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Heinz Rudolf Kunze packt drei Gitarren, einen Flügel und eine Mundharmonika ein und kommt mit seinem Soloprogramm „Wie der Name schon sagt“ am Samstag, 29. Februar, in die Orangerie nach Fulda. Foto: Veranstalter

Alles dreht sich um Worte und Töne

am 19.02.2020

Heinz Rudolf Kunze über seine Kunst, Bücher und das Internet / Am 29. Februar in der Orangerie

FULDA (chh). Heinz Rudolf Kunze kommt in die Orangerie. Der Mann, der auf fast 40 Bühnenjahre , 39 Studioalben, unzählige Bücher und Konzerte zurückblicken kann, beehrt am Samstag, 29. Februar, um 20 Uhr (Einlass: 19.30Uhr) mit seinem Programm „Wie der Name schon sagt“ die Domstadt.

Sie sind mit Ihrem Soloprogramm „Wie der Name schon sagt“ in Fulda. Wie sind Sie auf den Namen gekommen?
Die Frage habe ich sozusagen innerlich meinen Eltern gestellt: Wie seid ihr auf meinen blöden Vornamen gekommen?

Finden Sie den denn so blöd?
Ich hab noch nie in meinem Leben einen Menschen getroffen, der Heinz Rudolf heißt. Insofern ist mein Name ein ausgesprochenes Alleinstellungsmerkmal. Irgendwann ist mir dann diese Frage eingefallen „Wie der Name schon sagt“ und musste laut lachen. Da dachte ich, man merkt schon an meinem Namen, dass ich etwas Besonderes bin.

Was erwartet die Besucher in Fulda? Worauf dürfen sie sich freuen?
Es ist eine Mischung aus Bruce-Springsteen-Solo am Broadway und Harald-Schmitt-Show. Also Lieder und dazwischen viel Text zum Zeitgeschehen oder irgendwelche skurrilen Geschichten, die mir eingefallen sind. Ein bisschen Kabarett, ein bisschen Poesie und dann eben handgemachte Musik: drei Gitarren, ein Flügel, eine Mundharmonika und ich.

Auf das wesentliche also reduziert?
Naja, mehr reduzieren kann man nicht. Da haben die Hörer die Möglichkeit, ein Lied von mir zu hören, so wie ich es selber zu Hause vorspiele, wenn es gerade fertig ist. Näher kommt man an den Schaffensprozess gar nicht heran. Es ist quasi ein Blick über die Schulter in der Werkstatt.

Spielen Sie dann auch „Dein ist mein ganzes Herz“?
Natürlich spiele ich es, weil die Leute es hören wollen. Ich habe ihnen gegenüber eine gewisse Verpflichtung. Es ist ein Phänomen. Dieses Lied wird nie gerufen und dennoch wären sie wahrscheinlich stinksauer, wenn ich es nicht spielen würde. Ich habe es nie für eins meiner guten gehalten und nie verstanden, warum es so einen Erfolg hatte. Ich nehme es staunend zur Kenntnis und bin für diesen Erfolg dankbar.

Die Leute lieben es noch immer …
Es ist halt ein Gassenhauer, es war etwas, was man sich gut merken konnte. In der richtigen Zeit, im richtigen Moment hat es eingeschlagen wie eine Bombe. Es ist eines der bekanntesten Nummern der 80er Jahre. Was soll ich machen? Es ist mein Schicksal. Besser, man hat so ein Lied, als dass man es nicht hat.
Und immerhin stehen Sie dadurch nun bereits seit 40 Jahren auf der Bühne.
Also nur wenn Sie ganz penibel rechnen, kommt das hin. Am 9. November – ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit, aber das wurde erst später so genannt – 1980 war mein erster öffentlicher Auftritt. Also gegen Ende des Jahres. Meinen ersten Profivertrag hab ich im Januar 1981 unterschrieben. Also muss man noch bis nächstes Jahr warten, bis man sagen kann, das Jubiläum ist vollendet. 1980 war ich noch reinrassiger Amateur.

Dieses Jahr erscheint ein neues Album, ein neues Buch, eine große Tour steht an – wie kriegt man das alles unter einen Hut?
Durch Arbeit. Ich darf viel tun. Das ist schön. Es gibt noch viel zu tun. Das ist noch schöner. Und es gibt noch Leute, die das hören wollen und lesen wollen. Das ist das allerschönste. Da ich viel delegieren kann, unangenehme Dinge abgeben kann an mein sehr gutes Team, bleibt relativ viel Zeit für mich zum Ausdenken von Dingen.

Gibt es Rituale, wenn Sie unterwegs sind?
Nein, ich wüsste nicht welche.

Sie lieben es ja, mit Ihrer Band unterwegs zu sein. Was aber schätzen Sie daran, wenn Sie mal allein auf Tour sind?
Da habe ich alles selber in der Hand und bin nicht der Zirkusdirektor eines großen Wanderzirkusses, wo die Abläufe doch dramaturgisch relativ festgelegt sind. Wenn ich alleine losziehe, kann ich machen, was ich will. Da muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen – auf kein Lichtkonzept, keine Band und auch kein Tonkonzept. Da kann ich spontan Sprechtexte austauschen oder ändern, wenn mir was einfällt, kann die Liedauswahl auch in gewissen Grenzen variieren, wenn mir danach ist. Es ist sehr spontan. Und natürlich auch sehr intim. Die Leute sind sehr dicht an mir dran.

Sie sind ein Tausendsassa. Was machen Sie, wenn Sie mal nicht schreiben oder Musik machen?
Komisch, das wollen immer alle wissen. Es tut mir leid, wenn ich Sie da furchtbar langweilen muss, aber ich bin so monomanisch veranlagt, wenn ich nicht schreibe oder komponiere, dann höre ich Musik und lese. Also ich beschäftige mich eigentlich immer mit den Dingen, die mein Lebenselixier sind. Oder ich gucke mir langweilige, behäbige deutsche Fernsehkrimis an, um abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Oder ich gehe mit dem Hund spazieren oder ich lege mich in die Sauna, also relativ normale Dinge. Aber normalerweise kreist meine wache Aktivität immer um Worte und Töne. Ich bin ein extrem umtriebiger Leser und ein genauso umtriebiger Musikhörer – meistens tue ich beides zugleich – und tanke dann meine Batterien wieder auf.

Nebenbei schauspielern Sie auch noch. Zuletzt haben Sie bei einem „Tatort“-Krimi mitgewirkt. Was würden Sie sonst noch gerne mal ausprobieren?

Also ich möchte eigentlich nur Dinge tun, die etwas mit Tönen und Worten zu tun haben, da bin ich voll ausgelastet als Schreiber, als Musiker, als Hobbyschauspieler. Früher war ich auch noch journalistisch unterwegs und hab’ für Musikzeitschriften geschrieben, aber die gibt es ja heute kaum noch. Ich bin für Radiosender tätig gewesen, habe Features, Hörspiele, Radiosendungen gemacht, bin als Tour-Reporter geschickt worden zu Europatourneen von großen Stars. Das habe ich ein bisschen zurückgefahren. Ich habe auch ein Jahr lang an einer Uni Popkurse gegeben. Das wurde mir dann etwas zu viel. Aber mit den Dingen, die um Töne und Worte kreisen, bin ich vollauf beschäftigt. Ich muss nicht unbedingt den Himalaya hinaufkraxeln oder in die erste Marsrakete rein.

Was war das letzte Buch, das Sie zur Hand genommen haben?

Ich lese immer drei oder vier Bücher gleichzeitig. Gestern und vorgestern habe ich noch mal die gesammelten Gedichten von Wolf Wrondatschek durchgelesen, weil die mich Anfang der 80er Jahre, Ende der 70er Jahre ungeheuer beeinflusst haben. Und ich glaube, der Titel meines ersten Albums „Reine Nervensache“ ist auch eine Formulierung, die ich aus einem Wrondatschek-Gedicht übernommen habe. Außerdem lese ich gerade endlich mal Moby Dick von Herman Mel-ville, zu dem ich noch nie gekommen bin.

Der stand wahrscheinlich ewig lange auf Ihrer Liste?
Genau. Auf meinem Tisch in meinem Arbeitszimmer, dem gemütlichen zwischen den Sofas, türmt sich ein etwa ein Meter hohes Gebirge aus Büchern, die meine To-do-Liste darstellen. Ich muss manchmal selber lachen. Wenn ich mein Gegenüber sehen will, muss ich mich immer ein bisschen aufrichten, um über den Berg an Büchern zu gucken. Die anderen müssen immer schauen, wie sie ihr Weinglas platzieren, damit sie meine Bücher nicht beflecken.

Sind Sie jemand, den man beim Bäcker antreffen kann?
Das kann schon sein. Nicht regelmäßig, aber ab und zu schon. Ich lebe in einem kleinen Dorf nördlich von Hannover. Da kennt man mich schon auch in den Läden.

Besitzen Sie ein Smartphone oder können Sie dem digitalen Lifestyle nichts abgewinnen?
Ich kann dem überhaupt nichts abgewinnen, ich muss mich darauf einlassen, zum Teil weil ich sonst in den Augen der meisten Menschen nicht existieren würde, aber ich mag diesen Lifestyle nicht. Ich benutze mein Handy einfach zum Telefonieren und nicht, um meine Steuererklärung oder was weiß ich zu machen. Ich bin nicht technikaffin, überhaupt nicht.

Viele Menschen nutzen ihr Handy sogar, während man miteinander spricht. Was machen Sie, wenn Menschen ihnen gegenüber unhöflich sind?
Dann breche ich das Gespräch ab. Ich finde schon, dass die moderne Technik dem Menschen sehr geschadet hat. Und wenn ich zaubern könnte, würde ich das Internet abschaffen. Es hat den Menschen eindeutig verblödet.

Und heutzutage wird ja auch noch weniger gelesen – was Bücher und Zeitungen angeht ...
Als die Menschen noch in Büchern recherchieren mussten, waren sie mit Sicherheit – dafür lege ich meine Hand ins Feuer – klüger. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte kein Maschinenstürmer sein. Ich sehe schon, was man alles mit dem Internet machen kann. Natürlich ist das toll, wenn die Oma mit ihrem Enkel in Kalifornien skypen kann, und auch, wenn man nach einer Naturkatastrophe ganz schnell Leute zusammentrommeln kann. Aber wenn ich das alles abwäge, komme ich zu dem Schluss, dass die Missbrauchsmöglichkeiten und Nachteile überwiegen.
Es trägt zu einer unglaublichen Verrohung der Sitten bei. Dieses anonyme Heckenschützenwesen, dieses feige Rummeucheln und Hetzen, das finde ich unerträglich. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Die Technik ist da und da kann man es machen. Also müsste eigentlich die Technik weg. Das ist Wunschdenken, das ist mir klar.

Wenn Sie auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zurückblicken, haben Sie da Angst vor der Zukunft?
Ja, Sorgen mache ich mir schon. Ich habe schließlich schon Enkel und möchte, dass sie auch noch eine lebenswerte Welt haben. Wir sind gerade nicht in einer Zeit, in der es sich zum besseren entwickelt. Die Wahrheit und die Freiheit sind überall auf der Welt extrem bedroht. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich es noch mal erlebe, dass die Deutschen in einer Umfrage – völlig zu Recht – sagen: Der gefährlichste Mensch der Welt ist der amerikanische Präsident. Das hätte ich nie gedacht. Da sitzt ein unkontrollierbares Monstrum an den mächtigsten Hebeln der Welt. Das ist unfassbar.

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