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Wer am Klasmarkt nicht selbst zu Schere und Kleber greifen möchte, kann aus dem Weihnachtsschmuck auswählen, den die Frauen unter Leitung von Brigitte Pongs (2.v.r.) und Gemeinwesen-Koordinatorin Linda Kalb-Müller (6.v.l.) bereits gebastelt haben. Foto: S. Limpert

Geschenke und mehr Weihnachtliches

am 19.12.2018

AWO-Kreisverband Fulda unterstützt Integrationsprojekt Sprachcafé in Tann / Einladung am Klasmarkt

Tann (sli). Nur noch ein paar Tage bis Heilig Abend – und es fehlen noch Geschenke? Vielleicht können die Teilnehmerinnen des Integrationsprojekts Sprachcafé weiterhelfen: Sie haben an einem Vormittag in der Adventszeit fleißig Weihnachtskarten, Papier-sterne, große rote Schleifen und Lichterschmuck gebastelt, um diese Werke am Tanner Klasmarkt als „Last-Minute-Geschenke“ gegen eine Spende anzubieten.

Zweimal in der Woche treffen sich Ehrenamtliche und Flüchtlingsfrauen im Tanner Sprachcafé zum Deutsch lernen: An einem Tag wird gewissenhaft gepaukt, am anderen Tag basteln, backen oder kochen  deutsche und ausländische, zumeist syrische Frauen gemeinsam. Denn auch durch praktisches Miteinander lässt sich Sprache lernen.
Gemeinwesen-Koordinatorin Linda Kalb-Müller serviert Kaffee und Tee, Umama hat Plätzchen nach syrischem Rezept mitgebracht. Das mit Nüssen und Rosinen gefüllte Gebäck passt hervorragend in die deutsche Weihnachtszeit, zu der die Zugewanderten keinen religiösen oder traditionellen Bezug besitzen. „Aber wir finden schön, dass unsere Kinder das Fest im Kindergarten und in der Schule kennenlernen“, sagen Umama und Leila. Leila blickt dem Weihnachtsfest in diesem Jahr besonders erwartungsvoll entgegen: Es ist der Entbindungstermin für ihr drittes Kind.
Insgesamt würden etwa 15 Frauen das Angebot wahrnehmen, allerdings in wechselnder Besetzung, sodass meist fünf oder sechs Frauen anwesend seien, erklärt Kalb-Müller. Umama schaut täglich im Familienzentrum vorbei. Sie  lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern im Alter zwischen vier und acht Jahren in einer Wohnung oberhalb der AWO-Räume. Dagegen ist Samars Weg weiter: Sie wohnt in der zwei Kilometer außerhalb gelegenen Gemeinschaftsunterkunft am Dietgeshof. Heute ist sie von einer Ehrenamtlichen aus Dorndorf abgeholt worden. Auf die Frage, warum sie den Aufwand der über 30 Kilometer weiten Fahrt von Thüringen nach Tann auf sich nehme, antwortet die grauhaarige Dame: „Ich habe im Christenkreis gehört, dass hier Helfer benötigt werden.“
Seit Juni 2017 unterhält der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Fulda (AWO) die Begegnungsstätte in Tann. Das  vom Land Hessen initiierte Modellprojekt „Gemeinwesen-Koordination im ländlichen Raum“ soll die ehrenamtlichen Integrationshelfer unterstützen. Linda Kalb-Müller arbeitet eng mit dem Treffpunkt Aktiv sowie dem Fachdienst Zuwanderung des Landkreises zusammen. Zudem ist der Standort Tann als Familienzentrum anerkannt. 
Das Sprachcafé existiert bereits länger als die Gemeinwesen-Koordination im Ulstertal. „Aber seit dem Einstieg der AWO ist unsere Hilfe sehr viel effektiver geworden“, unterstreicht Brigitte Pongs, die mit einem halben Dutzend weiterer Frauen in Tann von Anfang an in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Vor vier Jahren begannen sie mit einfachem Sprachunterricht für Flüchtlingsfrauen in der Unterkunft „Zur Linde“. „Schwierig wurde es, als immer mehr Familien in Wohnungen zogen und aus der Sozialbetreuung der Heime herausfielen“, berichtet Pongs. Deshalb sei es wichtig, die AWO-Räumlichkeiten als feste Anlauf-stelle zur Verfügung zu haben.
Nach wie vor liegt die Gestaltung des Sprachunterrichts in den Händen der Ehrenamtlichen, während der AWO-Kreisverband sich um die Infrastruktur kümmert. Dazu gehört bei Bedarf auch eine Kinderbetreuung, damit die Mütter ungestört lernen können.
Anlässlich des Klasmarkts am kommenden Donnerstag lädt der AWO-Kreisverband von 14 bis 17 Uhr zum Basteln ins Familienzentrum ein. Auch die Frauen des Sprachcafés werden anwesend sein, zum einen, um ihre schon fertigen Basteleien anzubieten, vor allem aber,  um „noch mehr Ehrenamtliche für unsere Arbeit zu begeistern“, so Pongs. Denn es würden dringend Paten zur Unterstützung einzelner Familien benötigt. „Man bekommt so viel zurück“, sagt sie – und meint damit vermutlich nicht die Geschenke, die sie heute noch von Menschen erhält, denen sie in ihrer Anfangszeit in Deutschland zur Seite stand.