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Besonders Gemarkungen mit steilen Hanglagen gelten als benachteiligte Gebiete. Foto: Erich Plappert

Landwirte verlieren Fördergelder

am 01.02.2019

80 Gemarkungen gelten nicht mehr als benachteiligte Gebiete / Keine Ausgleichszulage mehr

FULDA (lai) . Viele Landwirte im Landkreis Fulda erhalten künftig keine Ausgleichszulage (AGZ) mehr. Diese finanzielle Unterstützung bekommen Landwirte, die Felder in benachteiligten Gebieten bewirtschaften – Felder, die weniger ertragreich sind. Durch Neuregelungen der EU fällt die Unterstützung für 80 Gemarkungen im Landkreis Fulda weg. Der Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Energie will sich nun für die betroffenen Landwirte einsetzen.

Dass viele Flächen im Kreis nicht mehr als benachteiligtes Gebiet gelten, können betroffene Landwirte nur schwer verstehen. So auch Landwirte in Tann-Neuswarts, die umringt sind von benachteiligten Gebieten: Schlitzenhausen, Günthers, Tann und Habel erhalten weiterhin die Ausgleichszulage, Neuswarts als einzige Gemarkung nicht.
Bis einschließlich 2018 erfolgte die Abgrenzung der Fördergebiete auf Gemarkungsebene nach der Landwirtschaftlichen Vergleichszahl (LVZ), die unter anderem die Bodenqualität, Bodenbeschaffenheit und klimatische Bedingungen berücksichtigte. Ab 2018 wird eine Neuabgrenzung auf der Grundlage von EU-einheitlichen biophysikalischen Kriterien angewendet. „In der Vergangenheit wurden EU-weit mehr als 100 verschiedene Abgrenzungssysteme angewandt. Dies hat der Europäische Rechnungshof kritisiert und nun ein EU-weit einheitliches System gefordert“, erklärt Martin Sudbrock, Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft. „Da sich die neuen Kriterien von der LVZ in einigen Punkten unterscheiden und die Gewichtung innerhalb der Kriterien eine andere ist, sind Landwirte aus dem Landkreis Fulda besonders betroffen. Der Kreis galt bisher zu 85 Prozent als benachteiligtes Gebiet. Nun sind nur noch 48 Prozent der 222 Gemarkungen als benachteiligte Gebiete ausgewiesen. Das ist mit erheblichen finanziellen Einbußen der Landwirte verbunden.“
Die biophysikalischen Kriterien für die neue Abgrenzung von benachteiligten Gebieten umfassen niedrige Temperaturen, Trockenheit, übermäßige Bodenfeuchtigkeit, Wasserführung des Bodens, Steinigkeit, Durchwurzelungstiefe, chemische Eigenschaften des Bodens und eine steile Hanglage. Wenn mindestens 60 Prozent der Gemarkungsfläche die biophysikalischen Kriterien in Summe erfüllen, gelten sie in der ersten Abgrenzungsstufe als benachteiligtes Gebiet. So ist in Neuswarts beispielsweise das Kriterium „Niedrige Temperatur“ in einem geringeren Teil der Gemarkung erfüllt als in den angrenzenden Gemarkungen, was ein Grund für den zukünftigen Wegfall der AGZ ist. In einer weiteren Abgrenzungsstufe – neben den biophysikalischen Kriterien – könnten vom Land Hessen noch ausgewählte, spezifische Kriterien berücksichtigt werden. Das Land hat bereits 23 Kriterien und Kombinationen möglicher Kriterien getestet. Jedoch hat keines das Potential, zusätzliche Gemarkungen in die Kulisse der benachteiligten Gebiete aufnehmen zu können, ohne dass Gemarkungen, die auch vor der Änderung kein benachteiligtes Gebiet waren, hineinfallen. Daher bleibt zunächst diese Möglichkeit, weitere Gemarkungen als „aus spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete“ auszuweisen, in Hessen ungenutzt.
Die Ausgleichszulage wird zu 50 Prozent durch Mittel der EU finanziert, die von Bund (30 Prozent) und Land (20 Prozent) aufgestockt werden. Die Fördergelder bei den 80 betroffenen Gemarkungen, die künftig keine AGZ mehr erhalten, sollen langsam auslaufen. 2019 werden betroffene Landwirte zwischen 25 und 49 Euro pro Hektar erhalten, 2020 sind es 25 Euro. Ab 2021 fällt die AGZ komplett weg.
„Auch wenn der Landkreis an der Finanzierung nicht beteiligt ist, wollen wir den Landwirten aus der Region helfen“, erklärt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld, Dr. Hubert Beier. In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft und Energie wurde am vergangenen Dienstag einstimmig beschlossen, eine Resolution an das Land Hessen zu verfassen, in der weitere Kriterien zur Überprüfung genannt werden. „Unser Ziel ist nun, mit dem Land Hessen spezifische Bewertungskriterien hinzuzuziehen, um möglichst viele Gemarkungen als benachteiligtes Gebiet auszuweisen“, erklärt Sudbrock. Solche Kriterien könnten beispielsweise der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe, Schutzgebiete, oder Dürreanfälligkeit sein. Nach einer Einigung mit dem Land Hessen müssten diese spezifischen Kriterien dann von der EU-Kommission abgesegnet werden. „Wir wollen so viele Gemarkungen wie möglich retten“, betont Beier.

Info

Die Ausgleichzulage für benachteiligte Gebiete (AGZ) ist ein Förderinstrument der Europäischen Union mit dem Ziel, in benachteiligten Gebieten eine weitgehend flächendeckende Landwirtschaft zu erhalten. Meist handelt es sich bei benachteiligten Gebieten um Grenzertragsstandorte, die durch erschwerte Produktionsbedingungen gekennzeichnet sind.