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Barbara Leibold-Johannes hat sich bewusst für die Möglichkeit entschieden, Jennifer Bähr in Teilzeit auszubilden. Foto: G. Diener

Chance für Unternehmen und Auszubildende

am 09.03.2015

Leibold Karosseriebau in Künzell bildet junge Mutter in 25-Stunden-Woche aus

KÜNZELL (gd). Teilzeitarbeit ist für viele Unternehmen im Landkreis Fulda Alltag. Dass auch eine Ausbildung in Teilzeit möglich und sogar ein Gewinn für Chefs wie Angestellte sein kann, zeigt das Beispiel der Firma Leibold Karosserie- und Fahrzeugbau in Künzell.

„Wir haben als Betrieb gezielt nach Bewerbern für den Beruf Kauffrau für Büromanagement in Teilzeitausbildung gesucht, weil diese Form auch unserer internen Arbeitsorganisation entgegenkommt“, erzählt Geschäftsleiterin Barbara Leibold-Johannes. Sie hatte im Fuldaer Arbeitskreis „Wiedereinstieg für Frauen“ von diesem Modell erfahren und knüpfte Kontakt zu Anke Wehner, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Kreisjobcenter. Zwei Bewerberinnen stellten sich daraufhin in dem Handwerksbetrieb vor, und Jennifer Bähr, dreifache Mutter, erhielt den Zuschlag. Die 28-Jährige bewies Biss und Durchsetzungsvermögen – Eigenschaften, die sie in dem Traditionsbetrieb, in dem neben der Chefin ausschließlich Männer arbeiten, braucht.
„Die rechtliche Grundlage für die Ausbildung in Teilzeit gibt es seit dem Jahr 2005 und ist im Berufsbildungsgesetz und in der Handwerksordnung verankert“, erklärt Anke Wehner vom Kreisjobcenter. Denkbar sei diese Form der Ausbildung für fast alle Berufe, dennoch sei sie nicht sehr verbreitet im Landkreis Fulda. Und das, obwohl es kaum bürokratische Hürden gibt: „Die für den Ausbildungsberuf zuständigen Stellen wie zum Beispiel Handwerkskammer, Landesärztekammer oder Industrie- und Handelskammer müssen lediglich ihre Zustimmung geben“, erläutert Wehner.
Im Falle der Künzeller Firma hatte die Industrie- und Handelskammer Fulda keine Bedenken, dass Jennifer Bähr mit einer reduzierten Wochenstundenzahl nicht die erforderlichen Ausbildungsinhalte erlernen könnte. Die 28-Jährige hat wie alle anderen Auszubildenden in vollem Umfang Berufsschulunterricht zu absolvieren. Im Betrieb arbeitet sie jedoch nur fünf Stunden pro Tag, um genügend Zeit für ihre Familie zu haben. „Für mich war diese Chance ein großes Glück, denn sonst hätte ich vermutlich nie eine Ausbildung gemacht“, erzählt Bähr.
Barbara Leibold-Johannes weiß aus eigener Erfahrung, welcher Spagat bisweilen notwendig ist, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen: „Das erfordert viel Organisationstalent, Power und Willen.“ Mitarbeiter, die solche Eigenschaften mitbringen, stellen sie ihrer Erfahrung nach auch im Job unter Beweis – und das kommt letztlich auch der Firma zugute. Bei all ihren Beschäftigten hat sie einen Grundsatz: „Es ist immer ein Geben und Nehmen“. Leibold Karosserie- und Fahrzeugbau versteht sich als Familienunternehmen, in dem die Chefs auch die familiäre Situation der Angestellten flexibel in die Arbeitszeiten einplanen. Ihr Gewinn: ein verlässliches, loyales Team.
„In Zeiten des Arbeitskräftemangels muss ein Unternehmer neue Wege gehen und Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Angestellten nehmen, dazu gehört auch, in Teilzeit auszubilden“, ist die Firmenchefin überzeugt und ergänzt: „Wenn man will, ist vieles möglich – man muss es einfach ausprobieren.“

Info

Ansprechpartner für Unternehmer sind
– bei der Industrie- und Handelskammer Beate Möller,
Telefon (0661) 284-26,
E-Mail moeller@fulda.ihk.de, –sowie bei der Kreishandwerkerschaft
Dr. Herbert Büttner,
Telefon (0661) 90224-16,
E-Mail herbert.buettner@
kh-fulda.de