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In der AG „Kräuter und Beet“ haben die Schülerinnen und Schüler fleißig Bärlauch für die Butter geschnippelt. Fotos: Lisa Laibach

Bärlauchbutter und Kleister

am 14.06.2019

Grundschule Eckweisbach bietet Schülern ein umfangreiches und buntes Ganztagsangebot

HILDERS (lai). Schule im Profil 1: Hinter diesem Begriff versteckt sich ein umfangreiches, vielfältiges und buntes Ganztagsprogramm an der Grundschule Eckweisbach. An drei Tagen lernen Schüler dort den Umgang mit Nadel und Faden, können sich am Herd und im Garten ausprobieren und dürfen frei spielen und toben.

Auf dem Flur duftet es nach Bärlauch. Messer ratschen über Brettchen, Brot wird geschnitten. Im Hintergrund ist das Klicken von Computer-Tastaturen zu hören, und Kinderstimmen hallen über die Flure. Denn: Dienstags stehen an der Grundschule Eckweisbach am Nachmittag die AGs „Kräuter und Beet“ und „Maus und Bildschirm“ auf dem Plan.
„In meinem Kurs lernen die Kinder Kräuter und Gewürze aus der Region kennen“, sagt die Betreuerin Karin Betz, die die AG leitet und an diesem Dienstag eine Bärlauchbutter mit den Schülern zubereitet. „Wie das duftet“, kommentiert Betz. Im Raum am anderen Ende des Gangs sitzen Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen an Computern und tippen fleißig auf ihre Tastaturen. Je nach Wissensstand und Können üben sie das Zehn-Finger-Schreiben. „Wir wollen die Kinder mit den Computern vertraut machen, das ist in der heutigen Zeit essenziell“, sagt die Lehrerin Sabine Jenisch.
Nicht nur dienstags, sondern auch mittwochs und donnerstags haben die rund 40 Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, am Ganztagsunterricht teilzunehmen. „Das Angebot ist für alle freiwillig. Im Moment besuchen mehr als dreiviertel der Kinder mindestens einmal in der Woche ein Ganztagsangebot am Nachmittag“, betont Schulleiterin Tina Weidmüller stolz, täglich seien es mehr als 20 Schüler, die am Nachmittagsunterricht in den AGs teilnehmen. Das kostenfreie Ganztagsangebot gibt es seit dem Schuljahr 2016/2017 an der Schule.
Doch der Ganztagsunterricht findet nicht nur am Nachmittag in den AGs statt, sagt Weidmüller: „Wir haben an unserer Schule die Gleitzeit am Morgen. Vor dem Unterricht können die Schüler beispielsweise die Bibliothek besuchen. Oder wir sprechen im Schulrat über den Klimaschutz und andere aktuelle Themen oder nutzen die Zeit zur individuellen Förderung in verschiedenen Fächern oder zum Lernen.“ Diese Gleitzeit wird von allen Schülern besucht.
Im Anschluss an die Gleitzeit startet dann um 8.30 Uhr der Unterricht. Eine Besonderheit: Die Grundschule ist Teil des vom Hessischen Kultusministerium begleiteten Schulversuchs „Jahrgangsgemischte Grundschule“. Das bedeutet, dass die Erst- und Zweitklässler sowie die Dritt- und Viertklässler gemeinsam unterrichtet werden. An der Grundschule Eckweisbach gibt es somit nur zwei Klassen. In den meisten Fächern bearbeiten die Klassen das gleiche Thema in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. „Gerade für Jüngere oder Flüchtlingskinder hat der gemeinsame Unterricht einen enorm großen Lerneffekt. Die Kinder profitieren stark voneinander“, erklärt Weidmüller, die seit zwei Jahren die Schule leitet.
Damit für ein Thema genügend Zeit ist, werden die Kinder in Blöcken – also Doppelstunden – von insgesamt sechs Lehrern unterrichtet. „Die Strukturen in unserer Schule sind überschaubar, fast familiär“, sagt Schulleiterin Weidmüller und ergänzt, dass dies unter anderem für die Flüchtlingskinder vom Michaelshof in Unterbernhards von besonderem Vorteil sei. „Wir sehen recht schnell, wo vielleicht noch Hilfe nötig ist. Vor allem aber lernen sie rasch die Sprache von den anderen Kindern.“
Eine weitere Besonderheit wartet um 12 Uhr auf die Erst- und Zweitklässler:  Während die dritte und vierte Klasse noch unterrichtet wird, dürfen die Kleinen entspannen. Auf zahlreichen Matten kuscheln sie sich in ihre Decken und Kissen, bekommen vorgelesen und können sich ausruhen.
Doch die Ruhe ist schnell verflogen, wenn der Spaziergang zur benachbarten Gaststätte ansteht. Dort bekommen die Kinder ihr Mittagessen – eine Mensa ist aufgrund der Schülerzahl nicht notwendig. Nach dem Essen folgt eine Bewegungspause. „Da Bewegung für die Kinder ungemein wichtig ist, haben wir bis zu sieben solcher Pausen am Tag eingeführt“, erklärt Weidmüller.
Nach einer Stunde Hausaufgaben- und Lernzeitbetreuung gehen die Schülerinnen und Schüler gegen 15 Uhr schließlich in die AGs. Das AG-Angebot wechselt halbjährlich und wird derzeit von vier Betreuern und Lehrkräften durchgeführt. Neben Kräutern und Computern am Dienstag wird an den anderen Tagen mit Kleister und Papierschnipseln gebastelt, mit Nadel und Öhr gearbeitet, Sport gemacht und frei gespielt.
„Wir setzen im Ganztagsbetrieb unser Motto ‚Grundschule Eckweisbach: Freude am Lernen – Gemeinsam und doch individuell‘ um. Somit entwickeln wir die Schule beständig weiter als einen Ort des Lernens, Lehrens und Lebens“, betont Weidmüller.
Um 16 Uhr werden schließlich die letzten Krümel vom Mund gewischt. Und mit einem Glas selbstgemachter Bärlauchbutter im Schulranzen machen sich die Schüler dann auf den Weg zu ihrem Schulbus.