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Bastian Sauer (r.) präsentiert zusammen mit Torsten Raab, Leiter der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, den Charaktervogel der Rhön. Foto: S. Limpert

Gerüstet für Balz- und Brutzeit

am 16.03.2015

Rotmilan-Projekt hat eigenen Koordinator / Bestand wird jetzt erfasst

FULDA/WASSERKUPPE (sli). Viel Zeit für die Einarbeitung blieb Bastian Sauer nicht:  Am ersten März trat der Biologe in der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön seine Stelle als neuer Rotmilan-Koordinator an. Am Donnerstagabend hatte er gemeinsam mit Martin Kremer, dem Geschäftsführer des Vereins Natur und Lebensraum Rhön, im Umweltzentrum Fulda zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung eingeladen.

Ziel war es, ehrenamtliche Helfer für die Erfassung des Rotmilan-Bestands zu gewinnen. Denn in diesem Monat beginnen die Greifvögel mit Balz und Horst-Bau, nachdem sie im Februar aus ihren Winterquartieren in Südeuropa zurückgekehrt sind. Er habe mittlerweile einige seiner „Schützlinge“ erspäht, erzählt Sauer, und zwar in der Nähe seines Arbeitsplatzes auf der Wasserkuppe.
Der 34-Jährige, der aus Großkrotzenburg stammt, ist mit seinem Aufgabengebiet sehr gut vertraut. Als Student im Studiengang biologische Diversität und Ökologie an der Universität Göttingen hatte er am dortigen Rotmilan-Projekt mitgewirkt. Bei diesem war es darum gegangen, Ursachen für den Rückgang der Population im Landkreis Göttingen herauszufinden. Er selbst hatte untersucht, welche Bedeutung dabei der Landschaft bei der Nahrungssuche des Rotmilans zukommt. Aus den Ergebnissen des Projekts seien wichtige Erkenntnisse gewonnen und konkrete Schutzmaßnahmen für den europäischen Greifvogel hergeleitet worden. Das „Artenhilfsprojekt Rotmilan in der Rhön“ sei eines von bundesweit zwölf, das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert werde. Rund 700 000 Euro steuert das BfN dazu bei; weitere 200 000 Euro finanzieren die fünf in der ARGE Rhön zusammengeschlossenen Landkreise, die unter der Federführung des Landkreises Fulda für die Umsetzung des Projekts zuständig sind.
„Ich stehe nach wie vor in gutem Kontakt zu den Göttinger Akteuren und möchte mich auch mit den anderen Projekten austauschen“, berichtet Bastian Sauer. In seiner Masterarbeit konnte er unter anderem bekräftigen, wie wichtig das Grünland für die Futtersuche des Rotmilans ist. Der Erhalt der artenreichen Bergwiesen findet sich auch im aktuellen Entwicklungskonzept für die Rhön als eines der Leuchtturmprojekte für die Region wieder. Deshalb visiert Sauer eine interne Vernetzung mit den Akteuren des Berggrünlandprojekts an. Wichtige Partner dafür werden die Landwirte sein. Doch zunächst legt Bastian Sauer den Fokus auf die flächendeckende Erfassung des Rotmilan-Bestandes.
Während das Vogelschutzgebiet im östlichen Teil des Landkreises bereits kartiert wird, werden nach Sauers Schätzung etwa 20 Helfer für den restlichen Kreis benötigt. Mit der Resonanz bei der Auftaktveranstaltung im Umweltzentrum in Fulda ist er sehr zufrieden. „Wir hatten volles Haus und viele Besucher haben Karten- und Infomaterial mit nach Hause genommen.“ Jede zu kartierende Fläche ist etwa 30 Quadratkilometer groß. Ab diesem Sonntag werden die Kartierungsarbeiten in den noch fehlenden Gebieten des Landkreis Fulda beginnen.
„Es ist faszinierend, den majestätischen Vogel im Gleitflug zu beobachten, vor allem, wenn er während der Balz elegante Schleifen zieht“, schwärmt der Biologe und hofft, dass die Interessierten von der Tierart ebenso eingenommen werden wie er. Dann könnte das Vorhaben – wie andere erfolgreiche Projekte im BRR – dank ehrenamtlichem Einsatz auf Dauer zum Selbstläufer werden. Denn die Stelle des Rotmilan-Koordinators ist bis zunächst 2018 befristet.