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Staubsauger oder nasser Wischmopp sind tabu. „Die historischen Räume brauchen besondere Pflege“, so Petra Heinisch. Foto: Mathilde Lemesle

Sisyphusarbeit im Dienste des Barock

am 25.02.2015

Petra Heinisch reinigt mit viel Liebe die historischen Säle des Stadtschlosses / Stolz auf außergewöhnlichen Arbeitsplatz

FULDA (mal). Die Stempeluhr piept in regelmäßigem Abstand. Die Mitarbeiter der Stadt machen Feierabend. Für Petra Heinisch fängt die Arbeit im Stadtschloss aber erst an.

Mit dem Aufzug geht es hoch zum zweiten Stock, in ihren Arbeitsbereich. Über die blaue Jeans und ein schwarzes, kurzärmeliges T-Shirt zieht sie ihren weinroten Kittel. Dabei trägt sie dazu passenden roten Nagellack. Die Straßenschuhe tauscht sie gegen weiße Crocs. Gewappnet mit einem Staubmopp läuft sie ins Grüne Zimmer. „Die historischen Räume brauchen besondere Pflege“, erklärt Petra Heinisch. Staubsauger oder nasser Wischmopp sind dabei tabu.

Über 30 Jahre bei der Stadt Fulda tätig

Das Grüne Zimmer ist recht groß und vor allem ziemlich leer. Nur der große Kristall-Kronleuchter fällt auf. Um den muss sich aber Petra Heinisch nicht kümmern. „Das macht eine Firma“, erklärt sie. Erst einmal wird das Parkett entstaubt. Der Staubmopp wirkt im Verhältnis zur Zimmergröße viel zu klein. Das stört aber Petra Heinisch nicht. Sehr routiniert führt sie ihre Arbeitsschritte durch. Seit 31 Jahren arbeitet sie nun schon als Reinigungskraft bei der Stadt Fulda. Seit fünf Jahren ist der zweite Stock des Flügels entlang der Schlossstraße ihr Revier im Stadtschloss.
Ihrem trainierten Auge entgeht kein Essensfleck. Sie zieht ihren Schlüsselbund aus der Tasche und kratzt mit einem roten Flaschenöffner über die Stelle, um die Krümel anschließend mit dem Staubbesen verschwinden zu lassen. An diesem Tag heißt das Problem Schokoladenbrötchen. „Die wurden bei einer Veranstaltung an Kinder verteilt. Dann fallen die Schokoladenstücke auf  dem Boden und bleiben haften“, erklärt sie und fügt hinzu: „Es ist fast so schlimm wie mit Bretzeln. Die Leute kratzen das Salz ab, das dann zu Boden fällt und von den Schuhen mitgenommen wird. Für das Parkett wirkt das wie Schleifpapier.“
 Als nächstes kommt die Bohnermaschine zum Einsatz. Mit einer Hand hält Petra Heinisch den Lenker fest, mit der anderen das Stromkabel, und geht von links nach rechts und wieder zurück. Es sieht einfach aus, ihre Bewegungen strahlen Leichtigkeit aus. Es wirkt, als ob die Maschine schweben würde. Das Schnurren hat etwas Beruhigendes.
Doch der Schein trügt. Die Maschine ist alles andere als handlich. Das spüre ich beim Ausprobieren sofort. Gefühlt wiegt sie 100 Kilo. Eine Hand muss immer den Lenker festhalten. Mit Druck nach unten geht die Poliermaschine nach rechts, mit Druck nach oben nach links. Nach zwei Minuten tun die Arme und Hände weh. Eigentlich könnte die Maschine auch ein Trainingsgerät für Gewichtsheber sein. Doch das stört Petra Heinisch nicht, sie hat sich wahrscheinlich schon daran gewöhnt. Sie poliert weiter den Parkettboden, wie eine Tänzerin ihre Choreografie ausführt.

Sechs Kilometer an einem Arbeitstag


Weiter geht es im Fürstensaal. Der größte Raum des Stadtschlosses ist bestuhlt, was die Arbeit schwieriger macht. Reihe für Reihe geht Petra Heinisch zwischen den Stühlen mit ihrem Staubmopp entlang. „Einmal habe ich einen Schrittzähler dabei gehabt. Am Ende der Schicht war ich sechs Kilometer gelaufen.“
Petra Heinisch macht weiter, ohne Pause, ohne einen Schluck Wasser zu trinken. Sie erzählt gerne von ihrer Arbeit. „Vor kurzem haben wir die Räume gründlich gewachst. Jetzt sieht man deutlich den Unterschied nach dem Bohnern. Es ist schon schön, wenn alles glänzt.“
Die historischen Säle glänzen jetzt wieder, nun müssen die Toiletten und die Büros des zweiten Stocks gereinigt werden. Der Putzwagen kommt zum Einsatz: Waschbecken sowie Toiletten reinigen, neue Klopapierrollen in jeder Kabine anbringen, Seifenspender nachfüllen und den Fliesenboden nass wischen. In den Büros werden die Mülleimer geleert, die Schreibtische abgewischt, der Boden entstaubt – wie jeden Tag.
Doch Langeweile kommt bei Petra Heinisch nicht auf. „Es ist nie das Gleiche. Der Ablauf ändert sich jeden Tag, weil ich mich nach Veranstaltungen und Führungen richten muss.“  Von ihrer Arbeit zu erzählen, macht ihr sichtlich Spaß, sie übt sie sehr gerne aus. „Man ist schon ein bisschen stolz, das Stadtschloss zu reinigen“, sagt die gebürtige Fuldaerin.
Nach knapp vier Stunden ist ihr Dienst zu Ende – für heute. Denn morgen fängt die Arbeit wieder von vorne an. Der Barock muss ja schließlich glänzen.