Menü Button
mk Logo
Marktkorb Logo
Ein Überbleibsel aus der Zeit der Holzkohleherstellung im Michelsrombacher Wald Foto: K.-H. Burkhardt

Einst Lebensgrundlage für viele

am 15.02.2019

Im Michelsrombacher Wald sind heute noch Spuren der früheren Nutzung zu finden

HÜNFELD/FULDA (khb/was). Viele Geschichten und Begebenheiten ranken sich um den zwischen Fulda und dem Buchfinkenland gelegenen Michelsrombacher Wald. Er hat eine wechselvolle Historie hinter sich und war er über lange Zeit Lebensgrundlage zahlreicher Familien. Heute stehen die Holzernte und die Pflege des Waldes im Vordergrund. Zudem dient er als Freizeit- und Erholungsgebiet.

Vieles aus früheren Zeiten haben die bereits verstorbenen Heimatforscher Karl Michel, Heinrich Hohmann und Gerhard Blum gesammelt, niedergeschrieben und schließlich in dem vom Magistrat der Stadt Hünfeld herausgegebenen Buch „Vier Dörfer – eine Heimat“ veröffentlicht. Der Heimat- und Geschichtsverein Michelsrombach mit seinem Vorsitzenden Karlheinz Becker und Kulturwart Karl Fey bewahrt die zusammengetragene Heimatgeschichte und vermittelt sie bei Wanderungen in der Umgebung des Buchfinkenlands.
Der Michelsrombacher Wald war über all die Jahre in stets wechselnder Gestalt landschaftsbestimmendes Element des Buchfinkenlands. In vorgeschichtlicher Zeit suchte der Mensch den Wald hauptsächlich als Jäger und Sammler auf, um zu überleben. Dieser war Niemandsland – belegt durch „Gemeinfreiheiten“. Erst als im Jahr 980 der Abtei Fulda der „Wildbann für den Bramvirst“ übertragen wurde, trat man der freien Gemeinnutzung entgegen. Es folgten Jahrhunderte der Auseinandersetzung zwischen Obrigkeit und Volk. Der Staat als heutiger Eigentümer des Waldes bestimmte nun über dessen Nutzung.
In 1806 und den folgenden Jahren fügten die französischen Machthaber den fuldischen Forsten noch einmal erhebliche Schäden durch Holzeinschlag zu. Um Brennholz einzusparen, gab es eine strenge Backordnung, so 1874 in Oberfeld und 1881 in Michelsrombach. Diese legte den Einwohnern auf, in möglichst großer Zahl die Hitze der jeweils angeheizten Öfen in den Gemeindebackhäusern zu nutzen.
Mit dem Beginn der Nutzung des Waldes als Rodungsreserve habe auch die Geschichte seiner vorwiegend bäuerlichen Nutzung durch die Anwohner begonnen, schreiben Blum, Hohmann und Michel. Jahrhunderte hindurch weideten nahezu alle Haustiere im Wald, dem seinerzeit auch Laub als Streu für das Vieh zuhause in den Ställen entnommen wurde. Zudem wurden Beeren (Heidelbeeren im großen Stil noch bis in die 70er Jahre) und andere Waldfrüchte gesammelt.
Wildbret, Brenn- und Bauholz lieferte der Wald immer. Hin und wieder bereicherten sich Wilddiebe beziehungsweise Haus- und Scheunenbauer auch unbefugt. Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts, als der Holzbedarf in den Städten, Bergwerken, Salinen, Glashütten und anderem Gewerbe stetig wuchs, verlangte die Nachfrage nach neueren Bewirtschaftungsformen wie Baumsaat, Nadelwald, Forstwirtschaft und Kahlschlag. Im Wald wurden Pflanzgärten angelegt, in denen man Baumpflanzen für spätere Pflanzungen zog. Jagdhäuser entstanden, unter anderem eines im „Morddellsgraben“, das 1846 abgerissen wurde.
Nach der Abschaffung des Lehenswesens und damit auch der Frondienste begann die Zeit der Waldarbeiter, Forstläufer, Hilfsförster, Pirschknechte sowie Forstwirte und -hüter. Generationen, besonders von Hüttnern, fanden ortsnah einen für sie und ihre Familien notwendigen Zu- und Haupterwerb. Holzhauer, zu damaliger Zeit technisch spärlich ausgerüstet, aber auch „Pflanzfrauen“, die auf Kahlschlägen neues Baumpflanzgut in den Waldboden einbrachten beziehungsweise Kulturen pflegten, hatten reichlich Arbeit. Sogenannte „Holzschleifer“ zogen die gefällten Baumstämme mit Pferden an die Wegeräder, von wo man sie unter anderem zu Sägewerken oder zur Güterverladung an Bahnhöfe abtransportierte. Auch Harz, Holzkohle, Wachs, Teer, Bast und Gerberlohe sowie Honig und Kienspan lieferte der Wald den Menschen.
Bis heute erkennt man im Michelsrombacher Wald Spuren von Köhlereien. Diese verblieben – ähnlich der Glashütten – nicht an einem festen Ort, sondern folgten dem schlagreifen Holz, um unnötige Transporte zu vermeiden. 1601 wird als Besitzer des Michelsrombacher Hauses M 76 (heute „An der Linde 7“) Simplicus Koch erwähnt. Dort fand sich auch der Name „Modo, der Köhler“, der das Anwesen später erwarb. Vom „schwarzen Mann“ – durch seine Tätigkeit schwarz im Gesicht vom Kohlerauch – spricht man heute noch. Die Straßenbezeichnung „Köhlersgraben“ in Michelsrombach erinnert ebenfalls an das uralte Handwerk der Köhler und den schwarz-grau aufsteigenden Rauch bei der Holzherstellung.