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Dr. Jürgen Klotz, Tanja Eifert, Professor Dr. Tobias Neumann-Haefelin, Heike Fürth, Helga Kubiak, ein Mitglied der Selbsthilfegruppe, Professor Dr. Clemens Greim, Manfred Möller, Jürgen Steting und Dr. Heiko Wingenfeld brachten bei der Veranstaltung ihre Ideen ein. Foto: D. Heydenreich

Im Schneckentempo auf der langen Geraden

am 01.06.2015

Konzertierte Aktion zum Welt-MS-Tag schafft mehr Bewusstsein für unheilbare Krankheit

FULDA (hey). „Du sitzt ja schließlich noch nicht im Rollstuhl, also muss es dir doch gut gehen!“ Besser, Sie vergessen diese Formulierung wieder, wenn Sie mit einem MS-Kranken in Kontakt treten möchten. Denn erstens lässt die Abwesenheit eines Rollstuhls keinen Rückschluss auf sein Allgemeinbefinden zu und zweitens bedeutet Multiple Sklerose nicht zwangsläufig Rollstuhl.

Welche Symptome bei MS vorkommen, wie die Krankheit diagnostiziert wird, welche Verläufe sie annehmen kann, welche Therapieoptionen zur Verfügung stehen und wie Betroffene ihr Leben mit der Erkrankung gestalten können – darüber wurde am 27. Mai, dem Welt-MS-Tag, am Klinikum Fulda informiert. Der Maximalversorger war am Mittwoch Plattform für eine konzertierte Aktion, die erstmalig vom Gesundheitsamt des Landkreises, vier regionalen Selbsthilfegruppen und dem Klinikum gemeinsam auf den Weg gebracht wurde.
Schon am Dienstagabend hatten Professor Dr. Tobias Neumann-Haefelin, Direktor der Klinik für Neurologie, und Oberarzt Dr. Jürgen Klotz in einer Vortragsveranstaltung die wichtigsten medizinischen Fakten rund um die Multiple Sklerose präsentiert. Etwa 100 Betroffene und deren Angehörige verfolgten im Hörsaal des Klinikums die Ausführungen der Fachärzte, die neben aktuellen Zahlen und Studienergebnissen auch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten skizzierten.
Nach Aussagen der Mediziner ist die Autoimmunerkrankung, die häufig als „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ bezeichnet wird, kein Mysterium. Doch aufgrund der unklaren Ursache, der Vielzahl der Symptome, der nicht vorhersagbaren Verläufe und der Tatsache, dass MS – nach dem heutigen Stand der Wissenschaft – nicht heilbar ist, sei sie für Betroffene, Angehörige und Außenstehende nicht immer leicht zu verstehen.
Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen, Schwindel, Zittern, Gang-unsicherheiten, Blasenentleerungsstörungen, sexuelle Störungen, Müdigkeit – das sind nur einige Auswirkungen der entzündlichen Prozesse, die an den Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark ablaufen; die zu einer Zerstörung wichtiger Nervenstrukturen und in der Konsequenz zu einer deutlich verminderten Reizleitung führen. Zum Vergleich: Im gesunden Zustand sind die Impulse auf der langen Geraden der Nervenautobahn mit 400 km/h unterwegs. Bei Multipler Sklerose wird aus dem „Sportwagen“ eine Schnecke, die mit 4 km/h ins „Rennen“ geht.
Die MS-Therapie besteht nach Angaben der Mediziner aus Medikamenten, die symptomatisch bei Schüben eingesetzt werden, und aus Präparaten, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Wichtig sei ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn, ergänzt durch eine von Zuversicht geprägte Einstellung des Patienten sowie ein unterstützendes Umfeld.
Wie wichtig das Zusammenspiel dieser Komponenten ist, wurde auch im Gespräch mit den Mitgliedern der Selbsthilfegruppen sowie bei der Lesung der Autorin Heike Führ deutlich. Die Pädagogin lebt seit 21 Jahren mit der Multiplen Sklerose und hat nicht nur eigene Erfahrungen, sondern auch wertvolle Tipps für Patienten und Angehörige in ihren Werken niedergeschrieben.
Dass der Erfahrungsaustausch zwischen Behandelnden und Betroffenen ebenso wichtig sei wie die Information der Öffentlichkeit, betonten Gesundheitsdezernent Dr. Heiko Wingenfeld und Professor Dr. Clemens Greim, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin. Der Welt-MS-Tag, der in diesem Jahr zum 7. Mal stattfand, biete eine gute Möglichkeit, das Bewusstsein für diese Erkrankung weiter zu schärfen.