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Wie es sich für einen ordentlichen Bauern gehört: Franz Habersack beim samstäglichen Kärchern seines Traktors. Fotos: Tobias Farnung

Ein völlig unerwarteter Hype

am 12.02.2020

Michael Bleuels „Das Ô“: Vierte Auflage, ausverkaufte Lesungen, Platt lernende Kinder

HOFBIEBER (tf). Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da hat Michael Bleuel alias Bauer Franz Habersack  „Das Ô“  veröffentlicht. Was sich daraus entwickeln sollte, war für Bleuel damals undenkbar gewesen.

„Es ist schon irgendwie der Wahnsinn“, sagt Michael Bleuel, der in der laufenden Fastnachts-Kampagne als Bauer Franz Habersack („hônnôtzwanzich Hektar, verzich Ferglsäu un ledich“) bei zahlreichen Fremdensitzungen der Region auf der Bühne steht. Im Mai des vergangenen Jahres war bei Parzellers Buchverlag sein Mundart-Lehrbuch „Das Ô“ erschienen. Der Grund, warum sich Bleuel damals die Mühe gemacht hat:„Ich wollte einen Beitrag leisten, dass das Rhöner Platt nicht ausstirbt und durch diese Form des Buches vielleicht auch junge Menschen animiert werden, sich mit der regionalen Mundart zu beschäftigen.“
Und genau das scheint ihm offensichtlich gelungen zu sein. Für ihn ist es nach wie vor unfassbar, welchen Hype das Buch ausgelöst hat. „Das Buch war bereits nach wenigen Wochen ausverkauft“, sagt Rainer Klitsch, Geschäftsführer von Parzellers Buchverlag, der Bleuels Erstlingswerk auf den Markt gebracht hat. Mittlerweile neigt sich bereits die vierte Auflage dem Ende entgegen. „Einen solchen Erfolg hatten wir mit regionalen Titeln bisher nur sehr selten“, sagt Klitsch. Beim Buchhändler Thalia in der Fuldaer Bahnhofstraße schmücken bis heute zwei Zettel den Stapel mit den Büchern mit dem grünkarierten Muster – dem Muster, das auch Franz Habersacks Jacke – oder eben „Motze“ – ziert. „Jahresbestseller“ steht auf dem einen, auf dem anderen „das meist verkaufte Buch bei uns im Jahr 2019 – nicht nur für Rhöner!“. Bestellt wurde das Buch übrigens bereits aus Südkorea, Brasilien und den USA.
Aber es sind nicht nur die Verkaufszahlen, die beeindrucken. Auch wenn Bleuel das Drumherum betrachtet, kann er sich manchmal nur die Augen reiben. Zur Buchvorstellung hatte er gemeinsam mit dem Verlag eine Premierenlesung in Hofbieber angeboten. „Nach 20 Minuten war der Termin restlos ausverkauft“, erinnert sich Rainer Klitsch. Es folgten bis heute rund 20 weitere, allesamt restlos ausverkaufte, Lesungen rund um „Das Ô“ – von der Heile Schern in Spahl bis hin zum Kulturkeller in Fulda. Und die Nachfrage ist ungebremst:„Für 2020 stehen bereits rund 25 weitere Lesungen fest“, sagt Michael Bleuel. Die Termine reichen bis in den November hinein.
Aus den ursprünglich als reine Lesung konzipierten Terminen wird immer mehr eine Comedy-Veranstaltung. Das mag zum einen daran liegen, dass Bleuel im VW-Tourbus stets die Plattschwatzgirls, Babba Bleuel und Siegfried Klüber dabei hat. Es liegt aber genauso an den munteren Dialogen, die sich mit den Besuchern an einem solchen Abend ergeben. „Der Feldsalat ist so ein Beispiel dafür“, sagt Bleuel. „In Hofbieber sagen wir zum Rapunzel-Salat auf Platt ,Rabunzl‘. Wenn man das in Spahl erzählt, steckt man mitten in der Diskussion. Dort heißt er nämlich ,Rawoinzl‘“.
Dass diese Beliebtheit des Buches automatisch auch die Bekanntheit Bleuels steigert, versteht sich von selbst. „Man wird schon häufiger angesprochen als früher“, sagt er. Als besonders lustig ist ihm aber vor allem eine Begegnung in Erinnerung geblieben:„Einmal bin ich gefragt worden, ob ich mit dem Michael Bleuel verwandt bin“, sagt er schmunzelnd.
Das Feedback, das er zu seinem Buch immer wieder bekommt, freut ihn besonders. So wurde ihm berichtet, dass sich tatsächlich einige Kinder wieder mit dem Rhöner Platt auseinandersetzen. Extrem berührt hat ihn die Erzählung von einer schwerkranken Frau aus Gersfeld, die beim Hören der CDzum Buch noch einmal richtig gelacht habe.„Auch wenn mich das Schicksal dieser Frau sehr traurig macht, freut es mich, dass ich ihr ein schönes Erlebnis bescheren konnte“, sagt er.
Ein weiteres Beispiel, dass sein ursprünglicher Plan hinter dem Buch aufgeht, ist die Hofbieber Band Hobbitz, die – motiviert durch Bauer Habersack – ein neues Mundartmusikprojekt gestartet haben. „Das gibt mir Hoffnung, dass das Rhöner Platt nicht ausstirbt“, sagt er.
Richtig lustig ist auch eine Anekdote aus der Kirche in Hofbieber. „Dort wurde sonntags dazu aufgerufen, nicht so zu fluchen wie Bauer Franz Habersack“, berichtet Bleuel. Dies sei allerdings eine eher scherzhafte Aufforderung des „genialen“(O-Ton Michael Bleuel)Pfarrers Ulrich Pasenow gewesen.

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