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Dr. John Barentine, bei der International Dark-Sky Association zuständig für die Zertifizierung und Re-Zertifizierung, überreichte bei seinem Besuch eine Glas-Stele an Ersten Kreisbeigeordneten Frederik Schmitt und Sternpark-Koordinatorin Sabine Frank zum fünfjährigen Bestehen des Sternenparks Rhön. Foto: Lisa Laibach

Schutz der Nacht trägt zur Lebensqualität bei

am 26.07.2019

Experte würdigt Duo aus „Sternenpark Rhön“ und „Sternenstadt Fulda“ / Nachahmenswerter Umgang mit Licht

REGION (red/was). In der ersten Juli-Woche besuchte ein ranghoher Repräsentant der International Dark-Sky Association (IDA) die Region Fulda. Im nachfolgenden Interview schildert Dr. John Barentine seine Eindrücke von den ergriffenen Maßnahmen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung.

Vor fünf Jahren verlieh die IDA der Rhön die Auszeichnung Dark Sky Reserve. Wie bewertet die IDA die im Sternenpark Rhön geleistete Arbeit?
Die Verleihung dieses Titels war ein hoffnungsvollen Anfang, unsere Ziele in Europa voranzubringen. Wenn man bedenkt, dass 99 Prozent der Menschen in Europa unter einem lichtverschmutzten Himmel leben, dann ist die Bewahrung der natürlichen Dunkelheit in einem so großen Gebiet wie der Rhön von herausragender Bedeutung. Nach fünf Jahren können wir mit Zufriedenheit feststellen, dass den Verantwortungsträgern in der Rhön und den angrenzenden Gemeinden zunehmend bewusst wird, wie wichtig der Schutz der Nacht ist.

Im Frühjahr 2019 wurde Fulda zur Sternenstadt ernannt. Kann eine Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern und Tausenden von Straßenlampen die strengen IDA-Kriterien erfüllen?

Ich halte dies für sehr wahrscheinlich. Fulda hat nun acht Jahre Zeit, die rund 8.500 öffentlichen Leuchten den Vorgaben anzupassen. In vielen Bereichen ist das ja bereits geschehen beziehungsweise wird im Zuge ohnehin anstehender Nachrüstungen umgesetzt. Bei meinem Besuch habe ich viele Menschen kennengelernt, die sich für den Schutz der Nacht engagieren. Sie wissen, dass eine nachtgerechtere öffentliche Beleuchtung die besondere Atmosphäre von Fulda unterstreicht, ohne die öffentliche Sicherheit zu beeinträchtigen.

Welchen Rat würden Sie der Region mit auf den Weg geben? Worin kann der Wert des Titels „Sternenstadt“ beziehungsweise „Sternenpark” liegen?
Als westliches Eingangstor zur Rhön wird Fulda für auswärtige Astro-Touristen die erste Station sein. Die gesamte Region kann auf zusätzliche Einnahmen hoffen. Denn Astro-Touristen bleiben zwangsläufig über Nacht. In den USA geben solche Sternengucker dreimal so viel aus wie Tagestouristen. Auch der einzelne Bürger hat etwas von der Sternenstadt oder dem Sternenpark, zum Beispiel wenn er seine private Außenbeleuchtung optimiert und auf diese Weise Strom spart.

Wie viele Dark-Sky-Orte gibt es bereits weltweit und wie viele davon in Europa?
Weltweit gibt es 22. Nur fünf davon befinden sich in Europa, darunter Fulda. Viele der internationalen Dark Sky Communities haben weniger als 1.000 Einwohner und nur in geringem Umfang öffentliche Beleuchtung. In Fuldas Größenklasse gibt es weltweit nur eine einzige weitere Sternenstadt: Flagstaff in Arizona. Das war 2001 die erste Dark Sky Community überhaupt.

In der Region gibt es die Besonderheit, dass der etablierte, ländliche geprägte Sternenpark Rhön und die neue Sternenstadt Fulda zusammenstoßen. Sind Synergie-Effekte zu erwarten?

Von Beginn an haben wir gesagt, dass es wegen der unmittelbaren Nähe von Fulda zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön wünschenswert wäre, wenn auch Fulda verstärkte Anstrengungen unternehmen würde, um die Auswirkungen der Lichtverschmutzung zu reduzieren. Dieses Zusammenspiel bringt Synergie-Effekte, die es nicht gäbe, wenn beide Gebiete auf sich alleine gestellt blieben. Dieser Fulda-Effekt wird zu einem höheren Standard des Nachtschutzes in der Gesamtregion führen.

Wo sehen Sie die Welt im Jahr 2025? Wird sich etwas ändern?
Wir werden im nächsten Jahrzehnt feststellen, dass Lichtverschmutzung ebenso eine Form von Umweltverschmutzung ist wie die von Luft oder Wasser. Das wird auf internationaler Ebenen zu neue Normen für den Umgang mit Licht führen. Orte wie Fulda und die Rhön können dabei eine besondere Vorreiterrolle übernehmen. Sie haben eine einzigartige Symbiose zwischen Siedlung und Natur geschaffen und sind ein Beispiel, was möglich ist, wenn Menschen bewusst mit der Ressource Kunstlicht bei Nacht umgehen.

Info

Das Kürzel „IDA“ steht für die International Dark-Sky Association, die 1988 in Arizona gegründet wurde. Zielsetzung der ehrenamtlich arbeitenden Organisation ist es, die nächtliche Umwelt und damit das gemeinsame Erbe des dunklen Himmels durch umweltfreundliche Außenbeleuchtung zu erhalten und zu schützen.