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Klaus Depta im Gespräch mit Bischof Dr. Michael Gerber. Fotos: Torsten Goßmann

Alle wollten den Bischof sehen

am 10.04.2019

Rund 400 Besucher bei „Talk am Dom“ im Fürstensaal / Letzte Veranstaltung für Moderator Depta

FULDA (tg). Für das Team der Buchhandlung am Dom war es sicherlich eine Zeit, die sie nicht vergessen werden, denn die Nachfrage für Karten zu der jüngsten Ausgabe von „Talk am Dom“ muss laut Moderator Klaus Depta kaum zu stillen gewesen sein.

Nur ein Blick in den prall gefüllten Fürstensaal des Stadtschlosses, wo die Sendung erstmals stattfand, genügte schon, um Deptas Worten zu glauben. Kein Wunder, immerhin hatten die fünf Gäste es wieder in sich. Der Star unter ihnen, das stand völlig außer Frage, war natürlich der neue Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber.
Doch für ihn musste sich das Publikum erst einmal gedulden. Deptas erster Gesprächspartner war nämlich Bernhard Remmers, journalistischer Direktor der katholischen Journalistenschule (ifp) in München, die er näher vorstellte. „Wir bieten die Gelegenheit, in einer katholischen Glaubensgemeinschaft das Journalisten-Handwerk zu erlernen“, beschrieb Remmers. Er porträtierte auch, wie die Branche sich von der Reiseschreibmaschine hin zum Smartphone gewandelt hat und riss Themen wie Medienethik und Fake-News an.
Fast stahl die christliche Musikerin Sarah Brendel den anderen Rednern die Show. Nicht nur, weil sie für die Musik des Abends zuständig war und allein Dank Gitarre und Gesang schon ein Stein im Brett hatte, sondern es auch verstand, mit ihren bewegenden Ausführungen über ihren Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution zu begeistern. „Mit meiner Musik will ich für die Menschen da sein und ihnen sagen, dass sie nicht allein sind“, sagte die Musikerin.
Als nächstes stand Gernot Meiser dem Moderator Rede und Antwort. 1969 fieberte er mit, als es zur Mondlandung kam. Jetzt ist er begeisterter Astrofotograf und Jäger vom Himmelsphänomenen, egal, ob er wegen einer Sonnenfinsternis um die halbe Welt reist oder bei Eiseskälte in Norwegen auf Polarlichter wartet.Vor dem Himmel und dem Universum hat er große Ehrfurcht. „Ich bin mir sicher, dass, egal wie weit unser technologischer Fortschritt mal sein mag, wir Menschen immer an die Erde gebunden sein werden und deswegen ist es absolut notwendig, sie zu schützen“, ist Meiser überzeugt.
Wer sicherlich auch zu der enormen Nachfrage für diese Ausgabe der Talkrunde des Bistums Fulda beitrug, war Joern Hinkel, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Was die Aufgaben des Intendanten sind und welche Magie der Spielstätte, der Stiftsruine innewohnt, davon gab der Nachfolger von Dieter Wedel einen Einblick. Für Wedel, dem im Zuge der #me too-Debatte sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden, ergriff Hinkel klar Partei und betonte, dass er die Vorwürfe für grundlos hielte, wofür er durchaus Beifall aus dem Publikum erntete.„Es ist schwer für mich, mein eigenes Glück auf dem Unglück einer anderen Person aufzubauen“, gab er zu.
Für Hinkel steht fest:„Das Theater beschäftigt sich im Grunde mit den selben Fragen, wie die Kirche:Wer bin ich? Wo gehe ich hin?Wir machen das einfach mit anderen Methoden.“ Auf Nachbohren Deptas verriet der 49-Jährige, warum beim Theater der Verbrauch an Wodka so groß ist. Denn angeblich könne man Kostüme mit ein paar Spritzern der klaren Spirituose von Gerüchen befreien.
Für Dr. Michael Gerber schließlich war es einer der ersten Auftritte in der Öffentlichkeit. Laut Moderator Depta sei der 49 Jahre junge Bischof für die Menschen im Bistum ein Hoffnungsträger und fast schon ein Popstar. „Die Erwartungen an mich sind natürlich da. Es wird auch Entscheidungen geben, die vielleicht nicht jedem schmecken“, erklärte Gerber. Sein Auftreten war ebenso souverän wie bürgernah. So sprach er von Schlüsselerfahrungen beim Pilgern, die Bedeutung von Bonifatius und den Kontakt zu den europäischen Völkern und stellte sich einem charmanten Religions-Quiz. Mit Spannung verfolgte das Publikum seinen Erzählungen, wie vor 18 Jahren seine Mutter an einer Gelenkerkrankung starb und dass er von ihr gelernt habe, dass der Glaube einen Menschen stärker mache.
Was für Gerber der erste Talk am Dom war, war für Klaus Depta der letzte:Zum Schluss der Veranstaltung teilte der Moderator mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen aufhören wird. Wer sein Nachfolger wird, steht aber noch nicht fest.
talk-am-dom.de