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Auf dem Alten Städtischen Friedhof fand Dr. Eduard Goebel seine letzte Ruhestätte. Fotos: Stadt Fulda/Stadtarchiv

Ehrenbürger und Lehrer aus Leidenschaft

Artikel von Von André König am 09.10.2018

Serie (Teil 1): Was die Gräber des Alten Städtischen Friedhofs erzählen / Heute: Dr. Eduard Goebel (1831-1904)

FULDA. Als Sohn des Kreisphysikus kam Eduard Goebel am 1. März 1831 in Hillesheim zur Welt. Sein Leben in der Eifel hätte sehr idyllisch werden können, wenn nicht seine Eltern schon sehr früh verstorben wären.

Daher musste der junge Eduard seine Schulzeit bei Verwandten in Westfalen verbringen, die von da an für ihn sorgten. Nach der Schulzeit studierte er in Bonn Philosophie, um anschließend als Lehrer in Bonn und Aachen zu unterrichten. Nach einem kurzen Ausflug in den österreichischen Schuldienst in Salzburg zog es ihn an das Apostelgymnasium in Köln, wo er unter anderem Herrmann Cardauns unterrichtete, der sich später als Chefredakteur der Kölnischen Volkszeitung einen Namen machte.
Zu dieser Zeit bekamen seine Schüler den Auftrag, einen Aufsatz zu schreiben. Weil Cardauns das von Goebel vorgegebene Thema nicht gefiel, entschloss er sich, stattdessen eine humorvolle Kurzgeschichte zu schreiben. Goebel erkannte das Potential Cardauns’ und bewertete dessen Aufsatz mit einem „Sehr gut“. Allerdings ermahnte er ihn: „Dieser Unfug wird nicht noch einmal gemacht, sonst können wir alle zwei einmal hereinfallen.“
Eduard Goebel war ein Lehrer, wie man ihn sich nur wünschen kann. Historische Quellen berichten ausschließlich Positives über seine Art zu unterrichten – selbst von Schülern gab es reichlich Lob. Zu jener Zeit war Goebel noch außerordentlich jung. Mit 32 Jahren wurde Goebel in den Dienst des Landes Hessen gestellt und kam als Direktor der heutigen Rabanus-Maurus-Schule (Domgymnasium) nach Fulda. Schnell machte sich Goebel auch in Fulda einen Namen. Eine enge Freundschaft pflegte der neue Direktor auch mit dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Franz Rang. Jedoch schon bald sollte sich in gravierender Weise der von Bismarck und der katholischen Kirche geführte „Kulturkampf“ auf die Arbeit und das Leben Goebels auswirken. Als hoher Beamter musste er sich beim Fürsten in Kassel persönlich vorstellen. Dort empfing ihn der Hofmarschall – und war empört: „So wagen Sie sich zu einer Audienz bei der königlichen Hoheit?“ Goebel reagierte verdutzt. Der Hofmarschall klärte ihn auf: „Mit einem solchen Bart gewähre ich Ihnen keine Audienz!“ Mindestens das Kinn müsse glatt rasiert werden.
Goebel hatte zu jener Zeit einen prächtigen Bart, der allerdings als politisches Statement galt – nämlich als Zeichen demokratischer Gesinnung. Doch obwohl sich Goebel rasierte, wurde ihm kein zweiter Termin gewährt. Als er nach Fulda zurückkam, haben ihn seine Bekannten ohne Bart kaum wiedererkannt, so heißt es.
Da Goebel als Führungsfigur wahrgenommen wurde, befanden sich unter seinen Bekannten zumeist bedeutende Männer der katholischen Stadt, wie Franz Rang oder Domkapitular Dr. Reinerding. Aus diesem entstand im Jahr 1867 die katholische Männergesellschaft, welche sich durch die Veröffentlichung von Schriften bemerkbar machte. Im Kulturkampf wurde dieser Verein zum Feindbild stilisiert und wegen „Staatsgefährdung“ zeitweise verboten.
Der Kulturkampf hinterließ besonders in den Schulen seine Spuren, wovon Goebel als Direktor unmittelbar betroffen war. Es wurden Bücher verboten, Schulen wurden von der Fronleichnamsprozession ausgeschlossen, und es durfte nicht mehr für die Kirche und den Papst gebetet werden. Goebel wurde sogar die Arbeit an der höheren Töchterschule in der Nonnengasse untersagt, an der er regelmäßig unterrichtet hatte.
All das hinderte ihn aber nicht daran, sich in besonderer Weise in das Leben der Stadt einzubringen. So war er bei zahlreichen Vereinsgründungen beteiligt und ein gerngesehener Redner für Grußworte. Besondere Freude machte es ihm, den Schülern bei der Zeugnisübergabe einen persönlichen Mahnspruch mit auf den Lebensweg zu geben. Einem besonders eigenwilligen Schüler gab er einmal mit auf den Weg: „Zerbrich den Kopf dir nicht so sehr, brich deinen Willen, das ist mehr!“ Der Schüler fand das allerdings weniger lustig und beschwerte sich lautstark.
1897 verabschiedete sich Goebel nach langer Krankheit in den Ruhestand. Trotz seines Alters und der damit einhergehenden Krankheiten wurde er ein Jahr später als Abgeordneter aus Fulda in den preußischen Landtag entsandt – dies war eine besondere Ehre. Eine ebenso große Würdigung war die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Fulda für seine Verdienste um die Förderung des geistigen Lebens. Goebel starb 1904 in Fulda, im selben Jahr wie Dr. Justus Schneider, der Gründer des Rhönklubs, den wir Ihnen in der nächsten Folge vorstellen wollen.

SERIE „Geschichtspfad am Franzosenwäldchen“

Stadtgeschichte erlebbar machen – das wollen der Geschichtspfad und das sogenannte Band der Erinnerung, das seit 2016 auf dem Alten Städtischen Friedhof Am Franzosenwäldchen anhand von Kurzportraits auf Bronzetafeln aufmerksam macht auf besondere Persönlichkeiten der Lokalhistorie. Wir nehmen neue Recherchen sowie die  Weiterentwicklung des Pfads als Anlass für eine neue Artikelserie, in der am Beispiel interessanter Fuldaer Persönlichkeiten Stadtgeschichte sichtbar wird. Im ersten Teil unserer neuen Serie geht es um den langjährigen Direktor des Domgymnasiums, Dr. Eduard Goebel (1831-1904)