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1982 bezog die Volkshochschule das Gebäude der ehemaligen Städtischen Sparkasse (Kanzlerpalais) am Platz Unterm Heilig Kreuz. Seitdem bildet das Gebäude das Herzstück der städtischen Volkshochschule. Foto: Stadtarchiv Fulda/Erwin Sturm

Von Bildungseuphorie und Deutsch-Kursen

am 11.02.2020

Zur Geschichte der Städtischen Volkshochschule (Teil 3) / Zahlreiche Herausforderungen der Gegenwart

FULDA (fd). Die Städtische Volkshochschule Fulda ist eine der traditionsreichsten Bildungseinrichtungen der Region. Das Licht der Welt erblickte sie im Januar 1920 – in politisch bewegten Zeiten. Und auch in all den Jahrzehnten ihres Bestehens ist sie immer auch Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen der jeweiligen Epoche gewesen. Jetzt feiert sie ihr hundertjähriges Bestehen. In einer dreiteiligen Serie soll die Geschichte der Städtischen Volkshochschule beleuchtet werden.

In den Jahren und Jahrzehnten nach der Wiedergründung im Jahr 1947 gab die Volkshochschule viele Impulse zur kulturellen Entwicklung der Stadt. Immer wieder wird verwiesen auf die Beliebtheit der schöngeistigen Kurse (Literatur, Kunstgeschichte, Musik). Erwähnenswert ist auch, dass die Kurse je zur Hälfte von Männern und Frauen fast paritätisch besucht wurden. Dabei wirkte die Volkshochschule auch als Impulsgeber für andere Institutionen: 1954 kam es zur Einführung einer Jugend-Volkshochschule. Das noch heute bestehende Kammerorchester der Jugend war zunächst eine Veranstaltung der Volkshochschule. Auch musikalische Erziehung spielt eine große Rolle, bevor es in späteren Jahren zur Gründung der Städtischen Musikschule kam.
Eine sehr einschneidende Zäsur für die ganze Stadt brachte das Jahr 1972, als Fulda seinen Status als kreisfreie Stadt verlor. Die Städtische Volkshochschule wurde neben anderen Einrichtungen dem Landkreis angegliedert. Dieser Zustand währte bis 1977, als es der Stadt Fulda neben sieben anderen hessischen Städten gelang, Teile ihrer Autonomie zurückzuerhalten, in dem sie den Status einer „Sonderstatusstadt“ erreichte. Neben anderen Einrichtungen wurde auch die Volkshochschule wieder in städtische Trägerschaft zurückgeführt.
Die Bildungseuphorie der 1970er Jahre und die Verbesserungen der finanziellen Rahmenbedingungen durch das Hessische Erwachsenen-Bildungsgesetz von 1970 ermöglichten es, die Volkshochschule im Sinne einer weiteren Professionalisierung auszubauen. Die Volkshochschule bekam einen eigenen Leiter, Ingo Schaumburg, der die Einrichtung bis zur Jahrtausendwende führte. Ihm folgte ab 2001 Dr. Franz-Georg Trabert.
Auch die räumliche Ausstattung der Volkshochschule konnte schrittweise verbessert werden. Während in ihrer ganzen Geschichte die Volkshochschule gleichsam als „Untermieter“ in städtischen oder schulischen Räumen in den Abendstunden untergebracht war, wurde das historische Kanzlerpalais, Unterm Heilig Kreuz, 1982 zum Herzstück der Volkshochschule. Das Kanzlerpalais ist Verwaltungssitz und Hauptunterrichtsstätte. Nachdem dieses historische Gebäude (1740) von 2011 bis 2014 unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten aufwendig restauriert worden ist, hat die Volkshochschule einen angemessen Standort im Herzen der Stadt gefunden.
Die erwähnte Verbesserung der Förderungsgrundlagen in den 1970er Jahren erlaubte es auch, die Angebotspalette der Volkshochschule zu erweitern und zu spezifizieren. Seit Anfang der 1980er Jahre wurden pädagogische Studienleiter speziell für die Fachbereiche Politik, Geschichte, Philosophie und Kultur sowie für Naturwissenschaften und regionale Bildung eingestellt. Seitdem ist im Programmprofil eine deutliche Schwerpunktsetzung sichtbar. Neben Angeboten wie Sprachen und Gesundheitsbildung gibt es an der Städtischen Volkshochschule – ganz den Traditionslinien seit 1920 folgend – auch heute noch Vorträge und Seminare zu anspruchsvollen Themenstellung aus der geistigen Welt. Teilweise kommen Hörer von weit her, um Vorträge in Fulda zu verfolgen.
Auch hat es die historisch seit langem bestehende Tradition einer Zusammenarbeit mit dem Fuldaer Geschichtsverein und dem Verein für Naturkunde Osthessen ermöglicht, anspruchsvolle Vorträge von gesellschaftspolitischer Bedeutung anzubieten. Diese Angebote werden in zwei speziellen Rubriken „Studium generale“ und „Studium regionale“ aufgeführt. Das gesamte Programmangebot wird von einem VHS-Beirat begleitet, in dem Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen vertreten sind.
Die drängendste Herausforderung der Gegenwart ist es, der gesellschaftspolitischen Herausforderung der Integration von Bürgerkriegsflüchtlingen und Asylbewerbern nachzukommen. So ist das Unterrichtsvolumen des Fachbereiches „Deutsch als Fremdsprache“ seit etwa 2004 kontinuierlich angestiegen, um dann in Folge der Flüchtlingskrise im  Jahr 2017 gleichsam zu explodieren. Das Unterrichtsvolumen der Volkshochschule stieg innerhalb kürzester Zeit von 10 000 Unterrichtsstunden auf 16 000. Die Suche nach Räumen, Lehrkräften und Finanzmitteln beschäftigt die Einrichtung immerfort, und es wird eine Herausforderung bleiben, die Tradition einer 100-jährigen Bildungseinrichtung mit den sozialpolitischen Herausforderungen der Gegenwart zu vereinbaren und in einer ausgewogenen Balance zu halten.

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