erinnerung“ soll an ihn und seine Familie erinnert werden.

Serie: „Geschichtspfad am Franzosenwäldchen“
Stadtgeschichte erlebbar machen – das wollen der Geschichtspfad und das sogenannte Band der Erinnerung, das seit 2016 auf dem Alten Städtischen Friedhof Am Franzosenwäldchen anhand von Kurzportraits auf Bronzetafeln aufmerksam macht auf besondere Persönlichkeiten der Lokalhistorie. Wir nehmen neue Recherchen sowie die Weiterentwicklung des Pfads als Anlass für eine neue Artikelserie, in der am Beispiel interessanter Fuldaer Persönlichkeiten Stadtgeschichte sichtbar wird.
Im ersten Teil ging es um den langjährigen Direktor des Domgymnasiums, Dr. Eduard Goebel (Stadtseiten, 9. Oktober 2018), im zweiten Teil um den Vater des Rhönklubs: Dr. Justus Schneider (Stadtseiten, 11. Dezember 2018) und im dritten Teil Jean Baptist Oswald (Stadtseiten, 22. Januar 2019).