Hünfeld | Alina Kratofil ist neue Forstrevierleiterin in Hünfeld

Frauen im Forst

HÜNFELD. Sie ist eine von denjenigen, die den Wald vor lauter Bäumen trotzdem noch sehen. Und dabei ein ungutes Gefühl haben:Alina Kratofil ist die neue Leiterin des Forstreviers Hünfeld und sorgt sich um den Wald.

Von Sabine Burkardt

„Der Wald ist gebeutelt“, sagt Alina Kratofil, wenn sie mit Kennerblick ihre täglichen Runden durch die hiesigen Wälder streift. Die 27-Jährige hat die Leitung des Hünfelder Reviers von ihrem Vorgänger Rainer Maus übernommen und hat gerade im Herbst und Winter alle Hände voll zu tun. Vor kurzem hat sie die Bestände mit Markierspray gekennzeichnet, das heißt also alle Bäume, die gefällt und verkauft werden sollen. Gerade im Stallberg seien viele alte Baumbestände abgestorben. Wie hoch die Waldschäden tatsächlich sind, könne man erst im kommenden Jahr sehen. Fakt ist jedoch: Für den Wald brechen neue Zeiten an. „Für einen stabilen Wald in der Zukunft braucht es eine gute Mischung an Baumarten. Wir sind dran am Waldumbau, und dieser Neustart funktioniert bisher schon sehr gut“, berichtet die Waldexpertin. Für die neue Försterin ist der Job im Wald inzwischen ein Traumjob. Das war aber nicht immer so, denn die gebürtige Kronacherin hatte zunächst ein kaufmännisches Praktikum absolviert. Schnell hatte sie jedoch für sich festgestellt:Den ganzen Tag im Büro zu sitzen geht gar nicht. Auf der Suche nach einem Job, der sowohl die Arbeit im Büro als auch Tätigkeiten an der frischen Luft bietet, wurde sie auf den Beruf der Försterin aufmerksam und landete schließlich nach mehreren Vorpraktika an der Fachhochschule in Erfurt. Nach dem Anerkennungsjahr bei HessenForst und dem Anwärterjahr im Forstamt Schlüchtern war sie im Forstamt Wettenberg unter anderem für den Holzverkauf und die Wertholzsubmission zuständig. Wertvolles Rohholz wird dabei an den meistbietenden Käufer veräußert. „Kriterien für denWert des Rohholzes sind ein Durchmesser ab 70 Zentimeter, eine schöne Holzfarbe und gleichmäßige Jahresringe. In der Region hat vor allem der Dammersbacher Wald viele schöne Eichen im Bestand“, erklärt Kratofil. Und genau die Eiche ist auch der Lieblingsbaum der Försterin. „Eine schöne hohe Eiche beeindruckt mich und lässt einen als Mensch ganz klein erscheinen“.
Überhaupt fühlt sie sich im Wald pudelwohl, und das bei jedem Wetter. Auch jetzt im Winter, wenn das Thermometer nicht mehr als minus zehn Grad anzeigt, setzt sich die Försterin morgens um sieben Uhr in den Hochsitz. „Im Winter ist es besonders schön im Wald. Es ist ganz still, und man kann sehr gut die Fährten der Waldtiere im Schnee erkennen. Heute morgen waren offenbar schon Wildschweine, Rehe und viele Füchse hier unterwegs“, erzählt die Försterin, die auch einen Jagdschein besitzt.
Rund einDrittel verbringt Alina Kratofil trotzdem noch an ihrem Schreibtisch im Forstamt in Burghaun. „Der Beruf des Försters wird immer digitaler“, so Kratofil. Und darüber hinaus ist der Beruf keineswegs mehr eine Männerdomäne. Immer mehr Frauen interessieren sich für ein Studium der Forstwirtschaft- oder -Wissenschaft und wollen so die Zukunft der Wälder mitgestalten. „Der Beruf der Försterin hat wenig mit körperlich schwerer Arbeit zu tun. Man sollte zwar fit sein, aber als Forstrevierleitung braucht man kein Kraftpaket zu sein“, erklärt Kratofil, die in ihrer Freizeit gerne mal das Fitnessstudio besucht.
Spannend an ihrer Arbeit findet sie es, die verschiedenen Interessen aller am Wald Beteiligten in den Einklang zu bringen: Seien es die Interessen der Holznutzer, der Naturschützer oder die Erholungssuchenden, eine Vermittlung sei manches Mal eine Herausforderung. Der Umgang mit Waldbesuchern sei sogar Teil der Ausbildung. An die Waldbesucher richtet sie dabei eine Bitte:„Es wäre schön, wenn jeder seinen Müll mit nach Hause nehmen würde. Und beim Spazierengehen immer auf den Wegen bleiben und vor allem Absperrungen beachten. Bei Waldarbeiten, gerade jetzt im Herbst und Winter, kann es ganz schnell lebensgefährlich werden“.