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Der Historiker und Pädagoge Heinrich Dittmar setzte sich zeitlebens für die Bewahrung der noch erhaltenen Zeugnisse jüdischer Kultur in der Region ein und legte eine umfangreiche Forschungsbibliothek an. Fotos: privat, jo

Stadtarchiv übernimmt Nachlass

am 27.11.2018

Bibliothek des Historikers und Pädagogen Heinrich Dittmar dokumentiert die Geschichte der Juden in Hessen

FULDA (th/jo) Der Historiker und Pädagoge Heinrich Dittmar (1934-2014) hat sich über Jahrzehnte mit der Geschichte der Juden in Hessen beschäftigt und sich als Lehrer wie auch als Denkmalpfleger für die Bewahrung der noch erhaltenen Zeugnisse jüdischer Kultur im Vogelsberg und in Osthessen eingesetzt. Dabei hat er auch eine umfangreiche Forschungsbibliothek angelegt, die seine Witwe nun dem Stadtarchiv Fulda übergeben hat.

Seit der gebürtige Gießener Mitte der Siebziger Jahre bis dahin unbeachtete Quellen zur Geschichte der Alsfelder Juden im dortigen Stadtarchiv entdeckte, ließ ihn das Thema nicht mehr los. In einer Zeit, als in hessischen Kleinstädten Fragen nach der verschwundenen jüdischen Bevölkerung noch tabu waren, hakte Dittmar nach. „Ich löcherte die Leute: ‚Hier waren jede Menge Juden – wo sind die hin?‘“, erinnerte sich er sich später. „Die sagten nur: ‚Darüber will ich nicht sprechen.‘“
Um die Sprachlosigkeit zu überwinden, sammelte der Lehrer Material, recherchierte in Bibliotheken und Archiven. Bei der Aufarbeitung der deutsch-jüdischen Geschichte wurden ihm anfangs auch Hindernisse in den Weg gelegt. „Einmal kam ich in ein Gemeindearchiv. Als ich sagte, es geht um Juden, war plötzlich der Schlüssel nicht mehr da.“ Doch von diesen Widerständen ließ sich Dittmar in seinem Forscherdrang nicht beirren. Sein reiches Wissen gab der Sonderschullehrer weiter, an Schüler wie an Erwachsene. In Publikationen, Vorträgen und Führungen machte er sein Publikum mit der nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit ignorierten Geschichte der jüdischen Gemeinden in Hessen vertraut.
Mit den emigrierten Überlebenden und ihren Nachfahren nahm er Kontakt auf, um die alten Verbindungen neu zu beleben. Auf diese Weise gelang ihm die eine oder andere Zusammenführung von Verwandten, die durch Verfolgung und Deportation getrennt worden waren. Sein ehrenamtliches und selbstloses Wirken fasste er in einem Satz zusammen: „Meine Arbeit ist den Menschen gewidmet, die nie einen Grabstein bekommen haben.“
Heinrich Dittmars Wirken wurde neben dem Bundesverdienstkreuz auch mit dem angesehenen „Obermayer German Jewish History Award“ ausgezeichnet, einem Preis, der den Einsatz für den Erhalt der jüdischen Kultur und Geschichte würdigt.
Nach Dittmars Tod kam dessen schriftlicher Nachlass an das Staatsarchiv in Darmstadt. Die umfangreiche, etwa 1000 Bände umfassende Bibliothek, die insbesondere im Bereich der jüdischen Regionalgeschichte nahezu alle einschlägigen Titel enthält, wurde von Marga Dittmar nun dem Stadtarchiv Fulda übergeben. Hier wird der Buchbestand als geschlossene Sammlung erhalten und steht allen Interessierten vor Ort zur Verfügung. Mit dem Update der Beständedatenbank des Stadtarchivs können die Bücher ab Januar 2019 auch online recherchiert und in den Lesesaal bestellt werden.