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Die Fastnacht und der Fuldaer Rosenmontagsumzug lockt Jahr für Jahr auch Tausende Narren an – im Exklusivinterview mit unseren Wochenblättern geben die Hoheiten der Fuldaer Karneval-Gesellschaft (FKG) exklusive Einblicke in ihr Leben. Foto: Torsten Goßmann

Sternenprinz in Marktkorb-Rot

am 10.02.2020

Influencer, Stadtführer, Großstadtdebattierer: Prinz Harald Ortmann und seine Mannschaft im Interview

FULDA (cle/jh). Großstadtdebatte, Sternenpark-Projekt, Digitalisierung, Nachwuchsmangel: Im Marktkorb-Interview zeigten Sternenprinz Harald LXXIX. (der 79.) und seine Mannschaft, dass sie nicht nur jede Menge Humor besitzen, sondern sich auch ernsthaft mit aktuellen Themen beschäftigen – eben am Puls der Zeit, mit klaren Positionen, tollen Ideen. Und obendrein sind sie auch noch gesellig. Aber lesen Sie selbst!

Erstmal großes Kompliment: Eure Uniformen sind wirklich schön – im (Marktkorb)-Rot ...
Sternenprinz Harald Ortmann: Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit, tatsächlich (lacht). Aber eigentlich haben wir das Rot gewählt, weil es eine Vereinsfarbe der FKG ist. Und im Stadtwappen von Fulda ist ja auch Rot zu finden.

Die Sterne fallen ganz besonders auf.
Sternenprinz Harald: Das ist mir auch ein ganz besonderes Anliegen. Wie Ihr wisst, bin ich für den Landkreis im Ehrenamt für Umwelt- und Klimaschutz tätig. Das Projekt „Sternenpark“ liegt mir ganz besonders am Herzen. Denn ein großer Teil der Lichtverschmutzung ist vermeidbar. Ich berate dabei zum Beispiel Firmen, wie man deren Beleuchtung verbessern kann. Wirklich jeder kann etwas zu schönerem und besser gestreutem Licht beitragen. Viele wissen das jedoch nicht. Und das müssen wir publik machen.

Und welchen Background hat Euer Orden?
Wir haben uns für die Orangerie entschieden, da sie für uns der Inbegriff der Fulder Foaset ist: „Ball der Stadt Fulda“, Fremdensitzungen, die Foaset Party ganz neu in diesem Jahr und der Romo-Empfang. Diese besonderen Ereignisse finden in der Orangerie statt.

Eigentlich wohnst Du mit Deiner Familie in Eichenzell, aber mit Fulda hast Du Dich wohl stark identifiziert.
Sternenprinz Harald: Ich bin in Fulda verliebt (lacht). Aber in der Tat: Ich kenne Fulda so gut wie meine eigene Westentasche. Letztes Jahr habe ich eine Ausbildung zum Stadtführer gemacht.

Und was ist Dein Lieblingsort?
Sternenprinz Harald: Die Affengalerie im Sommer finde ich wunderschön. Ansonsten gehe ich unheimlich gerne in die Stadtpfarrkirche. Das ist zwar kein Prachtbau wie der Dom, aber es ist eine schöne Kirche, an der für mich Erinnerungen hängen – an meine Zeit als Messdiener und meine Hochzeit.

Wenn wir schon bei Fulda sind … Wie steht Ihr als Eichenzeller beziehungsweise  Petersberger zur Großstadtdebatte?
Sternenprinz Harald: Ich finde den Gedanken sollte man weiterverfolgen. In Zeiten der Digitlisierung wächst vieles sowieso zusammen. In der Foaset gehören wir eh alle zusammen,den Rest soll die Politik klären. Aber sind wir mal ehrlich: Petersberg und Künzell gehören doch eigentlich bereits zu Fulda, das kann man Auswärtigen sowieso kaum erklären.
Adjutant Ralf Schultheis: Warten wir es mal ab.
Adjutant Jochen Gemming: Ich denke, die Petersberger sagen „Wir kommen auch alleine ganz gut klar.“ Natürlich muss man ein wenig schauen, wie die Zusammenarbeit läuft, gerade weil es ja Stadtregion ist. Aber wenn man eigenständig bleibt, kann man immer noch Entscheidungen für die Gemeinden selbst treffen.

Und in der Foaset? Sind da schon alle eine große Einheit?
Sternenprinz Harald: Da finde ich es toll, dass die Petersberger bei den Fuldaern mitmachen Eine tolle Mannschaft übrigens! Die sind zum Beispiel bei den Treffen der Tollitäten immer dabei. Ich bedaure es ein wenig, dass die Künzeller sich sehr rar machen. Da sollten gemeinsamen Termine im Vorfeld besser abgestimmt werden.

Abgesehen vom Tollitätentreffen gab es schon viele besondere Anlässe. Was war das absolute Highlight?
Sternenprinz Harald: Ganz besonders wird sicherlich der Romo. Der Fastnachtsgottesdienst, bei dem die Karnevalisten für den Frieden beten, war sehr schön. Das hat mich emotional total berührt. Aber auch der „Ball der Stadt Fulda“ war Bombe, genauso wie die Prinzentaufe und viele, viele Einmärsche. Die Kampagne an sich ist einmalig. Das erlebt man so nie wieder.

Was war die späteste Heimkehr oder die früheste –  je nachdem?

Sternenprinz Harald: Das war nach dem Ball. Aber wir müssen auch nicht morgens in der Helligkeit nach Hause. Ich messe auch nicht das Amt daran, wann ich ins Bett gehe.

Woran wird es gemessen?
Adjutant Ralf: Am Spaß, den wir den Leuten bringen. Wir wollen, dass die Gäste sagen: „Mensch, die haben das richtig gut gemacht. Eine tolle Mannschaft! Schön, dass sie da waren.“ Dann ist alles gut.
 
Und für diesen Spaß war es auch nicht schlimm, dass der Skiurlaub mal ausfallen muss? Wird der noch nachgeholt?
Ich wollte eigentlich. Wir fahren immer mit einer großen Gruppe. Ralph ist da auch dabei. Aber ich verzichte von Aschermittwoch bis Ostern auf alles. Da mache ich gar nichts mehr.

Ist das Amt aufwändiger, als Ihr gedacht habt?
Sternenprinz Harald: Ja. Ich habe es unterschätzt. Das gebe ich offen zu. Aber es macht Spaß. Ich würde es jedem empfehlen, der Spaß daran hat.
Adutant Jochen: Man weiß ja auch schon im Vorfeld, was einen erwartet. Es muss einem bewusst sein: Als Prinzenmannschaft hat man zwei bis drei Monate ein fremdbestimmtes Leben. Man braucht gar nichts zu planen. Aber man weiß nicht, wie sich das anfühlt in der Intensität. Fast wirklich jeden Tag steht ein anderer Termin an. Es ist aber eine einmalige Sache. Es gibt so viele Erlebnisse, Begegnungen – man kann das gar nicht an etwas ganz Exponiertem ausmachen. Wir haben ganz viele neue Erfahrungen gemacht, Leute getroffen, die man so nicht kennengelernt hat.

Ihr seid als „Sternenprinz“ auf Instagram sehr aktiv. Ist das auch eine neue Erfahrung?
Sternenprinz Harald: Das war Lucas Idee. Und es macht richtig Spaß, Videos online zu stellen, Fotos zu bearbeiten etc.. Es lohnt sich: Täglich haben wir neue Follower. Vor allem viele junge Leute.

Der Tanz der FKG-Teenies haben wir auf Instagram geteilt, und es gab mehrere tausend Klicks. Wie ist es um die Nachwuchsarbeit grundsätzlich bei Euch in der FKG bestellt?
Sternenprinz Harald: Das wird bei uns großgeschrieben. Natürlich ist das von Verein zu Verein unterschiedlich. Ich würde mir wünschen, dass die Foaset noch aktiver wäre. Aber heute gibt es einfach zu viele Angebote. Und dann gibt es ja auch noch die, die nicht nur Fastnacht machen, sondern 1000 andere Dinge. Bei unseren Einmärschen stelle ich jedoch fest, dass in vielen Vereinen viele junge Menschen sind. Und dann gibt es noch die kleinen Vereine. Es wird schon viel gemacht mit hohem Engagement.

Es gibt allein 90 Veranstaltungen nur im Stadtgebiet.
Adjutant Ralf: Das ist schon enorm. Ich bedaure nur, dass es immer weniger Büttenredner gibt. Das ist meiner Meinung nach die Kunst überhaupt. Wenn das jemand gut kann, ist das sensationell. Aber die Gesellschaft verändert sich. Heute wollen die Leute mehr Party haben. Ich glaube, man muss die Menschen heute anders unterhalten. Und da müssen die Fastnachtsvereine umdenken. Wenn sie sich langfristig erhalten wollen, müssen sie auf das Publikum eingehen. Deswegen machen wir ein neues Format, die Foaset-Party in der Orangerie.
Adjutant Jochen: Wir gehen ja immer in volle Säle, aber die Frage ist, wie lange sich das hält. Man muss ein bisschen was verändern. Wir müssen mehr die 30-/40-Jährigen abholen.

Harald weiß schon seit März vergangenen Jahres, dass er Prinz wird. War es schwierig, das geheimzuhalten?
Adjutant Jochen: Mit der Geheimhaltung ist es tatsächlich sehr, sehr schwierig. Man freut sich auf das Amt und darf es aber nicht nach außen tragen und nichts sagen. Die Vorfreude kann man leider nicht teilen.
Sternenprinz Harald: Das Amt des Prinzen ist ja das größte Geheimnis. Das wird top gehütet. Nur der Präsident weiß noch, wer Prinz wird – vielleicht noch der Vize. Angeblich weiß der Präsident auch schon, wer im nächsten Jahr Prinz wird.


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