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Der Fuldaer Stadtpfarrer und Dechant Stefan Buß selbst möchte in der Fastenzeit auf Alkohol verzichten und außerdem seine Zeit bewusster gestalten. Foto: Innenstadtpfarrei

Jetzt beginnt die Trau-Dich-Zeit

am 26.02.2020

Stadtpfarrer Stefan Buß über die christliche Tradition der 40-tägigen Fastenzeit

REGION. Heute, am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. 40 Tage lang, bis Gründonnerstag , 9. April, verzichten viele Menschen auf bestimmte Dinge. Was hinter diesem christlichen Brauch steckt, erklärt der Fuldaer Stadtpfarrer und Dechant Stefan Buß.

Warum wird überhaupt ab Aschermittwoch gefastet? Woher kommt diese Tradition?
Nach der langen Faschingszeit markiert der Aschermittwoch im westlichen Christentum den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit. Damit soll an die 40 Tage erinnert werden, in denen Jesus in der Wüste fastete und der anschließenden Versuchung durch den Teufel widerstand.

Wie macht sich der Beginn der Fastenzeit im Christentum bemerkbar?
Im katholischen Gottesdienst ist es am Aschermittwoch Brauch, die Asche zu segnen. Anschließend wird sie genutzt, um den Gläubigen ein Kreuz mit den Worten „Bedenke Mensch, dass du Staub bist, und zum Staub zurückkehrst“ (1. Mose 3, 19) oder „Kehr um und glaub an das Evangelium“ (Mk 1, 15b) auf die Stirn zu zeichnen. Das Ritual soll an die Vergänglichkeit erinnern. Es wird in Form eines Kreuzes aufgelegt, was wiederum auf die Erlösung durch Jesu Tod hinweist.

Auf was soll gefastet werden und wie?
Grund des Fastens ist das Neu-innerlich-sensibel-werden und Offen-werden, den Mitmenschen und Gott im Leben neu wahrzunehmen und sich für die Begegnung zu öffnen. Das Fasten kann durch bewussten Verzicht auf Speisen, beispielsweise auf Fleisch, oder Verzicht auf Alkohol geübt werden. Aber auch das Verändern von festgefahrenen Abläufen und Ritualen, der bewusste Verzicht auf Fernsehkonsum, PC und andere Dinge, um mehr Zeit für andere Menschen und Gott zu haben, können sinnvoll sein.

Was ist für Sie ein Fastenopfer?
Ein Fastenopfer ist ein geistlich-religiös motivierter freiwilliger Verzicht: Jeder Mensch kann für sich selbst sinnvolle Verzichte festlegen.

Worin besteht der Sinn des Verzichtens auf etwas Bestimmtes?
Laut Bibel hilft der Verzicht dabei, sich auf das geistliche Leben und damit auf Gott zu besinnen. Das Wort Fasten ist eng verbunden mit dem englischen Wort „Fasten“. „Fasten seat belts!“ steht beispielsweise über den Sitzen im Flugzeug – in der Fastenzeit will man sich also neu „festmachen“ in Gott.

Wer sollte fasten?
Vom kirchlichen Fastengebot sind Kinder, Kranke und alte Menschen ausgenommen. Jedoch auf Dinge zu verzichten, um neu sensibel für Gott und die Menschen zu werden, ist Aufgabe jedes Christen und beschränkt sich nicht nur auf den Verzicht auf Speisen.

Fastet man auch sonntags?
Der Sonntag ist kein Fasttag. Von Aschermittwoch bis Ostern sind es 47 Tage. Zieht man die sieben Sonntage ab, kommt man auf genau 40 Tage.

Warum zählt der Sonntag nicht zur Fastenzeit?
Der Sonntag ist immer der Tag des Herrn und erinnert an die Auferstehung Jesu in jedem Gottesdienst sonntags. Daher ist er ein österlicher Tag und kein Fasttag.

Haben Sie Tipps, wie das Fasten am besten gelingt?
Die Fastenzeit heißt auch österliche Bußzeit. Eine österliche Zeit ist immer auf Ostern ausgerichtet und damit keine dunkle Zeit, sondern geprägt von österlicher Freude. In der Fastenzeit geht es nicht um weniger, sondern um mehr – um mehr Phantasie, mehr Lebensfreude, mehr Zeit für Gott, den Nächsten und sich selbst. Fastenzeit ist Trau-dich-Zeit, wie es einmal jemand ausgedrückt hat. Eine Übungszeit, die helfen will, kleine Schritte auszuprobieren hin auf ein anderes Leben.

Und zum Schluss noch die Frage: Worauf verzichten Sie?
Traditionell versuche ich, in der Fastenzeit auf Alkohol zu verzichten, aber auch meine Zeit bewusster zu gestalten, um damit Zeit zu gewinnen für andere Menschen. Genügend Zeit zu haben, um einen Besuch zu machen und auch für das persönliche Gespräch und um hinzuhören.

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