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Familiäres Ambiente: Im Kinder- und Jugendheim „Haus Petra“ in Schlüchtern wird Geborgenheit groß geschrieben. Foto: M. Auth

Persönliche Entwicklung wird gefördert

am 30.03.2015

„Projekt Petra“ aus Schlüchtern bietet Jugendhilfe im Heim und in Tagesgruppen

SCHLÜCHTERN/LANDKREIS FULDA (mau). Klare Strukturen sind sowohl im Alltag als auch in der Erziehung wichtig. Wenn in Schule und Familie Probleme auftreten, kann das „Projekt Petra“ Kindern und Jugendlichen helfen.

Idyllisch liegt der Komplex des Kinder- und Jugendheims „Haus Petra“ auf einer Anhöhe am Waldrand südöstlich von Schlüchtern. Seit 1976 werden hier Kinder und Jugendliche betreut. Junge Menschen von acht bis 16 Jahren, die mit komplexen Störungsbildern und Problemen belastet sind und eine intensive vollstationäre pädagogische Betreuung benötigen, können Aufnahme finden. Im Haus steht ein interdisziplinäres Team aus 14 Mitarbeitern vom Diplom-Psychologen über Sozialpädagogen und Erzieher bis zu Lehrern bereit. „Die Probleme, mit denen Kinder und Jugendliche zu uns kommen, sind vielfältig: Manchmal sind die Eltern mit der Erziehung überfordert, in anderen Fällen verhindert ein Aufmerksamkeitsdefizit die konzentrierte Mitarbeit im Unterricht“, erklärt Geschäftsführerin Sarah Goldbach. Ziel des Aufenthalts im Heim ist stets, die Kinder und Jugendlichen in die Familie zurückzuführen.
Momentan sind es vier Jugendhilfeplätze, die vom Jugendamt des Landkreises Fulda im „Haus Petra“ in Schlüchtern belegt werden. Zusätzlich betreibt das „Projekt Petra“ teilstationäre pädagogische Einrichtungen unter anderem in Fulda, Neuhof, Künzell und Hosenfeld. Die „Pan“-Abteilung in der Fuldaer Rabanusstraße etwa ist ein Jugendhilfeangebot, das sich an Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren, junge Volljährige und ihre Familien richtet. Der Anlass der Hilfe besteht zumeist in erheblichen sozialen Auffälligkeiten, insbesondere im schulischen und familiären Zusammenhang. Vorhandene Ressourcen sollen aktiviert, berufliche Perspektiven aufgezeigt werden. Für den erfolgreichen Verlauf ist auch hier das familiäre Umfeld von Bedeutung.
Im Kinder- und Jugendheim „Haus Petra“ in Schlüchtern wird diese familiäre Geborgenheit und Lebensqualität groß geschrieben: Das ästhetisch ansprechende Wohnambiente soll zur Identifikation einladen, vielfältige Freizeitaktivitäten schaffen positive Erfahrungen im Handeln und Erleben: „Manche Störungen haben sich so ausgewachsen, dass die Hilfe tiefer gehen muss“, führt Sarah Goldbach aus. Im Gegensatz zu den teilstationären Einrichtungen wird in der Vollzeitbetreuung ein engmaschiges Netz von Aktivitäten geboten. Psychologen nehmen an den Tagesaktivitäten teil, lernen die Kinder besser kennen, die so schnell in die vorgegebenen Strukturen hineinwachsen: Nach dem obligatorischen Probewohnen von mindestens drei Tagen werden die Regeln schnell internalisiert – 22 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren wohnen in einer großen Gruppe. Kreative Angebote reichen vom Werken über Fußball und Tennis bis zur Musikgruppe. „Vereinsmitgliedschaften vor Ort, ob freiwillige Feuerwehr oder Rotes Kreuz, verbessern die Integration in die Klassengemeinschaft“, betont Goldbach. Das Schulangebot in Schlüchtern reicht von Grund- bis Berufsschule, die Jugendlichen bleiben im Schnitt drei bis vier Jahre im Heim und gehen vor Ort zur Schule.
Gutes Zusammenleben
Um das Zusammenleben in der Familie des Betreuten zu verbessern, werden die Leistungen früher oder später ausgeschlichen: Heimbewohner dürfen am Wochenende nach Hause, in teilstationären Einrichtungen wird nach der Intensivphase mit Hilfe an vier bis fünf Tagen die Intensität der Förderung reduziert. Im Elterngespräch wird alle vier Wochen ein Feedback eingeholt: „Das sind Familienkonferenzen, durch die vor allem die Kommunikation innerhalb der Familie verbessert wird“, erklärt Goldbach. Mit der Volljährigkeit endet die Betreuung im Normalfall, die „Hilfe für junge Volljährige“ erlaubt eine Verlängerung.