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Am Hafen von Barbados stehen die Schiffe Schlange. Von hier aus werden die Passagiere nach Deutschland zurückgeflogen. Foto: Thilo Steska

Gestrandet auf Barbados

am 23.03.2020

Karibik-Kreuzfahrt abgebrochen: Thilo und Petra Steska durften nicht ins Paradies

PETERSBERG/BARBADOS. Rückholaktion aus dem Paradies: Aktuell werden tausende Deutsche mit Sonderflügen in ihre Heimat gebracht, die aufgrund der Corona-Krise auf den Philippinen, Malediven oder Barbados gestrandet sind. Darunter sind auch Urlauber aus unserer Region. Wir haben mit einem betroffenen Ehepaar gesprochen.

Ab ins Paradies! Als Thilo und Petra Steska aus Petersberg für dieses Jahr ihre 14-tägige Karibik-Kreuzfahrt gebucht hatten, war die Vorfreude riesig. Eine Reise zusammen mit ihren besten Freunden aus Fulda vom 13. bis 27. März auf „Mein Schiff 2“ von Tui Cruises. Und dazu eine traumhafte Route: Unter anderem die Dominikanische Republik, Martinique, Barbados und die ABC-Inseln, zwischendurch Seetage bei angenehmen 28 Grad. Besser geht es nicht.

Nur eine von zehn Inseln

Laut Reiseplan müsste ihnen jetzt gerade auf Dominica die Sonne auf den Bauch scheinen oder ein Cocktail am Strand schmecken. Doch die Urlauber sind seit vorgestern wieder zurück in der Heimat. Ihre Route wurde nach nur zwei Tagen auf See aufgrund der Corona-Krise abgebrochen und aus der Kreuzfahrt ins Glück wurde ein anstrengender Kurztrip.
Selbstverständlich hatte sich die Gruppe vor dem Start bei Reisebüro und Veranstalter informiert, ob ihr Traumurlaub überhaupt stattfinden kann. Immerhin wurden zu dem Zeitpunkt unzählige Kreuzfahrten abgesagt. Ihre Route wurde jedoch nicht gecancelt, und so ging es Freitag  vor einer Woche los. Mit dem Flieger in die Dominikanische Republik und von dort aus aufs Schiff. „Gleich am Samstag, unserem ersten Seetag, kam beim Frühstück eine Durchsage des Kapitäns, dass wir die erste Insel auf unserer Route, Martinique, nicht ansteuern können“, erzählt Petra Steska. Der Grund: Die Insel wurde für Touristen geschlossen – aus Sorge vor der Ausbreitung des Coronavirus. Zumal die Gesundheitssysteme auf solchen Inseln auf eine größere Zahl infizierter Patienten nicht vorbereitet sind.
„Viele Passagiere waren sehr enttäuscht, dass Martinique nun wegfällt, schließlich hatten einige auch Ausflüge gebucht“, erzählt die Petersbergerin. Aber es warteten ja noch neun weitere Inseln auf sie, und es ging direkt weiter zur zweiten Station: Barbados. Dort angekommen, wurden sie durch Lautsprecher informiert, dass nun auch alle anderen Inseln dicht gemacht haben und sie für ein paar Tage auf beziehungsweise vor Barbados bleiben und dann zurück nach Deutschland geflogen werden. „Das war natürlich ein Riesenschock“, erzählt Thilo Steska. Vor allem ärgert es ihn, dass es vom Veranstalter von Anfang an hieß, die Reise könne planmäßig stattfinden. „Obwohl die Corona-Situation vor Antritt noch gar nicht so schlimm war, hätten doch alle verstanden, wenn die Kreuzfahrt abgesagt worden wäre.“
Nun waren sie mit ihrem Schiff vor Barbados gestrandet – wie viele andere Passagiere und Kreuzfahrtschiffe ebenfalls. Denn Barbados ist eine der wenigen Inseln in der Karibik, die noch nicht geschlossen wurde. Vomdortigen Flughafen werden die Gäste in ihre Heimat geflogen, erklärt ein Tui-Sprecher. Allein 15 Sonderflüge realisierte die Lufthansa bis Mittwoch für etwa 3.000 bis 4.000 Reisende, die auf Barbados und in der Dominikanischen Republik festsitzen.
Bei einem Gespräch mit den Steskas via Skype am Dienstag liegt das Schiff am Hafen, von Bord dürfen die Gäste nicht. Es ist der sogenannte Techniktag. Neben „Mein Schiff 2“ liegen vier weitere Schiffe vor Barbados. Petra Steska erklärt das Procedere: „Die Schiffe dürfen hier maximal zwei Tage lang liegen und die Passagiere dann an Land. Dann müssen die Schiffe raus. Sie fahren im langsamen Tempo eine Runde um die Insel und legen am nächsten Tag wieder an. So geht das die ganze Zeit, Schiff für Schiff.“
Die Steskas machen mit ihren Freunden Thomas, Susanne, Michael und Brigitte  in den paar Tagen auf bzw. vor Barbados trotzdem das Beste daraus. Und wer Thilo, Petra und ihre Fuldaer Freunde kennt, kann sich vorstellen, wie viel Spaß sie hatten und dass ihnen  nicht langweilig wurde. „Zumal auf dem Schiff auch unheimlich viel geboten wird“, sagt Thilo Steska.
Urlaubsfeeling wollte sich trotzdem nicht so richtig einstellen. „Vom ersten Tag an war das einzige Thema an Bord, wie man mit der Situation umgeht. Ständig gab es neue Durchsagen zu den Routenänderungen, bis alles abgesagt wurde. Alle beschäftigte auch die Frage, ob wir einen Teil des Reisepreises erstattet bekommen.“ Schnell stand jedoch fest, dass die Reise zu 100 Prozent erstattet werde. Ohnehin loben sie die Kommunikation des Veranstalters.

Kein Fiebermessen

Auch die Hygienemaßnahmen waren vorbildlich. Bei 2.600 Passagieren aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien und Holland sowie 1.047 Angestellten aus knapp 50 Nationen ist das wichtig. „Überall auf dem Schiff wird man aufgefordert zum Händewaschen und desinfizieren und dabei  kontrolliert. Dafür wurden extra Waschbecken und Hygienespender aufgestellt. Selbst wenn man nur mal kurz vom Sonnendeck reingeht, einen Kaffee holt und wieder raus, bedeutet das gleich zwei Mal Hände waschen und desinfizieren.“ Bevor es an Bord ging, mussten alle Passagiere einen Gesundheitsbogen ausfüllen, andere Maßnahmen wie Fiebermessen, wovon man immer wieder liest, gab es nicht.
Am Mittwoch wurden die Urlauber aus Osthessen zurückgeflogen – so wie Tausende andere Deutsche, die aufgrund der Reisebeschränkungen in der Corona-Krise im Ausland festsitzen. Das Schiff wird nun ohne Passagiere zu den Kanaren schippern, wo im April die Saison weitergehen soll. 200 Mitarbeiter wurden von Barbados nach Hause geschickt. Die anderen reinigen das Schiff und dümpeln langsam in Richtung Gran Canaria.
Und würden die Steskas die Reise denn nachholen, um alle Inseln zu sehen? „Auf jeden Fall. Wir möchten unbedingt die Karibik erkunden. Dieses Jahr hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber nächstes Jahr holen wir die Reise nach“, betonen die Beiden.

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