Region | Hessens neuntgrößte Stadt im Fußballfieber – Innenminister Peter Beuth übergibt Förderbescheid in Höhe von einer Million Euro

Sportminister Peter Beuth: „Stadion Johannisau wird fit für die Zukunft“

Seit dem Last-Minute-Aufstieg von Barockstadt Fulda in die Regionalliga Südwest und dem bisher souveränen Auftreten der Elf von Trainer Sedat Gören ist Hessens neuntgrößte Stadt wieder so richtig im Fußballfieber. Was den Verein, die Fans, aber auch die gesamte Region elektrisieren dürfte, ist die Aussicht, schon bald über ein Stadion mit einer Kapazität von 10.000 Plätzen zu verfügen, das uneingeschränkt die Anforderungen der Regionalliga erfüllt.

Von Mirko Luis

Vor allem bei älteren Fans dürften Erinnerungen an das Jahr 1998 geweckt werden, als seinerzeit noch der SC Borussia Fulda im Sportpark Johannisau das Stadion der Stadt Fulda bis auf den letzten Platz füllte (bis zu 26.000 Zuschauer passten einst in das Stadion der Stadt Fulda) und sogar ans Tor zur 2. Bundesliga klopfte. Soweit ist es knapp ein Vierteljahrhundert später zwar noch nicht. Doch wie heißt es so schön: Der Ball ist rund und nahezu alles ist möglich, so denn die Rahmenbedingungen stimmen.

So traurig es auch war, dass der ursprünglich für 2021 geplante Hessentag in Fulda der Corona-Pandemie zum Opfer fiel, umso glücklicher ist die Stadt über den finanziellen Trost. So unterstützt das Land Hessen das Stadion-Projekt unter anderem mit Mitteln für „Leuchtturmprojekte“ des (ausgefallenen) Hessentags 2021. Peter Beuth (CDU), Hessischer Minister des Innern und für Sport, übergab heute einen Förderbescheid in Höhe voneiner Million Euro an Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU).

Der Übergabe des Zuwendungsbescheides wohnten neben dem Bürgermeister und Sportderzenent der Stadt Fulda, Dag Wehner (CDU), Dr. Albert Post (Vorsitzender des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport) und Magistrats-Mitglied Lothar Plappert die die Landtagsabgeordneten Thomas Hering (CDU), Sebastian Müller (CDU) und Silvia Brünnel (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Vertreter der SG Barockstadt Fulda, der Leichtathletik Gemeinschaft (LG) Fulda und Mitarbeiter des Gebäudemanagements der Stadt Fulda bei. Von der LG Fulda waren 1. Vorsitzender Bernd Jiptner und die 2. Vorsitzende Diana Kaase gekommen.

Auch für die zwei Geburtstagskinder unter den Anwesenden ein schönes Geschenk

OB Dr. Heiko Wingenfeld versäumte nicht, den zwei Geburtstagskindern unter den Anwesenden – Frank Volmer (Amtsleiter Gebäudemanagement) und Tobias Wehner (Gebäudemanagement der Stadt Fulda) – zu gratulieren. Beide seien mit dem Team des Gebäudemanagements „höchst engagiert“ an dieser Großbaustelle unterwegs, sodass die Übergabe des Zuwendungsbescheides für beide ein schönes Geburtstagsgeschenk sei.

Entwicklung der SG Barockstadt Fulda „phänomenal“

Wingenfeld lobte bei seinen Begrüßungsworten die Entwicklung der SG Barockstadt, diese sei „phänomenal“. Ebenso bemerkenswert sei die Zahl von durchschnittlich über 2.000 Zuschauern bei Heimspielen. Wingenfeld erinnerte daran, dass das Stadion nicht nur ein Fußballstadion, sondern zentrale Sportstätte für die Leichtathletik und den Schulsport sei. So gebe es unter den Anwesenden wohl kaum jemand, der mit dem Stadion nicht Erinnerungen an die Bundesjugendspiele verknüpfe. Allerdings sei diese zentrale Sportstätte bereits 1960 auf den Weg gebracht worden, sodass nach all diesen Jahrzehnten eine grundlegende Sanierung eine Notwendigkeit sei, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Wingenfeld zeigte sich dankbar dafür, dass sich das Land Hessen entschieden habe, die für den Hessentag 2021 zugesagte Förderung umzusetzen, obwohl dieser ins Wasser gefallen wäre, und für den Hessentag 2026 in Fulda eine weitere Förderung zu gewähren.

„Achtbahnige Arena heutzutage gar nicht mehr so oft anzutreffen“

Stadtbaurat Daniel Schreiner ging mit Blick auf den Nutzungszweck des Stadions mit OB Heiko Wingenfeld d’accord. „Eine achtbahnige Arena ist heutzutage gar nicht mehr so häufig anzutreffen – sind sehr stolz darauf und tun alles dafür, damit das neue Stadion mit Leben erfüllt wird“, meinte er. Wobei er verdeutlichte, „dass wir eine Menge Baumaßnahmen vor der Brust haben“. Diese reichten von der LED-Beleuchtung, die erneuert werden müsste, über die Erneurung der Beschallungsanlagen bis hin zur Schaffung von Barrierefreiheit. Spätestens mit Beginn des Ligajahres 2023/2024, so die Ankündigung Schreiners, wolle man mit den Baumaßnahmen fertig sein, um einen reibungslosen Ligabetrieb zu ermöglichen. Angesichts der weltweiten Krisen und der Lieferketten-Problematik sei es sicherlich eine schwierige Zeit zu bauen. „Umso wichtiger ist, dass die öffentliche Hand Kurs hält und wir vom Land Hessen Rückendeckung bekommen.“

Weitere Modernisierung für die gesamte Stadt von großer Bedeutung

„Die weitere Modernisierung des Stadions Johannisau ist für die gesamte Stadt von großer Bedeutung. Fulda als Sportstandort und die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz sowie die LG Fulda als Vereine werden durch den Neubau der Tribünen noch attraktiver. 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sollen künftig im barrierefreien Stadionrund Platz finden. Die größte Stadt in der Region Osthessen wird damit zum sportlichen Zentrum und das Stadion Johannisau fit für die Zukunft gemacht. Für das 2023 fertigzustellende Stadion wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute sowie tolle Sportevents mit vielen Gänsehausmomenten“, sagte Sportminister Peter Beuth bei der Übergabe.

„Ein quasi neugebautes Stadion“

Dr. Heiko Wingenfeld, Oberbürgermeister der Stadt Fulda, betonte die Bedeutung des Projekts für die Sportstadt Fulda: „Allein für den ersten Bauabschnitt nehmen wir insgesamt rund 17,5 Millionen Euro in die Hand. Da ist uns die Förderung durch das Land Hessen, die noch aus der sogenannten Leuchtturm-Förderung zum Hessentag 2021 resultiert, hochwillkommen.“ Im Grunde werde man am Ende kein saniertes, sondern ein quasi neugebautes Stadion in der Johannisau erleben können. „Wir freuen uns schon jetzt auf hochklassige Sportevents in Ballsportarten oder auch in der Leichtathletik sowie auf tolle Rahmenbedingungen für besondere Wettkämofe des Schulsports in Fulda.“ Zugleich werde durch die barrierefreie Erschließung das Stadion zu einem inklusiven Erlebnisort für alle sportbegeisterten Menschen in Osthessen, so Wingenfeld.

Beginn des Sanierungsprozesses schon 2016

Der Magistratspressestelle der Stadt Fulda zufolge wurde bereits im Jahr 2016 mit dem Sanierungsprozess des Stadions Johannisau begonnen. Der Stadioninnenraum mit Laufbahn, Weitsprunganlage und Rasenplatz einschließlich Beregnungsanlage wurde in diesem Zuge erneuert und saniert. Ende 2019 waren schließlich Planer mit der Erstellung eines Gesamtkonzepts beauftragt worden, damit die Anforderungen an die sogenannte Versammlungsstättenrichtlinie erfüllt und die Regionalligatauglichkeit entsprechend den DFB-Richtlinien erlangt werden können.Seit Anfang dieses Jahres – unter Beibehaltung der Tartanbahn – wird nunmehr das Stadion modernisiert und umgebaut. Bereits Anfang 2023, so der offizielle Fahrplan, soll der erste Bauabschnitt beendet sein und danach in den Umbauphasen zwei und drei die Sanierung der Haupt- und Gegentribüne erfolgen. Allein für den ersten Bauabschnitt, der im Moment läuft, sind 17,5 Millionen Euro kalkuliert. Er umfasste beziehungsweise umfasst den Abriss sowie die Neuerrichtung der Nord- und Südtribünen, die Herrichtung der Weg- und Platzflächen sowie die Errichtung der kompletten technischen Infrastruktur für Trinkwasser, Abwasser und Elektroanlagen sowie sicherheitstechnische Anlagen vor.

 

2500 Euro für Projekt „PingPongParkinson“

Am Rande des Termins überreichte Sportminister Peter Beuth Bürgermeister Dag Wehner zusätzlich einen Förderbescheid in Höhe von 2.500 Euro zur Unterstützung des Projekts „PingPongParkinson“. Hier wird in Kooperation mit der Tischtennisabteilung des Kultur- und Sportverein Niesig inklusives Tischtennis für Personen mit und ohne Parkinson sowie weitere Interessierte unabhängig vom Spielniveau der Personen angeboten. Die Förderung wird gewährt zur Unterstützung der Stadt Fulda als Host Town im Rahmen der Special Olympics Weltspiele 2023. Insgesamt 216 Host Towns nehmen an diesem größten Inklusionsprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik teil. Dessen Ziel ist die nachhaltige und gelebte Inklusion. Für die zahlreichen internationalen Sportlerinnen und Sportler mit geistiger und mehrfacher Behinderung bietet das Gastgeberkommunen-Programm somit die Gelegenheit, auch die Mitte Deutschlands besser kennenzulernen.

ÜBER DAS PROJEKT
Das Stadion der Stadt Fulda im Sportpark Johannisau mit Steh- und Sitztribüne sowie einem überdachten Tribünengebäude stammt aus den 60er Jahren und bedarf einer grundlegenden Sanierung, um den Erfordernissen an eine moderne Sportstätte gerecht zu werden.

Die desolaten Stehtribünen, welche die Nord- und Südkurve des Spielfeldes umfassten, bestanden nach Angaben der Stadt Fulda aus circa drei Meter hohen Wällen aus Bodenmaterialien, die mit Betonkantensteinen und Splitt-Oberflächen zu Stehtribünen angelegt wurden. Infolge von Setzungen und Absenkungen waren große Teile dieser Tribünen nicht mehr gebrauchstauglich und mussten erneuert werden. Aufgrund des setzungsempfindlichen Baugrundes war die Neuerrichtung der Tribünen als Stahlbeton-Fertigteil-Konstruktion auf Einzelfundamenten mit Pfahlgründungen bis in die tragfähigen Bodenschichten erforderlich. Die unterhalb der Tribünen entstehenden Flächen können für Technikräume, als Abstellflächen für Sportgeräte und für Material des Betriebshofes genutzt werden.

Die Neuerrichtung der elektrotechnischen Anlagen umfasst unter anderem eine Trafoanlage, Netzersatzanlage, Beschallungs- und Sprachalarmierungsanlagen, Gefahrenmeldeanlage, Energieversorgungspunkte im Umfeld des Stadions, Blitzschutz- und Erdungsanlagen, EDV-Netzwerk inklusive der dafür erforderlichen Leitungstrassen. Die Modernisierung der Flutlichtanlage mit energiesparender LED-Technik, die auch als Sicherheitsbeleuchtung genutzt werden soll, ist ebenfalls Bestandteil der Planung. In festgelegten Bereichen wird die Zaunanlage des Stadions erneuert. Außerdem werden die Gäste-Toiletten ausgebaut und ein Kassenhäuschen am Südosteingang errichtet. Das Stadiongelände sowie die Tribünen werden barrierefrei in Abstimmung mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Fulda ausgelegt. Die barrierefreie Erschließung der Tribünen für Rollstuhlfahrer erfolgt über Hubbühnen. Außerdem wurde ein Blindenleitsystem erarbeitet, ebenso elektronische Anlagen zur Unterstützung von hörgeschädigten Menschen.

In einem 2. Bauabschnitt soll demnächst noch das Tribünengebäude saniert und durch einen Funktionsbau erweitert werden, welches sowohl baukonstruktive als auch bauphysikalische Mängel aufweist.